Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 122

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit der Sängerin und Schausdpielerin Dorit Gäbler fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Dorit Gäbler

 

Chansonniere ohner Ruhestand


Am 9. Januar wird die unweit von Dresden lebende Schauspielerin und Sängerin 71 Jahre alt, doch an Ruhestand denkt die Mutter zweier Kinder noch lange nicht. „Ich liebe es, auf der Bühne zu stehen und mit dem Publikum zu spielen“, sagt sie. Als Beweis mögen ihre aktuellen Tourtermine dienen. Als Mitglied von „Köfers Komödiantenbühne“ hat sie im Januar und Februar zum Beispiel 18 Vorstellungen mit „Rentner haben niemals Zeit“ zwischen Zittau und Neubrandenburg. Dazu kommen bis Ende März 18 Auftritte mit ihren Solo-Programmen „Mein Kessel Buntes“, „Starke Frauen“, „Ein bisschen Sex muss sein“, „Rote Rosen für Mackie Messer“ und „Hommage an Marlene Dietrich“. Für das Marlene-Programm hat sich die Sächsin vor vielen Jahren ein ganz besonderes Kleid anfertigen lassen. Und weil die edle Strass-Robe wie angegossen passen muss, muss eben auch von Zeit zu Zeit die Figur „angepasst“ werden. Zum Leidwesen ihres Ehemannes, des Entertainers Karl-Heinz Bellmann, mit dem sie seit 31 Jahren verheiratet ist. Zur Familie gehören Tochter Peggy (28) und aus erster Ehe Sohn Peter (39).

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Von Hause aus ist die gebürtige Plauenerin ja Schauspielerin. Sie studierte an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Eine ihrer ersten Rollen am Theater in Chemnitz (damals Karl-Marx- Stadt) 1966 war die Elisa in „My Fair Lady“. Zwischen 1969 und 80 war Dorit Gäbler am Staatstheater Dresden engagiert. In dieser Zeit war sie auch in vielen Kino- und Fernsehfilmen zu sehen, u.a. in „Nicht schummeln, Liebling“ (1972) und „Orpheus in der Unterwelt“ (1974), der TV-Komödie „Gib acht auf Susi“ (1969), den Fernseh-Serien „Geschichten übern Gartenzaun“ und „Front ohne Gnade“, in mehreren Folgen von „Polizeiruf 110“ und „Der Staatsanwalt hat das Wort“. 

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Danach zog es die Schauspielerin und Sängerin mehr und mehr auf die Showbühne. So war sie drei Mal Gastgeberin beim „Kessel Buntes“ im DDR-Fernsehen. Nach der Wende kehrte sie gelegentlich ans Theater zurück, etwa an die Komödie Dresden oder ans Theater am Kurfürstendamm.

Mit mehreren ihrer Songs war sie bereits seit 1966 auf diversen Samplern vertreten, als sie 1978 ihr erstes eigenes Liederprogramm auf die Beine stellte. Im Jahr darauf erschien bei AMIGA ihre erste LP „Dorit Gäbler – Ich bin beschwipst“. 1988 folgte „Das ist mein Café“. Mehrere Solo-CD erschienen nach der Wende, unter anderem mit ihren Hildegard-Knef-Liedern (2004) oder Songs ihres Bühnenprogramms „Starke Frauen“ (2009).

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Und ganz aktuell (jot w.d. berichtete) gehört die Gäbler zu den Interpreten der in diesen Tagen erschienenen CD „Das Bärbel Wachholz-
 Schlagerfest – beliebte Stars singen ihre schönsten Lieder“.

Doch Schlager bleiben wohl eine Ausnahme im weit gefächerten Repertoire der temperamentvollen und attraktiven Sängerin. Das reicht vom Chanson, über Musical, erotisch-freche Lieder bis zum Volkslied. Die Songs ihrer CD „Starke Frauen“ hat die Künstlerin selbst geschrieben, vom gleichnamigen Bühnenprogramm fühlen sich Frauen wie Männer gleichermaßen angesprochen.

Und mit ihrem Marlene-Dietrich- Programm, mit dem sie seit 1992 tourt, ist sie noch heute sehr erfolgreich. Und das liegt ganz sicher nicht nur an der edlen Robe …

An Ruhestand ist nach mehr als 50 Bühnenjahren also nicht zu denken. Mit 71 ist noch lange nicht Schluss.

Ingeborg Dittmann


 
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Abb.: Dorit Gäbler als ganz junge Sängerin, auf dem Titel der „FF Dabei“ von 1987, als Bühnendiva heute und ihre aktuelle CD. 

Fotos: Archiv