Ein echt Budweiser! Es gibt nurein echt Budweiser ...

(zu singen auf das „Rudi-Völler-Lied“)

Früher kamen meine Landsleute nicht als Touristen, sondern unter dem Zwang, Arbeit und Brot zu finden am preußischen Regierungssitz Potsdam und später in der deutschen Hauptstadt. Böhmisch Rixdorf und Nowawes (seit den Nazis mit "Babelsberg" übertüncht) heißen die hiesigen Weberdörfer, in denen es vor allem Tschechisch zuging. Ein wenig später wurde der Zwang noch härter: Wie viele tschechische Zwangsarbeiter durch die deutschen Okkupanten nach 1938 hierher verschleppt wurden, lässt sich an den Gräbern auf dem Marzahner Parkfriedhof mit Namen aus meiner Heimat ablesen. Dann nach 1968 folgten zahlreiche politische Exilanten aus Prager Intellektuellen-Kreisen, die sich im alten Westberlin niederließen. Auch nicht gerade aus freien Stücken gekommen.

Heute freilich ist es ruhig um die Tschechen in Berlin geworden. Schauen Sie sich mal am Prager Wenzelsplatz die Kioske an, und die Speisekarten in den Restaurants. Da ist fast mehr Deutschsprachiges als Tschechisches zu finden. Welch Unterschied zur Weltstadt Berlin! Zum Glück gibt es das tschechische Kulturzentrum am Checkpoint Charlie, wohl der einzige Ort in Berlin, wo man an aktuelle Zeitungen aus meiner nur drei Bahn- oder Autostunden entfernten Heimat kommt. Na und eine Handvoll Restaurants mit der guten böhmischen Küche sind auch zu finden! Schluss mit Böhmen in Berlin.

Aber ich will ja nicht klagen: Suchen Sie mal in Prag Wernesgrüner oder Berliner Pilsner! Da ist doch Schwejk mehr als getröstet, wenn er seine Leib- und Magengetränke mit den wohlklingenden Namen und noch besser schmeckenden Inhalten allgegenwärtig in Kneipen, Supermärkten und Tante-Emma-Läden in jedem Berliner Kiez vorfindet: Prazdroj aus Plzen (seit 1989 Pilsen) und Budvar aus Ceske Budjejovice (seit 1989 Budweis) und Staropramen aus meinem schönen Prag. Nicht zu vergessen Schwejks Vorzugsbier aus Louny.

Aber Achtung, liebe deutsche Mitbürger und Mittrinker, Gefahr ist in Verzug! Zur Fußballweltmeisterschaft wollen sie uns zwangsweise als "Budweißer" etwas unterschieben, was ich nicht einmal in den Zahnputzbecher zum Mundspülen verwenden würde: Ein gar höllisches Plagiat aus Amerika, wo sie gut im Büffel-, Indianer- und Terroristenjagen sein mögen, wo aber Hopfen und Malz endgültig verloren sind! Bier mit Eiswürfeln trinken die Barbaren dortzulande. Allein bei der Vorstellung eines solchen Frevels bekommt der echte Biertrinker ein Würgen im Hals, wie ich es auch nach einem Dutzend Halblitern echten Budvars nicht verspüren würde! Auf die revolutionäre Verweigerung des falschen Budweißers allerorts in Berlin erst einmal einen Schluck tschechischen Bieres! >

Euer Schwejk