Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 20

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser - also in den 50er, 60er und 70er Jahren - Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. sprach mit Julia Axen, Mary Halfkath, Jenny Petra, Hartmut Eichler, Vera Schneidenbach, Günter Gollasch, der Blues-Legende Jürgen Kerth, der Stern Combo Meißen und vielen anderen. Wir setzen unsere Serie heute mit der Sängerin und Malerin TINA fort. Schreiben Sie uns, über welche Künstler Sie mehr erfahren wollen. Wir werden uns bemühen, Ihren Wissensdurst zu löschen.

TINA

Frühlingsgefühle im kalten Winter

In der DDR war TINA eine der populärsten jungen Sängerinnen. Spätestens seit ihrem ersten großen Hit "Urlaub auf dem Meeresgrund", den ihr 1983 Harry Jeske, langjähriger Bassist der PUHDYS, schrieb, kannte man die auch Saxophon spielende exotische Frau durch Funk und Fernsehen. Gleich drei Mal erhielt sie den "Silbernen Bong" der damals sehr populären TV-Hitparade "Bong". Beim Internationalen OIRT-Medienfestival 1989 in Prag ersang sich TINA Bronze. Nach der Wende arbeitete sie als Radio- und TVModeratorin beim MDR und BBRadio. Auf der Suche nach neuen Herausforderungen widmet sich die wandlungsfähige Künstlerin jetzt auch der Malerei. jot w.d. traf TINA zum Interview.

TINA arbeitet als Malerin an einem neuen Bild.

Tina, würden Sie sich als singende Malerin oder als malende Sängerin bezeichnen? 

Ich bin Künstlerin. Und ich brauche sowohl Musik als auch Malerei und den schöpferischen Umgang mit Worten - wie andere ihr Frühstücksei.

Ihre beruflichen Wurzeln liegen doch aber in der Musik? 

Ja, ich habe am Robert-Schumann-Konservatorium Zwickau und an der Dresdner Musikhochschule Gesang, Klarinette und Saxophon studiert, danach in verschiedenen Bands gesungen und gespielt, u.a. in einer Geraer Mädchenkapelle.

War Ihnen Musikalität in die Wiege gelegt? 

Talent allein reicht nicht. Ich hatte das Glück, dass meine besonderen Fähigkeiten frühzeitig erkannt und gefördert wurden. 

TINA liebt Bücher.

Hätten Ihre Eltern Sie lieber in einem so genannten "ordentlichen Beruf " gesehen? 

Ich bitte um Entschuldigung, aber in Ausübung einer Kunst fühle ich mich ganz und gar nicht unordentlich, sondern vielmehr befreit und in der Lage, eine eigene Ordnung der Dinge herzustellen. Wenn Sie mit "ordentlich" allerdings meinen, dass sich Kunst und die Sicherheit des Broterwerbes ausschließen, dann haben Sie recht. Das war schon zu Mozarts Zeiten so.

Künstlerin werden, war das ein Kindheitstraum? 

Ich glaube, man kann nicht eines schönen Tages sagen: "So, jetzt werde ich Künstler." Man ist es. Oder eben nicht. Dennoch muss man sich das dafür nötige Handwerkszeug hart erarbeiten.

Trotzdem haben Sie sich in den 90er Jahren zunächst auf anderen Feldern ausprobiert.

Ich gehe gern mit dem Wort um, auch auf dem Papier - ich schreibe ja auch für mich und andere Song-Texte. Also habe ich nach der Wende die Gelegenheit beim Schopfe gepackt, als Redakteurin und Moderatorin eigene Radio- und TV-Sendungen gestalten zu dürfen.

... um schließlich doch wieder bei der Kunst zu landen. Diesmal der Malerei.

Ich habe schon als Kind gern gezeichnet und nun noch einmal eine professionelle Ausbildung absolviert. Es gibt Dinge, die ich mit Malerei am besen ausdrücken kann. Ein Beispiel dafür ist meine satirische, erotische Serie "Frauenhäuser", die den Betrachter zur Beteiligung am bildhaften Wortspiel ermutigen.

Es gibt derzeit eine ganze Ausstellung zu diesem Thema.

Das Thema FRAU interessiert mich, weil ich selbst und ausgesprochen gern eine bin. Es ist mir also nah. Aber ich male auch Männer, Pflanzen und Tiere.

Ihre Familie stammt aus Chemnitz?

Ich kam Mitte der 80er der Liebe wegen nach Berlin. Mittlerweile fühle ich mich in dieser Stadt ganz und gar zu Hause.

Und hier stehen auch wieder als Sängerin auf der Bühne.

Ja, mit neuen Songs wie "Frühlingsgefühle", ein Titel, den mir Wilfried Peetz schrieb. Aber auch meinen Erfolgstiteln von damals. Letztere hatten fast immer mit dem Thema Liebe zu tun - "Grande emotione", "Hilfe, ist das Liebe", "Oh mi amore".

 Ihre erste LP von 1989 hieß "Viva amore".

Als diese Titel entstanden war ich sehr in meinen damaligen Freund Alex verliebt. Aber diesen "irren Zustand" von Herzklopfen, Schlaflosigkeit und Hände zittern erlebt ja fast jeder irgendwann. Insofern ist Liebe ein ewiges Thema, v.a. im Schlager. Eine Art Krankheit, von der ich mich, zugegeben, auch immer mal wieder gern anstecken lasse.

TINAs Single.

Fotos: Nachtmann

Sie gehen gern und oft schwimmen? Nur zum Fithalten?

Schwimmen ist für mich mehr, sozusagen nasse Philosophie: Die ersten 500 Meter frage ich mich, warum ich da hin und her schwimme, nach 1000 Metern beginnt der Spaß und nach weiteren 1000 bin ich einfach nur glücklich. Das Leben könnte - im Wasser schwimmend - ewig so weiter gehen.

Gerade erschien bei PEWI-Records Ihre CD "Frühlingsgefühle ". Wie sehen Sie Ihre berufliche Zukunft? Als Malerin? Als Sängerin, als Musikerin?

Ich erfinde mich gern neu. Mal sehen, was da noch auf mich zukommen wird.

I. Dittmann