Wuhletal-Piefkes:

"Man spricht deutsch"

Eine Weltstadt soll Berlin sein, möglichst nach der Fussball-Weltmeisterschaft und der Leichtathletik-Weltmeisterschaft auch noch Olympische Spiele ausrichten. Die ganze Welt ist hier zu Gast, und wenn die USA endgültig die UNO zerschmettern sollten, kann Berlin schon jetzt ausreichend leere Gewerberäume für den neuen Sitz der Weltorganisation anbieten.

Wie steht es aber um die Internationalität jenseits großspuriger Events mit Anspruch auf Weltgeltung? Da sieht es zum Teil mehr als mau aus. In Klein-Paris Leipzig sagen sie selbst in den Straßenbahnen alles auf Deutsch, Englisch und Französisch durch! Im schönen Berlin wird ein ausländischer Tourist oder Geschäftsmann die Ansagen selbst in S- und U-Bahnen nur verstehen, wenn er deutsch beherrscht. Na ja, wenigstens die Automaten für die so billigen BVG-Tickets und sicher auch die Toll-Kollekte-Apparate verstehen Fremdsprachen! Aber Autofahrer aus der größer werdenden EU könnten bei neu installierten Tafeln am gerade fertiggestellten Abschnitt der Berliner Stadtautobahn 100/113 mit dem nur in deutsch abgefassten Warnhinweis "Ende der Autobahn" das Grübeln bekommen. Das international lesbare Schild mit dem durchgestrichenen Autobahnsymbol hätte sicherlich weniger gekostet, aber mehr Hirnschmalz in der zuständigen Behör de verlangt.

Schauen wir aber in die Nähe auf unseren Bezirk Marzahn-Hellersdorf: Ihn erreichen die neuen EU-Nachbarn aus dem Osten, so sie wie heute üblich per Auto eintreffen, als erstes. Vergeblich suchen sie jegliche Internationalität oder gar ein polnisch- oder russischsprachiges Infotäfelchen an den östlichen Eingängen zur Weltstadt Berlin. Vor einem Jahr hatte jot w.d. in Erwartung der Osterweiterung ein solches Infotainment, wie es neudeutsch heißt, vorgeschlagen. Na ja, so schnell schießen die Preußen in ihren gut geheizten Amtsstuben und Firmensitzen nicht. Da lassen sie lieber die anreisenden Geldbringer ratlos im Regen (oder Schnee) stehen. Und verpassen die Chance, am Eingangstor Werbung in eigener Sache zu machen.

Es muss ja nicht gleich tschechisch sein, englisch und russisch reichen zu, meint

Euer Schwejk