Mit Angies Worten und Klamotten auf zum Neosozialismus

Kabarettistin Dagmar Gelbke enttarnt den geheimen Hintergrund der Kanzlerinnen-Sprache. Was sagt jetzt der BND?

Eine meiner wichtigsten Enttäuschungen in der Liebe hieß Claus, mit C, wie das Kältetief, das uns gerade, aus dem Osten kommend, heimsucht. Es ist, als lähme die Kälte jede Aktion. Und frau hängt seltsamen Überlegungen nach. Dabei könnte man Schlittschuhlaufen auf einem See. Ich glaube, das habe ich zuletzt getan, als wir 1985 minus 27 Grad Dauerfrost hatten, hier, mitten in Berlin. Sind damals eigentlich Menschen erfroren in dem Land, das es heute nicht mehr gibt? In der Berliner Zeitung schrieb Torsten Harmsen unter dem Titel "Arbeite mit, plane mit, regiere mit" über Angela Merkels Neujahrsrede. Ja, es ist ein Hohn, dass eine unbestritten kluge Frau wie Angela Merkel im Angesicht der 860 000 Obdachlosen dieses Landes, zu denen ca. 6-7 Prozent Kinder gehören, fröhlich salbaderte: "Jeder kann seinen Beitrag leisten!". Trotzdem, die Rüge des Journalisten für ihre nach DDR-Propaganda klingende Sprachdiktion, macht sie mir beinahe wieder mal sympathisch. Wie sagen doch unsere klugen Alten sinngemäß? "Rede und ich sage Dir, wer Du bist...", denn: "...mit Worten lässt sich ein System bereiten" (Goethe, Faust) und "Es ist des Menschen Zunge, nicht die Tat, die alles lenkt." (Sophokles).

Ist es nicht auffällig, dass eigentlich nichts passiert ist, seit ihrer Machtübernahme? Mir scheint es ein wenig wie die Ruhe vor dem Sturm zu sein. Okay, aus ihrer Datsche bei Templin versucht man (nicht die Merkel selbst, da bin ich sicher) gerade das Wandlitz der Bundesrepublik zu machen. Aber ansonsten tänzelt Angie mit inzwischen gut trainierten Mundwinkeln und in nach "selbst genäht" aussehendem Kanzlerin-Look (der sich durch auffällig große Knöpfe an zu engen Jacken und mit zu kurzen Hosen manifestiert) über's internationale Parkett.

Die politische Männerwelt gibt sich begeistert. George Dabbelju, dessen Lieblingslektüre "Die kleine Raupe Nimmersatt" ist, schwärmte erstaunt und öffentlich, die deutsche Kanzlerin sei intelligent. Aus seinem Munde zwar fast ein Unwort, aber wahrscheinlich hat Merkel mit ihm die Menschenrechte anhand dieses Buches, in dem man immerhin von 1-10 zählen lernt, abgehandelt. Gerissen, unsere Angie, denn dadurch erkannte Georgie-Boy nicht den gefährlichen Klang kommunistischer Sprachhülsen in Angies Worten, die ihre englischen Sprachkenntnisse dem "Morning Star", dem "Zentralorgan" der Kommunistischen Partei Britanniens, zu verdanken hat.

Für den Schröderfreund Putin allerdings muss sie sich noch einen anderen Diskussionsstil ausdenken. Der verdrehte nämlich peinlich oft die Augen, als sie bei ihrem Besuch in Moskau Themen wie Tschetschenien auf den Tisch brachte. Nun ja, er wurde im selben System sozialisiert (westdeutsch für "erzogen"), er erinnert sich wahrscheinlich gut an das deutsche Sprichwort, dass zahme Worte die Zähne nicht stumpf machen.

Ja, ich glaube, Kollege Harmsen hat recht: Wer so redet, führt was im Schilde! Da müssen die deutschen Sprachverdreher wachsam bleiben! Denn Angela wird uns alle noch überraschen. Bestimmt hat sie ihren Machiavelli und seine Thesen zur politischen Macht im Original und den für Frauen (Harriet Rubin) gut studiert. Und wie sprach Cäsar einst aus: "Warum soll ich den Esel, der mich trägt, nicht streicheln?" Unter diesem Motto wird sie auf den Schwingen des kapitalistischen deutschen Adlers und der globalen Heuschrecken gen Westen fliegen, um dann gemeinsam mit der frisch gebakkenen chilenischen Regierungschefin Michelle Bachelet, die sie vielleicht aus gemeinsamen Studentensommern in der DDR kennt, dem bolivianischen Staatschef Evo Morales und den anderen letzten Erben Fidel Castros in Lateinamerika den Neosozialismus errichten. Wenn die EU derlei Undercover-Aktionen nicht doch noch vereitelt. Immerhin gibt es seit dem 25. Januar 2006 ein antikommunistisches Memorandum. Das tut zwar zunächst einmal nichts weiter, als die Verbrechen kommunistischer Diktatoren so zu verurteilen, wie die Weltgemeinschaft die Naziverbrechen verurteilt, was richtig und wichtig ist. Dennoch gab es im Vorfeld massiven Protest gegen dieses Memorandum, initiiert von Mikis Theodorakis, der voraussieht, dass nun bald der Kommunismus an sich als verbrecherisch verurteilt werden wird.

Und da Künstler meist recht behalten, können wir den Sprachstil von Frau Merkel ruhig hinnehmen und belächeln. Es wird keine Weltrevolution unter Angela Merkels Führung geben. Deutschland bleibt das Land der Unworte. Das des Jahres 2005 ist übrigens "Entlassungsproduktivität". Meins wäre Sozialisation. Es ist mir zu nah an "sozialistisch".

Eure Daggie