Das war das Jahr 2004 in Marzahn-Hellersdorf

War das nicht ein tolles Jahr im Wuhleland? Politisch geprägt durch das Ringen um's "Sparen bis es quietscht", wie uns aller Wowi so nett zu formulieren wusste. Spätestens in der zweiten Hälfte 2004 musste man sich da die Ohren zuhalten: Bibliotheken zu, Kultureinrichtungen zu, Personal weg. Man kann es nicht oft genug wiederholen: Sparen heißt eigentlich, "überzähliges" Geld "auf die hohe Kante" zu legen. Wir aber haben uns nur die Kante gegeben. Mit dem Kanten, nicht mehr mit dem ganzen Brotlaib, werden nun die Alo-II-Empfänger sich begnügen müssen. Man hört sie schon singen: "Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!" Wobei zur Ehre unserer hiesigen Basis-Sozis gesagt sein muss: Von denen finden die wenigsten Schröder-Clement-Hartzens Pläne toll. Toll hingegen ist, wie es einigen unserer Politiker immer wieder gelingt, Fördermittel der Europäischen Union zu akquirieren. Hier ein ganzes Milliönchen, dort ein halbes - immer schön für den Sand, in den gesetzt so manches Projekt erscheint jot w.d.-Leser wissen, was gemeint ist. Sie wissen sicher auch, dass Brüsseler Geld nichts anderes ist als Steuergeld. Da quietscht der Sand im Getriebe oberhalb des letzten Halswirbels, oder? Neben solchen "Erfolgen" hat der Bezirk allerdings auch echte vorzuweisen. Die "Gärten der Welt" im Erholungspark beispielsweise. Schade nur, dass Berlin-Besucher, sofern sie sich bei den Touristen-Infos (City Ost, City West) informieren, davon rein gar nichts erfahren. Oder das Marzahner Stadtumbau-Projekt. "Geht doch", werden Bewohner und ihr Beirat in der Silvesternacht gerufen haben. Manch gute Sache braucht halt doch etwas mehr Druck von unten.

Diesen Druck wünschen wir auch dann, wenn es in diesem Jahr erneut Einwohner-Versammlungen geben wird. Nicht das Bezirksamt, die Bewohner müssen die Tagesordnung bestimmen. Damit nicht wieder das Verbreiten von Statistiken von den tatsächlichen Problemen ablenken kann. Ablenkung, Zerstreuung von des Tages Mühen bieten links und rechts der Wühle nicht nur die große Zahl von Veranstaltungen, bei denen das "Talken" mittlerweile eine echte Oberhand zu gewinnen scheint. Neben aller kritischen Berichterstattung, der sich jot w.d. verschrieben hat, zeigen wir natürlich auch die schönen Seiten unseres Bezirkes. Allein die Titelbilder! Fünf hübsche Mädchen waren da zu sehen, schicke Männer, tolle Künstler und sogar ein lachender (!) Kultursenator. Auch Tiere! Und Sportler! Wo, bitte schön, findet man das sonst (außer dort, wo stets Nackedeis vom drauf sind)? Und wo gibt es solch tolle Schwejkiaden, wie sie jot w.d. nicht allein auf der jeweils letzten Seite bietet?

Nun also auf ein Neues. Machen Sie mit - sachlich, kritisch, optimistisch - wie jeden Monat.

Ihr jot w. d. -Team

Januar

 

Südsee neben Plattenbau

Bali-Garten im Erholungspark eröffnet

Trinawangwulan Sudarga im Baligarten

Hoffnungsvoll begann das Jahr:

Bürgermeister Uwe Klett versprach in Nummer 1/2004 von jot w.d., dass weniger öffentliche Einrichtungen geschlossen würden. Leider war das Gegenteil der Fall.

In Nummer 1/2004 begann jot w.d. die Diskussion um die aus der Nazizeit stammenden Straßennamen. Bis zum Mai versuchen wir, viele aktuelle Aspekte der Problematik aufzugreifen. Am Schluss Enttäuschung: Weder Anwohner noch Politiker wollten sich der Verantwortung stellen.

Das einzig Verlässliche des Jahres kündigte jot w.d. bereits im Januar an: Die Sanierungen in der Großsiedlung gehen weiter

Februar

7 Bürgermeister

Treffen anlässlich 25 Jahre Marzahn

Sieben Bürgermeister im Gespräch mit Prof. Eisentraut

 

Der zweite Monat war der des großen Beginnens: In Mar­zahn Nord startete der Umbau der Elfgeschosser zu Ter­rassenhäusern. Sie sind jetzt fast fertig. Das Regional­management startete eine Imagekampagne, von der kaum etwas zu merken war und zu bemerken ist. Das Bezirks­amt startete seine verunglückte Aktion der Einzäunung des Habermannsees. Und die TLG startete den Bau eines Ärztehauses an der Marzahner Promenade.

März 

Ost-Heimatstube 

Mitten in der Sanierung ein Rückblick

Wowi mit Erika in der Hellersdorfer Heimatstube

Im März starteten an mehreren "Stellen" des Bezirks Diskussionen: Die CDU zeigte sich in zwei Lager zerstritten. Mittlerweile ist der Machtkampf ausgestanden, einige Unterlegene räumten das Feld. 

Eine Bürgerinitiative begann mit dem Kämpf um den Erhalt der Ringkolonnaden. Nun stehen sie immer noch, und einiges Leben zog auch ein. Die SPD machte sich für den Erhalt des Deutschtums stark und sammelte Unterschriften gegen den Namen "eastgate" für den neuen Einkaufstempel. Vergeblich. Und in jot w.d. veröffentlichte Dieter Winkler einen beachtlichen Beitrag in der Diskussion um Reformen in Wirtschaft und Gesellschaft. 

April 

Kämpfer gegen Wasser

Auszeichnung für Fluthelfer

Franziska Riesner mit Fluthelferorden

 Nicht zum ersten Mal nahm sich jot w.d. im wetterwendischen Monat des Wernerbades an. (Das Thema begleitete uns bis spät in den Herbst und wird auch im neuen Jahr ' eine Rolle spielen.) Hoffnung gab es kaum. Diese keimte eher an der Quedlinburger Straße auf, als ein Investor aus Brandenburg die leeren Häuser ersteigerte. Mittlerweile ist er genauso "verschwunden" wie seine Vorgänger. Der Schandfleck ist nicht tot zu kriegen. Unterdessen wandte sich der Bewohnerbeirat NordWest Hilfe heischend an den regierenden Wowi, der im Monat zuvor Hellersdorf besucht hatte. Vierzig weitere Terrassenwohnung sollten genehmigt werden. Nach zähem Ringen über mehrere Monate konnte das Vorhaben verwirklicht werden.

Mai 

Schweden-Happen

Gründerzeitsammlung vereint

 

Gründerzeitbuffett

 Der Herausgeber von jot w.d. veranstaltete eine öffentliche Diskussion zum Thema Straßennamen, zu der sich leider mehrheitlich Gäste einfanden, die gar nicht diskutieren wollten. Ungeachtet der eigentümlichen Diskussion um den Namen versenkten die ECE-Bosse in Marzahn den Grundstein für das "eastgate". Ohne größere Diskussionen gab's (dem Namen nach) zum letzten Mal den "Ausbildungsoskar", nun heißt er einfach "Preis". Der guten Sache konnten die Anwälte aus Hollywood (hatten die Verwendung des Namens "Oskar" verboten) damit keinen Abbruch tun. Mitten im Monat begannen ganz heiße Diskussionen: Um die neue Sozialstudie. Und jot w.d. veröffentlicht seit Mai jeden Monat ein Preisrätsel. 

 

Juni 

Mehl aus Marzahn

Müller Wolf ist der Einzige seiner Art  

Müller Jürgen Wolf

Hübsch war die Idee, hübsch auch das Mädchen: Die Mit­glieder der Wohntheke Hellersdorf ließen per Hubschrauber 35 symbolische Millionen einfliegen, die sie in der Großsiedlung investieren wollten. Ein Stuntgirl seilte sich überm „Baukasten" damit ab. Am Jahresende verkündete WoGeHe-Chef Rudi Kujath stolz, dass man fast das Doppelte (62 Millionen) verbaut habe. Die Mieter sind dankbar. Dankbar war auch ein Kätzchen, das laut jaulend am Rande der Kleinsiedlung auf einem Baum saß. Es wurde von der Feuerwehr geret­tet. Dafür danken alle Katzen­freunde den netten Männern von der Wache. Undankbar hingegen müssen den Verfechtern des Freibades Eisensee die Gegner des Projektes erscheinen, die auf die rechtlichen Hürden aufmerksam machen.

 

 

Juli

Die Araber kommen 

Grundstein für orientalischen Garten

Tor zum künftigen Orientalischen Garten

Man stelle sich vor: Ein seit fast 20 Jahren schmorendes Projekt kommt nicht so recht von der Stelle. Die Ortsumfahrung Ahrensfelde ist bis heute eine Hängepartie. Schuld daran ist der Streit zwischen Behörden (deren Mitarbeiter in ruhigeren Gegenden wohnen) und den Anwohnern, die sich keine "billige Halblösung" aufdrücken lassen wollen. Zu dieser Frage schrieb jot w.d. (wenn auch nicht zum ersten Mal) in den folgenden Ausgaben mehrere Beiträge. Zum ersten Mal hingegen erschien eine Geschichte, die als Auftakt fungierte: Mit Jenny Petra begann die Serie "Musiklegenden des Ostens", von denen seither jeden Monat ein neuer Teil erschien. Kein Ende abzusehen. 

August

Vom Film zum Ton

Musiker kämpfen um Orwo-Haus

Sperrung der Landsberger Allee vorm Orwo-Haus,

Nein, es wird nicht nur dicht gemacht im Wuhlebezirk. Es gibt auch Neu- und Wiedereröffnungen. So begann im Mittsommer wieder reges Treiben auf der Parkbühne Biesdorf, wo Filme liefen und einige hochkarätige Bands spielten. Dass die versprochenen "billigen Preise" nicht zu halten waren, ist bedauerlich. Ganz neu wiederum ist die Candela Lounge in Hellersdorf, die mit ihrer Reihe "Noch'n Talk" namensgerecht einen weiteren Mosaikstein in die weit verbreitete Plauderlandschaft setzte. Ziemlich neu war auch der Aussichtspunkt am Kienberg, der einen tollen Blick in den Knallerbsenstrauch eröffnete. Und ein ganz Alter wacht jetzt am China-Park: Konfuzius, dessen Worte unsere Politiker einmal lesen (und dann beherzigen) sollten. 

September 

(N)immer montags 

Nur kurze Proteste gegen Hartz IV

Montagsdemonstrant

Einsatz kann sich lohnen. Das erfuhren die Mitglieder der Bürgerinitiative zur Rettung der Ringkolonnaden. Der bereits (fast) dem Abriss gewidmete Gebäudekomplex fand doch noch einige neue Mieter, sodass er erst einmal weiter existieren kann. Auch für die Anwohner in Mahlsdorf hat sich der Einsatz ausgezahlt: So einfach, wie sich das einige Herren im Bezirksamt dachten, wird es nicht gehen mit der Genehmigung von Wasserski-Anlage und Freibad am Eisensee. Voller Einsatz zeigte sich auch Manuel, der als zweiter Praktikant bei jot w.d. war und einige schöne Beiträge schrieb. Vergeblich hingegen war der Einsatz vieler Bewohner gegen die Pläne der BVG Es wurde nichts geändert. Vorerst jedenfalls. 

Oktober 

Lesen 

Hartes Ringen um Bibliothek Nord

Puppe an der Kleist-Bibliothek

Erfreut zeigte sich der regierende Wowi vom Terrassenhaus-Projekt in Marzahn Nord und beglückwünschte auch gleich eine Mieterin, deren Wohnung er sich näher ansah. Jedoch forderte er auch voller Strenge, dass die durch Intervention bei ihm genehmigten zusätzlichen Wohnungen auch rasch vermietet rsp. verkauft werden müssten. Denn zusätzliches Geld könne er für das ohnehin nicht ganz billige Projekt nicht locker machen. Geld gab's aber für die jungen Leute im Bezirk: 30 000 Büro aus dem Programm "Soziale Stadt" konnten sie selbst an eigene Projekte verteilen. Vertrauen und Verantwortung. 

November 

Der Gigant war da 

Udo Lindenberg pro Orwo-Haus 

Udo Lindenberg im Orwo-Haus

Auch wenn Probleme oft im Vordergrund stehen - feiern konnte jot w.d. in diesem Jahr auch; nämlich die 100. Ausgabe. Wie es sich gehört, mit einer Sondernummer in hoher Auflage, die durch die Hilfe vieler Partner ermöglicht wurde. Zum Feiern war auch der WoGeHe zumute, als sie das 10 000. modernisierte Bad ausgerechnet Finanzsenator Thilo Sarrazin vorführte (der muss ja Geld geben). Selbst der strenge Ausgabendrücker zeigte sich beeindruckt. Einen guten Eindruck hinterließ auch der neue Quartiersmanager für NordWest. Er kann noch richtig staunen über seinen neuen Kiez. Gar nicht erstaunlich ist hingegen Brandenburgs "Abschied" von der Länderfusion. In jot w.d. werden einige der sonst verschwiegenen wesentlichen Gründe aufgezeigt. Und da schloss sich auch der Kreis. Nummer l (Mai 1996) hatte genau dieses Thema als Aufmacher. 

Dezember 

Schicksalsschlag 

Familie verliert Kind bei Brand

letzte Aufnahme von Janek Mattke

Landmarke nennt sich der Aussichtspunkt südlich der B 1/5 am Berliner Balkon. Die Idee ist gut, die Ausführung ansprechend. Erstaunlich nur (und dies immer wieder), wie wenig man aus knapp 1,4 Millionen Büro machen kann. Nur zum Vergleich: Mit der gleichen Summe könnte man für ein ganzes Jahr 27 (siebenundzwanzig!) nicht schlecht bezahlte Vollzeit-Arbeitsplätze schaffen. Oder fast 100 Jahre lang jot w.d. in ihrer jetzigen Form Monat für Monat herausgeben. Manchmal scheint es, als wolle da jemand seine "Duftmarke" hinterlassen. Dergleichen wird es bald massenhaft nördlich des Nordring geben. Denn dort ist tatsächlich ein Hundeauslaufgebiet (wenigstens vorüber gehend) entstanden. Bellos von Nah und Fern können hier nach Herzenslust toben. Getobt, ausgetobt beim Schuldenmachen haben sich mittlerweile viele Menschen. Sie aus der Endlos-Falle zu holen, haben sich u.a. seriöse Anwälte verschrieben. Näheres dazu schreibt jot w.d.; womit wir schon im neuen Jahr sind. Ausgabe 1/2005 bringt den zweiten Teil zum Thema.

Fotos: Nachtmann (8), Dittmann (3), Preußing, Privat

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