Die spanische Sonne im Haus
Kabarettistin und jot w.d.-Kolumnistin Dagmar Gelbke über Endzeitstimmung, jähe Wandlungen und positive Vorzeichen

Da isses nun, das Amargeddon-Jahr 2012. Und ich habe noch drei lumpige Jahre bis zur Rente. Wer hätte das gedacht, dass es wirklich eines Tages in so nahe Nähe rücken würde… das Ende. Aber es ist nun mal so, auch die stabilsten Dinge hauchen eines Tages ihr Leben aus. Zum Beispiel mein Büchsenöffner (welch schöner, altmodischer Ausdruck) aus Uromas Zeit. So ein abenteuerliches Metallding, das man mit seiner Spitze in die Dose haut, um sie dann mit Handkraft an einem ulkigen Haken entlang des Dosenrandes zu öffnen. Der einzige Dosenöffner, der in meinem Haushalt funktionierte! Nach 90 Jahren brach die Spitze einfach ab. Piff! Wie auch das Ende der Welt bei Lars von Triers in seinem monumentalen Kunstwerk „Melancholia“ passiert: Piff – einfach weg! 

Naja, mein Kind jedenfalls ist erst mal wieder zurück aus dem warmen, sonnigen Spanien. Und – oh Wunder der Weihnacht – Paula verändert Dinge in ihrem Umfeld. Plötzlich und unerwartet strahlen zwei Lampen in ihrem Flur. Gut, dass ich sie noch nicht entsorgt hatte, denn eigentlich wollte Paula „niemals“ Deckenleuchten in ihrer Wohnung anbringen. Die alte Mutter, also ich, musste im Dunkeln erst einmal in die Küche tappen, um eine Lichtquelle zu erschließen. Ich meine, ich hatte mich letztendlich damit abgefunden, und nun vergesse ich zuweilen noch, dass ab sofort auch ohne Unfallgefahr Einlass in Paulas Reich gewährt wird. 

Dann die neuen Duschvorhänge, die mein Weihnachtsgeschenk sein sollten. Ihren eigenwilligen Geschmack kennend, gab ich ihr das Geld und sie kaufte selbst ein. Ehrlich, niemals hätte ich gewagt, dieses Design für meine grauschwarz- gerade-noch-dunkellila bevorzugende Tochter auszuwählen: Weiß mit pinkrosafarbenen Riesenblüten! Fröhlich, mutig, lebendig. Wenn das keine positiven Vorzeichen sind. Irgendwie hat sie die spanische Sonne mit nach Hause gebracht. Ich glaube, das gibt Hoffnung. Und schöner kann doch ein Jahr nicht beginnen. 

Doch bevor es soweit ist, muss ich noch eine umfangreiche Hausarbeit für mein Fernstudium zu Ende bringen. Kann sein, dass ich deshalb das versprochene gemeinsame Karpfen-Essen mit jot w.d. ins Neue Jahr verschieben muss. 

Hoffnung war das Stichwort. In diesem Sinne möchte ich allen jot w.d.-Lesern, meinen engsten Kollegen und Freunden von den Oderhähnen bis zu dem hier oft zitierten Professor Wolfgang & Co. danken. Aber auch allen treuen, teils wieder gefundenen, teils in ihrer Freundesqualität neu entdeckten Weggefährten - von Inge Dittmann und Ralf Nachtmann, Renate und Gert Kießling über Siggi Trzoß, Puppendoktor Pille und Carola Crautz bis zu Sven Simon, Uschi Pulley, Willy und Andrea Peetz, Peter Wieland und und und, weil auch Ihr Licht und Wärme in mein Leben bringt. Solange wir uns haben, werden wir niemals frieren in dieser Welt. Schöne, zum Glück schon wieder länger werdende Tage wünscht Euch 

Eure Daggie