Ein Kompass für Hellersdorf-Süd

Neu erbautes Stadtteilzentrum mit Jugendfreizeiteinrichtung eröffnet

Hellersdorf – Am 10. Januar war es soweit: Die Bürgermeisterin Dagmar Pohle und die Jugendstadträtin Manuela Schmidt eröffneten am Kummerower Ring 42 das Stadtteilzentrum „KOMPASS – Haus im Stadtteil“. Es ist ja an sich schon ein bemerkenswertes Ereignis, dass in der Großsiedlung ein Neubau eingeweiht wird, ging es in jüngerer Vergangenheit doch öfter um Abriss. Außerdem hat an diesem Projekt von Anfang an (seit Januar 2006) die Bevölkerung des Wohngebietes im Rahmen des Bürgerhaushaltes mitgewirkt; jot w.d. hat regelmäßig darüber berichtet.

 Es wurden viele Ideen entwickelt, manche wieder verworfen, für Vieles musste ein Kompromiss zwischen der guten Idee und den Möglichkeiten der praktischen Umsetzung gefunden werden. Allein für den Namen gab es mehr als 30 Vorschläge. Nur einer konnte vergeben werden.

Der „KOMPASS“ am Kummerower Ring ist eröffnet.

Fotos: Preußer

Constanze Tornow leitet den Jugendklub im KOMPASS, Jörg Lampe ist Chef des Stadtteilzentrums im KOMPASS.

Der Bau kostete 1,75 Millionen Euro. Das ist eine Menge Geld, auch wenn man sich in den letzten Wochen an Summen im Milliardenbereich gewöhnen musste. Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Neu ist auch, dass im KOMPASS zwei unterschiedliche Institutionen zusammenarbeiten: Eine Jugendfreizeiteinrichtung, die von Constanze Tornow geleitet wird, und das zum „Klub 74“ gehörende Stadtteilzentrum Hellersdorf Süd, für das Jörg Lampe die Verantwortung trägt. Das bedeutet, dass zwei Ämter das Haus gemeinsam führen – Jugendamt und Sozialamt. Ich habe den ganzen Prozess der Entstehung des KOMPASS erlebt; darauf gründet sich mein Optimismus, dass es mit dieser Zusammenarbeit klappen wird. Es war ja gemeinsamer Wille, dass dieses Haus offen ist für alle Generationen. Nicht nur nebeneinander, sondern miteinander.

Das muss sich natürlich erst entwickeln, aber der Auftakt war verheißungsvoll. Der Besucherandrang am Eröffnungstag war überraschend groß, obwohl die Erwartungen der Verantwortlichen nicht gering waren. Aber die 80 Plätze im Veranstaltungsraum reichten bei weitem nicht aus. Viele verfolgten das Eröffnungsprogramm im Stehen, noch mehr fanden gar keinen Platz im Raum und nutzten die Zeit, um sich das Gebäude anzusehen. Und es waren wirklich alle Generationen vertreten – der jüngste Teilnehmer war noch nicht ein Jahr alt, nach dem oder der Ältesten habe ich nicht konkret gesucht. Ein Alter jenseits der 80 war es gewiss.

Anfangs dominierte die Jugend. Das Akkordeonorchester der Musikschule Fröhlich und die „hauseigene“ Kindertanzgruppe gestalteten das Eröffnungsprogramm. Und es waren auch die Kinder, die sofort vom Haus Besitz ergriffen. Sie merkten schnell, dass der „Toberaum“ nicht nur Dekoration ist und sich auch mit den schönen großen blauen Bällen im Sportraum allerhand anfangen lässt. Auch die „Älteren“ waren dann schnell dabei. Willi Maier (56) aus dem Deutschlehrgang für Spätaussiedler griff zur Gitarre und sang Lieder aus seiner Heimat. Er fand schnell nicht nur ein Publikum, sondern auch Mitakteure. Das spielte sich im „Kreativraum“ ab, der damit sehr sachgerecht eingeweiht wurde.

Constanze Tornow sagte zur Eröffnung: „KOMPASS steht für Orientierung, Neufindung, gemeinsame Wege beschreiten und neue Ideen entwickeln“. Der Anfang ist gemacht. Am besten, Sie überzeugen sich selbst davon – das Haus ist „offen für alle“, und Sie müssen auch nicht aus Hellersdorf Süd sein.

Bernd Preußer

So kommen Sie hin: Mit der U5 bis Neue Grottkauer Straße, Ausgang in Richtung Kaulsdorf-Nord und dann per ampelgesichertem Übergang über die Hellersdorfer Straße zum Feldberger Ring. Egal welche Seite des Ringes Sie wählen – den grau-roten Bau des KOMPASS werden Sie gewiss nicht übersehen. Info Tel. 56 49 74 01