Viele Themen sind bis heute aktuell

Zehn Jahre jot w.d. – Der Blick zurück – Folge 1: Das Jahr 1996  

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Die Zeitung janz weit draußen feiert im Mai ihren 10. Geburtstag. Anlass genug für unser kleines Team, einen Blick auf die Ausgaben der vergangenen zehn Jahre zu werfen. Getreu dem Motto: Leben kann man nur vorwärts, das Leben verstehen nur rückwärts. Was bewegte anno 96 die Menschen in unserem Bezirk? Beim Blättern in den alten Ausgaben stellten wir fest: Viele der damaligen Themen sind noch heute aktuell, einige Artikel könnte man glatt in die neuste Ausgabe setzen und keiner würde es merken. In dieser Nummer beginnen wir mit dem Jahr 1996.

"Die Existenzangst wohnt nebenan" - so titelten wir in unserer ersten Ausgabe vom Mai 96 einen Beitrag über die Kostenwelle, die durch die bevorstehende Kanalisation in den Siedlungsgebieten auf die Bewohner zukommt. Gemeinsam mit dem VDGN setzten wir uns für sozial verträgliche Kosten bei der Errichtung der Abwasserhausanschlüsse ein. Ein Problem, das uns all die Jahre begleitet hat, bis heute. Das Thema unseres Aufmachers auf Seite 1 spielt heute in der Öffentlichkeit kaum noch eine Rolle: die Fusion Berlin- Brandenburg. Damals wurde das Pro und Kontra heiß diskutiert, heute spricht kaum noch einer darüber. Unsere damalige Reportage vom Korridor des Sozialamtes hingegen könnten wir glatt noch mal abdrucken, nur, dass es jetzt die Korridore des Jobcenters sind. Auch zehn Jahre danach also keine Spur von "blühenden Landschaften".

Während der damals ins Leben gerufene Sportausschuss der BVV (Meldung in 5/96) noch immer arbeitet, schlief das "Antimüllfest" (6/96) irgendwann sang- und klanglos ein. Vielleicht sind die Marzahn-Hellersdorfer ja einfach umweltbewusster geworden, nachdem unser Bezirk "Modellbeispiel einer umweltgerechten Stadtentwicklung" wurde (6/96).

"Geschlossen - das Hauptwort der Saison?" fragten wir im Juli angesichts der Schließung von Schwimmhalle und Senioreneinrichtung. Damals hätten wir es uns allerdings nicht träumen lassen, was noch so alles in den nächsten Jahren "geschlossen" werden würde: Kitas, Schulen, Jugendklubs, Bibliotheken, Galerien, das einzige Freibad... Und der einzigartige Aktivspielplatz mit Tieren an der Riesaer Straße, von dem wir in der Juli-Ausgabe viel Gutes berichten konnten. Der damalige Schulstadtrat prognostizierte: Wir brauchen in den nächsten Jahren mindestens 5 neue Grundschulen im Siedlungsgebiet. Und die BVV forderte die Auflösung der Berliner Bäderbetriebe und Rückführung der Schwimmhallen und Freibäder in bezirkliche Zuständigkeit. Wie mutig!

 

Stefan Liebich, für die PDS im Abgeordnetenhaus, beklagte: "Noch 20 000 Jugendliche ohne Lehrstelle" (9/96). "Nur" könnte man heute angesichts stetig steigender Zahlen sagen. Immer noch aktuell ist der Aufmacher der damaligen September-Ausgabe zum "Gut Hellersdorf ". Trotz weltweitem Aufruf, sogar per Internet, ließ sich kein Investor blicken. Auch das Thema "Renaturierung des Wuhletals" (10/96) beschäftigt uns bis heute. Bei zwei weiteren Themen aus der November-Ausgabe könnte man meinen, die Zeit sei stehen geblieben: "Hultschi einseitig gesperrt" (anno 05/ 06 immer noch bzw. schon wieder) und "Park & Ride nicht erwünscht?" - kaum Langzeitparkplätze am Bahnhof Mahlsdorf (immer noch nicht).

Die Titelseiten der Erstausgabe (Mai 96 re o.) sowie vom Juni und November.

Im Dezember 96 schrieben wir über die erste kommunale Jugendeinrichtung, die vor der Schließung stand. Wie viele sind es heute, zehn Jahre später? Unseren Aufmacher titelten wir "Abschied von der Solidarität?" Anhand einiger konkreter Beispiele kamen wir zu dem Schluss: "Die soziale Ausgrenzung von Millionen Menschen schreitet in unserem Land langsam aber stetig voran." Eine Prognose, die sich leider bewahrheitet hat.

I. Dittmann