Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 53 

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit dem Komponisten und Sänger Siegfried Uhlenbrock  fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Siegfried Uhlenbrock

 

Zahntechniker und Ehrenbürger

 

Neben Doerk/Schöbel und Hauff/ Henkler gehörten sie zu den „Traumpaaren“ der Unterhaltungsbühnen der DDR: Dagmar Frederic & Siegfried Uhlenbrock. Dass der aus Wismar stammende Sohn eines Stellmachers (geboren 1939) in erster Linie Instrumentalist (Bratsche, Klavier, Viola) und Komponist war, stand damals weniger im Licht der Öffentlichkeit. Dennoch bestimmte gerade diese Tatsache die berufliche Karriere von Siegfried Uhlenbrock bis zum heutigen Tag.   

Abb.: Bei „3 nach drei“ im Dezember 2008 im Kulturforum Hellersdorf sang Uhle gemeinsam mit Sohn Tim Morten. Dagmar Frederic und Siegfried Uhlenbrock Ende der 60-er Jahre als Gesangspaar.

Fotos: Dittmann, Archiv

Angefangen hatte alles Anfang der 50-er Jahre. Die Familie war 1954 ins Haus der Großmutter nach Zeuthen bei Berlin übergesiedelt. Siegfried begann ein Studium an der Musikfachschule Berlin, wurde dann an die Musikhochschule Hanns Eisler delegiert, studierte u.a. Bratsche und Klavier und wurde 1961 während seines Grundwehrdienstes für das Erich-Weinert-Ensemble (EWE) entdeckt. „Anfangs wollte ich Bildende Kunst studieren und war auch schon ein halbes Jahr an der Kunsthochschule Weißensee immatrikuliert. Doch dann zog es mich doch zur Musik“, erinnert sich Uhlenbrock. Beim EWE in Berlin-Biesdorf fand er sich in guter Gesellschaft mit Frank Schöbel, Hartmut Eichler, Chris Doerk und Volkmar Böhm. Im EWE erhielt er zudem eine Ausbildung als Komponist und Arrangeur – und damit waren die Grundlagen für seinen beruflichen Werdegang gelegt. 

Dass er dann jahrelang als Sänger auf der Bühne stand, im Ensemble des Fernsehfunks und auf zahlreichen Bühnen im In- und Ausland, war eher einem Zufall zu verdanken. „Bei einer Gastspielreise des EWE nach Petersburg fiel ein Sänger aus und ich sprang ein. 70 Mark Prämie und ein Orden gabs dafür“, schmunzelt Uhlenbrock. Und kam so von der Wernert-Klassik zur Weinert-Estrade. Er komponierte seitdem Schlager (damals u.a. für Rosemarie Ambé und Helga Zerrenz), erwarb 1966 seinen Berufsausweis. In dem KGD-Programm „Interview mit Schlagern“ lernte er 1967 die Sängerin Dagmar Frederic kennen. Es begann eine Zusammenarbeit als Gesangspaar, die bis 1973 dauern sollte. Schon 1968 entstand ihr wohl bekanntester Hit „Du hast gelacht“, geschrieben von „Uhle“. Komposition, Text und Interpretation Uhlenbrock „Das war den Funktionären nicht geheuer, deshalb musste ich mir als Texter ein Pseudonym zulegen“, sagt er. 

Fred Olsen nannte er sich. Dieser mexikanische Walzer ging um die Welt, nicht zuletzt, weil Gaby Seyfert bei den Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften 1969 in Colorado Springs zu diesem Lied ihre Weltmeisterkür lief. „Du hast gelacht“, so hieß dann auch die erste bei Amiga erschienene Platte des Gesangsduos (1970), mit einer Nachauflage 1971. Ein Jahr darauf folgte die zweite LP „Tanz in der Sommernacht“. Mit dem gleichnamigen Song von Uhlenbrock/Brandenstein gewannen sie Gold beim Liederfestival der Ostseestaaten und wurden Publikumslieblinge. Nach der beruflichen Trennung von Dagmar Frederic („Wir waren nie verheiratet“, stellt Uhle klar.) blieb er im Fernsehensemble, arbeitete solistisch und als Komponist weiter, trat mit der Band „Fakt“ aus Leipzig und der Sängerin Heidi Anders auf. Kurz darauf verpflichtete das Kinderfernsehen den Sänger für den „Liederspielplatz“ im Abendgruß des Sandmännchens. 

Das Musizieren mit Kindern machte ihm Spaß, er produzierte Liedergeschichten für Kinder und brachte 1984 sein erstes Kindermusical in Hoyerswerda auf die Bühne, dem bis 2005 zahlreiche weitere Musicals folgen sollten. So kam es, dass Siegfried Uhlenbrock zum Ehrenbürger von Hoyerswerda ernannt wurde. Sein Sohn Tim Morten trat in Vaters Fußstapfen, lernte als Fünfjähriger bei ihm Klavierspielen und stand dann in einigen Kindermusicals des Vaters auf der Bühne. Heute ist der inzwischen 23-Jährige ein vielbeschäftigter Musiker mit eigener Band, vor allem aber Schauspieler. Tochter Fleur studiert hingegen Medizin. Auch Uhle hatte sich nach der Wende in diese Richtung orientiert, lernte Zahntechniker und steht als solcher seiner Frau, einer Kiefernorthopädin, bis heute zur Seite. „Kennen gelernt hatten wir uns, nein, nicht beim Zahnarzt, sondern beim Baden in Warnemünde“, erzählt er. „Abends trat ich in der Sky-Bar auf und Claudia saß immer im Publikum.“ Aus der Zufallsbegegnung wurde eine langjährige glückliche Ehe mit zwei Kindern, auf die Uhle mächtig stolz ist. 

Ingeborg Dittmann