Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 42 

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit dem 2000verstorbenen Sänger Fred Frohberg fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Fred Frohberg

Zwei gute Freunde

 

Kennen Sie, liebe Leser, den meistgespielten Schlager der DDR? Er ist 50 Jahre alt und heißt „Zwei gute Freunde“, komponiert von Gerd Natschinski und gesungen von dem unvergesslichen Sänger Fred Frohberg. Neben vielen Seemannsliedern („Einsam liegt mein Schiff im Hafen“, „Steuermann, halte Kurs“ oder „Über das weite Meer“), Schlagern, Gospel-Songs und internationaler Folklore blieb dieser Song bis heute das Markenzeichen des am 27. Oktober 1925 in Halle/ Saale geborenen und am 1. Juni 2000 in Leipzig verstorbenen Sängers.

Frohberg wuchs in einer musikalischen Familie auf. Sein Vater war Trompeter. So erhielt er schon frühzeitig eine musikalische Ausbildung, etwa als Sängerknabe im Hallensischen Stadtsingechor.

Auch so liebten ihn seine Fans: Fred mit Gitarre

Fotos: Archiv

Gelernt ist gelernt: Fred Frohberg war auch Hobbykoch

Wie so viele junge Männer wurde er als „des Führers letzte Reserve“ im Zweiten Weltkrieg „verheizt“, 1945 als 19-Jähriger schwer verwundet. Er verlor ein Bein. Dennoch setzte er seine musikalische Ausbildung fort – ab 1946 am Thüringischen Landeskonservatorium in Erfurt. Er studierte Gesang und Gitarre. In seiner Heimatstadt Halle sammelte Fred Frohberg erste Bühnenerfahrung, ehe er einen Vertrag als Solist beim gerade gegründeten Rundfunktanzorchester Leipzig – damals noch unter Kurt Henkels – erhielt. Das blieb Frohbergs „künstlerische Heimat“ bis 1958. Nebenher produzierte er seine ersten Platten im Rundfunk und bei AMIGA sowie bei SUPRAPHON in Prag und avancierte bald schon zum bekanntesten Schlagersänger der DDR.

Bis 1961 trat er auch häufig in Westberlin auf, mit damals bekannten Stars wie Fred Bertelmann, Willy Hagara oder Bibi Johns.

Seinen Durchbruch erlebte der Sänger 1954 als einer der Hauptdarsteller in dem DEFA-Musikfilm „Musik, Musik, Musik“, in dem er u.a. die beiden Songs „Steuermann, halte Kurs“ und „Einsam liegt mein Schiff im Hafen“ sang. Nicht zuletzt aufgrund der Seemannslieder und seiner tiefen Stimme wurde er oft auch der „Freddy des Ostens“ genannt. Doch Frohberg war vielseitiger. Besonders nach Gründung seiner eigenen Gruppe, dem „Ensemble 67“, spielten internationale Volkslieder und Klassiker, aber auch Gospelmusik, Spirituals und Chansons eine zunehmende Rolle. Er tourte mit seinem Ensemble im Ausland, nahm an diversen Festivals teil und trat in beliebten Fernsehshows auf wie „Da lacht der Bär“ oder „Ein Kessel Buntes“. Mehr als 1000 Titel gehörten zu seinem Repertoire. Solche wie „Wovon träumt die Welt“, „Tina-Marie“, „Wenn im Herbst wilde Schwäne ziehn“ oder „Einer wird bei dir bleiben“.

Unter Kollegen und beim Publikum war der Sänger wegen seiner Aufrichtigkeit, seiner Bescheidenheit und seiner freundlichen Art sehr beliebt. Missgunst, Neid oder gar Arroganz – was man gerade in diesem Beruf oft findet – waren ihm fremd. „Fred hatte eine wunderbare Art, mit Leuten umzugehen“, erinnert sich die Sängerin Julia Axen. Und die geborene Leipzigerin Maja Catrin Fritsche ergänzt: „Er hatte für uns junge Sänger immer ein offenes Ohr.“

Bis kurz vor seinem plötzlichen Tod im Sommer 2000 stand er auf der Bühne – über 50 Jahre! Doch wer meint, dass der bekannte Sänger Reichtümer anhäufen konnte, der irrt. „Stets begleitete meinen Vater die Angst, als freischaffender Künstler seine Familie nicht ernähren zu können“, erzählt Freds Sohn Frank. „Auch, weil er aufgrund seiner Kriegsverletzung oftmals Wochen im Krankenhaus verbringen musste und nichts verdiente.“ Nach der Wende verlor die Familie sogar ihr 30 Jahre lang gehegtes und gepflegtes Grundstück bei Leipzig an einen Westeigentümer.

Fred Frohberg war auch bei Kollegen (Julia Axen v. re., Michael Hansen re.) stets beliebt

1991 verstarb Frohbergs Frau nach 43 gemeinsamen Ehejahren. Der Sänger zog in eine bescheidene Neubauwohnung in Leipzig- Grünau, fand nach sieben Jahren mit seiner zweiten Frau eine späte Liebe. Sein Sohn Frank hält das Andenken des Vaters in Ehren. Der leidenschaftliche Sammler von Platten, Radio- und Rundfunktechnik gründete 2007 mit Freunden eine Fred-Frohberg- Stiftung und baut derzeit in Seeberg bei Werneuchen ein Radio- Museum auf, in dem auch der musikalische Nachlass des Vaters Platz findet.

Ingeborg Dittmann