Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 31

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe mit der "Rockröhre" Petra Zieger aus Kaulsdorf fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

Petra Zieger

 Poplady mit Power und Bodenhaftung

„Schmusen auf dem Flur“, „Traumzeit“, „Katzen bei Nacht“, „Der Himmel schweigt“ – bei diesen Titeln fällt wohl jedem ostdeutschen Rock- und Popfan gleich der Name eines Energiebündels mit blonder Mähne ein: Petra Zieger. Und spätestens nach „Das Eis taut“, einem Song, der gerade rechtzeitig zum Fall der Mauer anno 89 über die Sender lief, wissen auch unsere Brüder und Schwestern im Westen Bescheid: Das ist eine Sängerin der Extraklasse, die ihr Handwerk an der Weimarer Hochschule für Musik von der Pike auf erlernt hat.

Die gelernte Schneiderin aus Erfurt, die schon mit sechs im Kinderchor sang, später im Schulsingeklub, wollte eigentlich Modedesign studieren. „Aber die Liebe zur Musik gewann“, verrät uns Petra, die seit sechs Jahren Marzahn-Hellersdorferin ist. Mit ihrem Mann Peter Taudte (Schlagzeuger ihrer Band) wohnt sie in einem kleinen Häuschen nahe der Kaulsdorfer Seen. Hier ist auch ihr Ruhepunkt, wenn sie nach ihren Tourneen oder Aufnahmen im Studio wieder aus dem Auto steigt. Hier kann sie abschalten.

Was bei einem Temperamentbündel wie Petra allerdings nicht bedeutet, dass sie sich faul im Sessel zurücklehnt. Beim Joggen, Gymnastik, Radfahren und Eislaufen hält sie sich fit. Nicht nur zu Weihnachten (natürlich Thüringer Klöße) brutzelt die Rocklady gern in der Küche. Im Sommer ist Gartenarbeit angesagt und auch die gute alte Nähmaschine wird hin und wieder vorgekramt. Viele ihrer Bühnenkostüme näht sich die gelernte Schneiderin selbst. So beneidete schon in tiefsten DDR-Zeiten so manch einer die Thüringerin um ihr stylisches Outfit. Schwarze, hautenge Lederklamotten – bei der Figur kein Problem. Auch mit nunmehr 47 Lenzen nicht, die man der Sängerin wohl kaum ansieht.

Geballte Frauenpower: Petra Zieger sang auch beim Benefizkonzert für die Flutopfer in Hellersdorf.

Foto: Nachtmann

Petra war schon vor 25 Jahren wild und sexy.

Foto: Archiv

Erstmals war mir die temperamentvolle Sängerin 1981 beim Nachwuchswettbewerb „Goldener Rathausmann“ in Dresden aufgefallen. Bekannt wurde sie dann sehr schnell durch zahlreiche Tourneen und TV-Auftritte mit ihrer Band „Smokings“. Schon damals war ihr Lebensgefährte Peter dabei, der sich noch heute um Management und Studioproduktionen kümmert und als Songautor tätig ist.

Besonders in den für Ostkünstler schwierigen Zeiten nach der Wende bewährte sich ihre berufliche wie private Liaison. Auch wenn nun erst Mal „kleinere Brötchen“ gebacken wurden, gab das Künstlerpaar nicht auf, schaute positiv nach vorn. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. 1990 hatten sie einen Riesenerfolg beim „Freedom Festival“ in Philadelphia/ USA, wo sie vor etwa 500 000 Leuten neben den Hooters und Uriah Heep auf der Bühne standen. Doch Können allein zählt wohl nicht für einen internationalen Erfolg über Grenzen und Kontinente hinweg, den man der Powerfrau gewünscht hätte. Selbst im eigenen Land gilt der Prophet ja oft nichts, schaut man sich die Besetzungslisten der großen TV-Shows a là „Wetten dass“ an.

Doch Petra lässt sich davon nicht entmutigen, geht ihren Weg und begeistert vor allem bei Live-Konzerten, auch bei zahlreichen Benefizkonzerten, ihr Publikum. Und das auch im „Heimatbezirk“.

Für sie selbstverständlich, dass sie zum Beispiel beim Benefizkonzert in der Hellersdorfer „Kiste“ dabei war, wo für die Tsunami- Opfer gesammelt wurde. Hören kann man die Sängerin auch auf der Scheibe „30 Jahre Karat“, mit unveröffentlichten Songs des verstorbenen Karat-Sängers Herbert Dreilich, der in Mahlsdorf lebte.

Nach „Mit mir“ (2002) erscheint im März 2007 wieder ein eigenes Album („Nimm mich“). Darauf kann man schon jetzt gespannt sein. Und am 9. Juli ist Petra Zieger mit Band beim großen Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt live dabei.

Ingeborg Dittmann

Autogrammadresse: Claudia Engel, Feldstr. 1, 15370 Fredersdorf, Email: post@petrazieger. de, Internet: www.petrazieger. de und www.petraziegerdiezweite.de