Alte Wuhle trocknete aus,

Behörden blieben untätig

Heino Mosel

Foto: Dittmann

Eine optimistische Presse frohlockte im Mai und Juni 2004: "Für das Flüsschen Wuhle besteht offensichtlich keine Gefahr mehr". Holt "sich die Natur Stück um Stück zurück, was der Mensch ihr vor zwei Jahren genommen hat", wie man prophezeite? Im Überschwang der Gefühle konnte man sich im letzten Frühsommer schon täuschen lassen. Die neue Vegetation mit frischem Grün überdeckte die weitere Austrocknung des Wuhletales, das Abwandern und Sterben von Arten, also die Verarmung der Natur.

Die gesamte Alte Wuhle vom Quellgebiet bis zum Wuhleteich, einschließlich Nesselsee und Fabiansteich, war Monate lang bis auf ein paar Restpfützen trocken gefallen. Nichts mehr floss auch in Nebenfließen wie dem Wuhlegraben. Der Weidengrund, zwei der drei Kaulsdorfer Teiche und der Karpfenteich waren nun schon das zweite Jahr ohne Wasser. Erst im November verbesserte sich die Situation etwas; dabei war der Sommer nicht einmal trocken.

Für 2004 waren auf der Grundlage von Gutachten bereits erste Maßnahmen zum Gegensteuern angekündigt. Senat, Bezirksamt, die BVV und ihre Ausschüsse beschäftigten sich mit dem Problem. Herausgekommen an realen Veränderungen im Wuhlebereich ist bisher nichts. Dabei gibt es Möglichkeiten, die Lage abzumildern, sie sind Senat und Bezirksamt auch bekannt:

Bau einer Sohlschwelle nördlich des Bahnhofs Wuhletal, um durch Rückstau dem Karpfenteich und dem südlichen Kaulsdorfer Teich Wasser zuzuführen. Mitte der achtziger Jahre gab es an dieser Stelle schon einmal eine solche.

Vertiefung der Mulde im Weidengrund an den Ahrensfelder Bergen. Hier steht bislang nur wenige Zentimeter Wasser, ein kleiner Feuchtbiotop wäre zum Überleben bedrohter Arten möglich.

Speichern von Wasser in weiteren Rückhaltebecken, z.B. Trusetaler Straße und Hellersdorfer Graben, um die Wassersituation in Trockenperioden zu verbessern.

Anstau der dazu geeigneten Wehre und Abstürze, wo noch Wasser fließt und sich von selbst austauscht, wie z.B. nördlich der B1/5.

Schließung des Überlaufes am nördlichen Kaulsdorfer Teich und Überleitung seines Wassers in die beiden anderen Teiche.

 Schnelles Handeln nötig

Alle diese Maßnahmen sind mit geringen Mitteln oder gar zum Nulltarif zu realisieren. Es gilt also, keine weitere Zeit zu verlieren, auch deshalb, weil offensichtlich das Abfließen von Schichten- und Grundwasser über den ehemaligen Klärwerksableiter. zu Auswirkungen führt, die weitflächiger sind als bisher angenommen. So ist z.B. der Gehrensee, nördlich des Bahnhofs Ahrensfelde, wo gegenwärtig für 2,1 Mio Euro ein Naherholungsgebiet entsteht, trocken gefallen. Auch südlich der B1/5 in der Spreeniederung ist Wasser abgeflossen: Die Kaulsdorfer Seen sind um etwa einen halben Meter abgesunken. Es kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass der Grundwasserspiegel in der Hönower Weiherkette dem Absinken am Barnimabhang gefolgt ist und die Weiher völlig trocken fallen könnten. Elf der zwölf Gewässer waren im November 2004 entweder bereits völlig ausgetrocknet oder wiesen nur noch kleine Restgewässer auf.

Jeder weitere Verzug bei Gegenmaßnahmen bedeutet, dass insbesondere vom Wasser abhängige Arien endgültig abwandern bzw. der Nachwuchs ausbleibt. Die zuständigen Behörden seien an die Worte Friedrich Schorlemmers erinnert, dass "einer nicht nur dafür verantwortlich ist, was er tut, sondern auch dafür, was er unter- oder zulasst".

Heino Mosel