Mit 57 zu alt zum Studieren?

Nicht mit mir, meint jot w.d.-Autorin und Kabarettistin Dagmar Gelbke und nimmt den Kampf mit dem Amtsschimmel auf

 

Nun habe ich mein erstes Gastsemester an der Viadrina schon beendet, inklusive erfolgreicher Englisch- und Spanischprüfung. Tja, ich denke, so ein Studium der Kulturwissenschaften würde ähnlich vorbeirauschen, will sagen, auch in meinem Alter kann man noch in geistige Höhen aufsteigen – wenn man mich denn ließe. Meine diesmal pünktlich eingereichte Studienbewerbung kam nämlich sehr prompt zurück mit dem Vermerk: Ab 55 Jahren Direktstudium nur noch bei Vorliegen persönlicher oder wissenschaftlicher Dringlichkeit, und die hätte ich ja nicht nachgewiesen. Nun erklär mir mal einer diese Formulierung – was ist wissenschaftliche, was persönliche Dringlichkeit? Und wie weist man die nach in einem elektronischen Antrag, der keine persönlichen Zusätze vorsieht? Oh, Amtsschimmel ick hör‘ dir trapsen.

Klar, das lasse ich nicht auf sich beruhen. Wurde nicht erst kürzlich dieses wunderbare Gleichstellungsgesetz (oder wie sich das schimpft) verabschiedet? Mir darf aufgrund meines Alters keine Benachteiligung zugefügt werden... Oh ja, auf diesen Amtsstreit freue ich mich schon.

Obwohl, die Tochter meiner Freundin Katharina hat sich auch ins Studium eingeklagt... Hat 1500 Euro gekostet, vier Anwaltsbriefe schreiben zu lassen. Die hätte ich jetzt gerade nicht übrig, wo die Berliner Wasserbetriebe mein Haus doch an die Abwasserkanalisation anschließen wollen.

Außerparlamentarischer Notstand bei Charly M.

Ansonsten ist der Spielplan des „neuen“ Kartoon an der Kochstraße heraus, das ab 1. März ja unter der künstlerischen Leitung von Michael Ranz steht. Das war’s dann wohl mit der guten alten Satire unter dem Namen Kartoon. Nichts gegen die Kollegen vom Potsdamer „Obelisk“, die dort verstärkt auftreten werden, weil Ranz einst Mitglied bei ihnen war, auch nichts gegen Peter Ensikat, der dort lesen wird. Aber dass Franziska Troegner dort auftritt, die eng befreundet schien mit dem vertriebenen Urvater des Kartoon, Peter Tepper, lässt einiges erkennen über den Wert dieser Freundschaft. Ich kann mir in diesem Zusammenhang nur auf die Schulter klopfen, ich konnte Ranz, bei aller Achtung vor seinem Talent und Können, noch nie leiden. Und alle anderen schrien immer: Was Du nur hast, so ein netter Kollege! Nee, immerhin war er es, der mir mal eine Weihnachtsgans für 60 Euro verkauft hat. Das macht man doch nicht, unter Kollegen, oder?

Jedenfalls wurschtelt sich der vertriebene Rest des „wahren“ Kartoon nun im „Charly M“ durch – ich schrieb im Dezember darüber. Das wird schwer werden, über den Sommer Gäste an eine neue Adresse zu ziehen. Leider ist die Internetpräsenz der Spielstätte in der Karl-Marx-Allee 133 noch im Entstehen, dabei ist Werbung so wichtig für eine neue Firma. Nun kann ich allen Interessenten nur raten, Karten telefonisch unter 42 04 02 34 zu bestellen. Gespielt wird von Mittwoch bis Sonnabend, 20 Uhr, Sonntags 19 Uhr, und zwar das Stück „Außerparlamentarischer Notstand“, dessen Premiere ich im Dezember gesehen hatte. Da spielt eine Kollegin mit, die so gut ist, dass ich am liebsten meinen Beruf an den Nagel gehängt hätte (leider weiß ich ihren Namen nicht, und die Leitung des Charly M. ist seit Tagen nicht zu erreichen). Das ist auch so etwas, was nicht geht, wenn man am Markt bestehen will. Also kurz, trotzdem hingehen, schon wegen dieser tollen Kabarettistin. Apropos: Beruf an den Nagel hängen und der Wert einer Freundschaft... Aber darüber schreibe ich im nächsten Monat, versprochen.

Eure Daggie