gelbke1.jpg Vorsätze im Jahr des Baktuns
Kabarettistin und jot w.d.-Kolumnistin Dagmar Gelbke will mit 62 nun endlich perfekt und vor Ort englisch lernen und sich nicht mehr so viel auf die Schulter laden

Wir sind nun in einem Jahr gelandet, das als Jahr Eins des neuen Baktuns aus dem alten Maya- Kalender gilt. Mal wieder ein Neuanfang. Irgendwie freue ich mich drauf. Vorgenommen habe ich mir diesmal auch etwas: zwei mündliche Prüfungen fürs Studium zu absolvieren – was ich bisher immer vor mir her geschoben habe, weil ich unter Stress an Wortfindungsschwierigkeiten leide – und ein Jahr ins Ausland zu gehen, sozusagen als Fast-Pensionärs- Erasmus-Student. Ich liebäugele mit England. Perfekt englisch zu sprechen, das war immer, ja, von Kindesbeinen an, mein Traum. Na, wir werden sehen. Zunächst einmal muss meine Schulter wieder in Ordnung kommen. Schrieb ich schon, dass nun zusätzlich zur linken Leiste die linke Schulter zur Baustelle mutiert ist? Frozen Shoulder – eingefrorene Schulter – heißt der Fachbegriff und behandelt wird zunächst einmal mit Cortison – seitdem kann ich schlecht schlafen, bin aber immer fröhlich und lustig, kurz: wie auf Droge. Und wenn man so was hat, trifft man plötzlich 1000 Leute, die genau das auch haben. Es muss eine Epidemie sein. Was natürlich, glaubt man an seelische Ursachen von Krankheiten, ein Barometer unserer Zeit ist: Wir alle laden uns zuviel auf die Schultern, getrieben vom falschen Ehrgeiz, andere glücklich zu machen, für andere da zu sein, anderen ihre Last abzunehmen. Ich glaube, darüber sollten wir Schulterpatienten mal ernsthaft nachdenken – auch, wenn unser Bundespräsident von uns Bundesbürgern mehr gegenseitige Hilfsbereitschaft fordert. Denn der Bibelspruch heißt nicht: Liebe Deinen Nächsten mehr als Dich selbst! Er lautet: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst! Oder so – ich habe die Bibel gerade nicht zur Hand. Apropos – gerade nicht zur Hand. Die Finanzierung meiner neuen Heizungsanlage fordert Konsequenzen, die da heißen: Mehr Einnahmen müssen her. Nun habe ich wieder einen neuen, einen zweiten Untermieter. Der erste, Jan aus Leipzig, wollte eigentlich nur drei Monate bleiben, nun wohnt er schon eineinhalb Jahre in meiner ehemaligen Garage im Keller meines Hexenhauses. Der zweite nun, Marvin aus Hameln, ist gerade übers Internet dazu gekommen. Ach, und das war so rührend: Er wollte mir von sich aus mehr Geld bezahlen, weil er es so gemütlich bei mir findet. Ja, auch solche jungen Leute gibt es noch!

Jedenfalls, mein Kumpel Micha, Ritas Mann, meine Reisebekanntschaft aus Ägypten von vor zwei Jahren, hat den Keller liebevoll fluchend renoviert (wurde auch Zeit, die Decke da unten ist vor 25 Jahren das letzte Mal geweißt worden), und ich habe alle Kisten, die dort sozusagen im Unterbewusstsein meines Hauses lagerten, nach oben – ins Bewusstsein – getragen. Meine Güte, was habe ich für Müll angesammelt, nach dem letztendlich, wenn’s mich nicht mehr gibt, keiner fragen wird. Der steht nun in dem Bereich des Feng Shui- Baguas, in dem sich Wissen, Weisheit und Weiterentwicklung entfalten sollen – und verbaut ihn! Das wird die erste große Herausforderung dieses Jahres sein, ihn wieder frei zu schaufeln.

In diesem Sinne: Ran ans Neue Jahr! Ach ja, liebe Leser, geht mal wieder ins Kino: Ang Lees „Schiffbruch mit Tiger“ ist eine sehr zeitgemäße, wunderschöne Parabel zum Thema Menschwerdung Gottes, die den Zuschauer zurück in die Realität schickt mit der Hoffnung im Herzen: Alles ist möglich!

Eure Daggie