Warten auf den Boten mit guten Nachrichten

Kabarettistin und jot w.d.-Kolumnistin Dagmar Gelbke sitzt wieder auf gepacktem Koffer, kämpft um den Kabarettkeller und würde Paula gern unter die Haube bringen

Während ich dies schreibe, packt meine Tochter Paula ihre Sachen für ein ganzes Jahr, das sie in Spanien verbringen will, und viele Kisten, die wieder in mein Haus kommen, weil Paula ihre Wohnung im Prenzlberg vermietet hat. Mittendrin in dem Chaos steht mein Koffer – gepackt für die einwöchige Reise nach Portugal, die ich mit einer Freundin kurz entschlossen gebucht habe. Familienkater Toni ahnt offensichtlich, dass er für eine Woche in Gert & Renate Kießlings Katzenpension residieren darf, denn er rennt aufgeregt hin und her, als könne er es kaum erwarten, dort wieder den Obermacker zu geben. Das Jahr fängt doch gut an - Familie Gelbke ist im Aufbruch!

Tja, wenn das neue Jahr so wird wie das alte, wäre alles gut. Ich würde gesund sein, käme im Studium weiter, hätte meine „Oderhähne“ in Frankfurt, würde ab und zu verreisen und am Jahresende Weihnachten mit meiner Tochter und Silvester mit meinen ältesten Freunden bei Martin Buchholz in den „Wühlmäusen“ verbringen. Na, dann will ich mir das doch mal ganz doll wünschen.

Aber da ist zum Beispiel das Auto, das ich schon längst verschrottet haben wollte, es aber nicht übers Herz bringe. Es fährt und fährt durch Schnee und Eis, auch, wenn ab und zu mal eine Scheibe in den Türrahmen fällt und sich nicht mehr hochkurbeln lässt, so dass der ADAC sogar am Heiligen Abend kommen musste. Dem Auto werde ich in diesem Jahr wohl Ade sagen müssen, weil der TÜV uns scheidet.

Was meine „Oderhähne“ betrifft so werden wir unseren Kabarettkeller am 31. März wohl schließen müssen, weil die Stadt Frankfurt (Oder) die Zuschüsse nicht mehr zahlen wird. Noch hoffen wir, mit Unterschriftenaktionen etwas retten zu können und warten auf den reitenden Boten mit der guten Nachricht, dass es weiter geht, aber vielleicht hat alles seine Zeit. Und ist es nicht ein Zeichen, dass auf der Repertoire- Wand im Theater kein Platz mehr für neue Stücke vorhanden ist? Ich darf gar nicht weiter denken ...

Und meine Tochter – wäre es nicht viel schöner, wenn sie zum nächsten Jahreswechsel auf Hochzeitsreise wäre, statt mit ihrer ollen Mutter zum Gospelkonzert und ins Kino zu gehen? Wünsche, Hoffnungen, Befürchtungen, Ängste – alles hat mich ins Neue Jahr begleitet. Und das ist wohl auch gut und richtig so. Vorgenommen habe ich mir gar nichts Besonderes, sondern einfach nur „zu leben wie es kommt“.

In diesem Sinne wünsche ich allen treuen jot w.d.-Lesern ein wunderbares Jahr 2011, das erhält, was gut ist, ohne das gute Neue zu verhindern

Eure Daggie

P.S.: Eins muss ich aber unbedingt noch loswerden. Im „Haus der russischen Kultur“ lief den ganzen Dezember ein Kindermusical, das sich – zwar nicht in der Technik, aber im künstlerischen Anspruch allemal – mit dem Friedrichstadtpalast messen kann. „Im Reich des King Aresias“ heißt das Stück, Michael Hansen hat die anspruchsvolle Musik zu der etwas anderen „Toy-Story“, geschrieben, der ehemalige Kinderrevue-Regisseur Volkmar Neumann die Texte. Es gibt fantastische Kostüme und fetzige Choreografien, von den Kindern fast professionell umgesetzt. Produziert wurde alles vom Verein KinderMusicalTheater in Berlin e.V., der immer neue Musical-Kinder als Mitglieder sucht. Also, Eltern und Großeltern, erstens dieses Event fürs kommende Weihnachtsfest vormerken, und zweitens: Wenn ihr begabte Kinder habt oder kennt, nehmt Kontakt auf: www.- kindermusicaltheater-berlin.de. Sobald ich Enkel habe, bin ich aber ganz schnell dort!