gelbke1.jpg Berlin – Teneriffa – Hollywood
Kabarettistin und jot w.d.-Kolumnistin Dagmar Gelbke ist unfreiwillig „offline“
und hat ohne ihren „Scheinpartner“ plötzlich viel Lebenszeit

Die Weihnachtsgans noch im Magen, blicke ich recht optimistisch ins Neue Jahr, das Jahr eins meines Rentnerdaseins. Zum einen hatte ich bisher keine Dauererkältung und zum anderen werden meine Ängste, dass wir Krieg bekommen, von allen Seiten im Freundeskreis beschwichtigt. So viele Leute können sich doch nicht irren. Wenn ich sage, dass Angela Merkel wie Kaiser Theodosius als Auslöser eines europäischen Gesellschaftswandels in die Geschichte eingehen wird, hält man inne und fragt: „So ernst siehst Du das?“ Aber dann argumentiert man: Das hat ja 400 Jahre gedauert, ehe das Römische Imperium nach grausamster Christenbekämpfung das Christentum zur Staatsreligion erklärt hat. Ehe hier islamische Parteien Regierungsmehrheit bekommen, sind wir längst zu Asche zerfallen.

Nach uns also die Sintflut. Sind wir wirklich im tiefsten Innern solche Egoisten? Ich hätte gern mal geschaut, was ich mir hier an dieser Stelle für 2015 vorgenommen hatte – ich glaube, ich wollte meine Finanzen in Ordnung bringen? Das habe ich auf keinen Fall geschafft – aber leider habe ich seit Wochen keinen Festnetz- und Internetanschluss mehr und kann nicht nachlesen, was ich damals schrieb. Ich sage nur: Anbieterwechsel! Was natürlich auch Vorteile bringt: Ich habe plötzlich viel, viel mehr Zeit und muss mich konzentrieren auf Wesentliches, was im Netz erledigt werden muss. Nicht hier gucken und da chatten, sondern nur diese Kolumne schreiben, damit der PC der Tochter nicht endlos blockiert wird. Plötzlich wird einem bewusst, wie viel Lebenszeit dieser Scheinpartner namens Computer einem normalerweise stiehlt.

Das alte Jahr endete zwar wieder mit einer menschlichen Enttäuschung, weil ich im nächsten Sommertheater der „Oderhähne“ wieder nicht besetzt wurde. Aber vielleicht sollte ich es endlich einsehen, dass ich dort nach 18 Jahren nicht mehr gefragt bin, auch wenn das keiner offen ausspricht. Nun werde ich mich nicht hinsetzen und schmollen, sondern ich gehe ab 17. April für ein halbes Jahr in ein „Work and Study“-Programm nach Teneriffa (Das passt doch, noch habe ich ja den Bachelor nicht.). Das heißt: Arbeiten in einem Call-Center zum Mindestlohn – aber ansonsten Spanien und Sonne und Meer. Und danach sehen wir weiter. Kind Paula meint, ich solle danach endlich nach Hollywood gehen. Wann, wenn nicht jetzt? Bis dahin bin ich aber noch mehrmals auch in Berlin zu sehen: Zum Beispiel mit „Big Helga Hahnemann“ am 10. Januar, 18 Uhr, im „Bräustübl“, Müggelseedamm 164, und am 24. Januar, 11 Uhr, als Talk-Gast von Regisseur Klaus Ehrlich im Friedrichshagener „Kino Union“, Bölschestraße. Vielleicht sehen wir uns da, liebe jot w.d.-Leser?

In alter Verbundenheit 

Eure treue Daggie

Liebe Daggie,

Ich habe für Dich mal in der vergangenen Januar-Ausgabe nachgesehen. Nix da mit Vorsätzen für 2015. Stattdessen hast Du ausgiebig Deinem Ärger über das Frankfurter Theater Luft gemacht. Und da wunderst Du Dich, dass Du dort nicht mehr gefragt bist?! Offenbar können auch Kabarettisten keine Kritik vertragen. Übrigens, das mit den „Finanzen in Ordnung bringen“ fand ich in der Januar-Ausgabe anno 2014. Was zeigt: Erstens rast die Zeit immer schneller dahin. Und zweitens ist das mit den fehlenden Finanzen, das weiß auch unsre kleine Zeitungsredaktion, ein never ending Thema.

Und schließlich freuen wir uns darauf, Dich ab Mai als unsere erste und einzige jot w.d.-Auslands- Korrespondentin begrüßen zu können!

Deine Inge