Wie die Königin von Saba

Kabarettistin und jot w.d.-Kolumnistin Dagmar Gelbke pendelt zwischen Portugal, Hildesheim, Frankfurt/Oder und Marokko, badet in Eukalyptus und Rosenblättern

Familie Gelbke im Aufbruch, so endete meine Kolumne im vergangenen Jahr. Inzwischen sind die anderen Familienmitglieder dort angekommen, wo sie hin wollten. Paulas Kater Toni zum Beispiel bei mir in Schönefeld, nach einem Hotelaufenthalt in Ahrensfelde. Und nun scheint er sich mit meinen beiden Untermietern Matti und Rico wohl zu fühlen. Als ich nach meinem Portugal- Aufenthalt gleich weiter nach Hildesheim fuhr, um meinen Kollegen Francois Brunet in „Sweet Charity“ zu bewundern, begrüßte mich Toni bei meiner Rückkehr ganz ausgeglichen. Tochter Paula dagegen beschwert sich aus Valencia, dass ich in ein Päckchen an sie nicht einmal ein paar persönliche Zeilen gelegt habe und will vor allem ihr Therapie-Sitzkissen und einen Ölradiator geschickt bekommen. Es ist kalt am spanischen Mittelmeer, vielleicht auch, weil sie dort letztendlich eine Fremde ist?

Von der Algave in die Wüste

Mutter Gelbke hatte aus dem empfehlenswerten Portugal einen Magen-Darm-Infekt mitgebracht, weil sie in ihrer überschwänglichen Romantik aus Gebirgsquellen trinken musste. Von wegen, Natur pur gleich gesund! Aber ansonsten hat sie gefühlte 1200 Kilometer „Kreisverkehr“ entlang der Algarve absolviert (das Wahrzeichen Portugals sollte nicht der gallische Hahn sein, sondern ein Kreisverkehr) sowie Abstecher in romantische, alle zum Verkauf stehende Berg- und Fischerdörfer gemacht und nette Kontakte zu freundlichen Engländern geknüpft, die die Algarve offensichtlich gepachtet haben.

Wieder zu Hause, habe ich ganz schnell die Preisverleihung der „Goldenen Musikantennadel“ an Ufa-Kinderstar und „Von 7 bis 10- Spreeathen“-Legende Peter Bosse besucht, der allerdings auch ein Mitglied der Honorarkommission der DDR war (woran sich manche Kollegen ungern erinnern). Er ist aber mit seinen 80 topfit, trotz oder wegen einer vierten Ehe, und hat hoffentlich die Laudatio seines Duz- Freundes Eberhard Diepgen genau so lausig empfunden wie ich. Wirklich, dieses Blabla begründet postum, warum Diepgen ein unerträglicher Berliner Bürgermeister war.

Zimmer mit Nachtigallkonzert

Außerdem habe ich mehrere Vorstellungen in Frankfurt, Berlin und Podelzig absolviert, und nun bin ich in Marokko. Agadir. Man glaubt ja nicht, wie preiswert man hierher fliegen kann. 111 Euro hin und zurück. Hotel 22 Euro pro Zimmer und Nacht, mit Frühstück. Bloß keine Halbpension buchen! Das Hotelessen ist nämlich sehr nach englischem Geschmack, mancher mag wissen, wovon ich rede. Aber an der zwölf Kilometer langen Strandpromenade gibt es ein nettes Restaurant am anderen – mit freundlichen, unaufdringlichen Kellnern und Preisen, die man im kalten Norden nicht mehr findet; Tagesmenu mit tatsächlich frischem Fisch für 56 Dirham, das sind 5,60 Euro. Ja, auch wenn es gerade ziemlich stürmt, während ich dies schreibe, bin ich irgendwie sehr begeistert.

Angekommen bin ich mit einem plötzlichen Schnupfen, der mich auf dem Flughafen Düsseldorf überfiel. Ich dachte schon, na prima, kannste nicht in den Hamam, nicht in die Sonne und lesen fürs Studium kannste mit den verquollenen Augen auch nicht. Aber da hatte ich die Rechnung ohne die marokkanischen Händler gemacht. Einer sah meine roten Augen und die Tropfnase und schon hatte ich ein Tüchlein mit frischem Eukalyptus an selbiger und bekam eine Fußreflexzonen-Massage vom Feinsten, na sagen wir mal, vom Härtesten. Aber, was soll ich sagen, nach einem zusätzlich empfohlenen Bad in frischem Eukalyptus mit Rosenblättern verziert war der Schnupfen weg. Die roten Augen durfte ich mit einer Kompresse aus Rosenwasser kühlen, und nun strahlen sie wieder wie einst im Mai und alle Kellner tanzen um mich herum wie um die Königin von Saba (obwohl, Saba lag irgendwie woanders).

Und die Stadt ist sauber

Gekostet hat diese ganze Beratung nichts. Außerdem habe ich einen Ausflug in die Kleine Sahara gebucht. Sogar 5 Euro billiger als bei meiner Reiseleitung. Heute, während der Stadtrundfahrt, habe ich auf dem Großmarkt für 80 Cent ein Pfund frische Erdbeeren gekauft, wollte auf einen Euro aufrunden, aber der junge Mann hat auf Heller und Pfennig herausgegeben. Das war in Tunesien und Ägypten immer anders. Hier lässt es sich bestimmt leben. Zwar weiß man nicht, wie lange noch, wenn man das Fanal sieht, das von Tunesien ausgegangen ist. Und machen wir uns nichts vor, Revolution in islamischen Ländern muss nicht, kann aber Rückfall ins Mittelalter bedeuten. Doch noch scheint hier alles weltoffener als in den anderen arabischen Ländern, die ich kenne. Und sauber ist die Stadt auch!

So, jetzt muss ich aber flugs umziehen. Mein erstes Zimmer war zwar auch wundervoll, mit einer Terrasse, die hinausführt in einen Garten wie aus 1000 und einer Nacht, mit zwitschernden Meisen, Amseln, Nachtigallen, mit blühendem Oleander, Margaritten und Sträuchern in orange und gelb. Aber genau vor der Terrasse steht ein Gummibaum mit einem Stamm, den ich nicht umfassen kann, und einer Höhe von ungefähr acht Metern. Sehr romantisch, aber er nimmt das Licht. Und: Ich kann nachts die Tür nicht auflassen – da ist meine Schlangen- und Spinnenphobie doch zu gewaltig. Nun bin ich im 3. Stock, schaue aufs Meer und auf den fetten Gummibaum und wärmstens denke ich dabei an alle frierenden jot w.d.-Leser.

Bis zum nächsten Mal,

Eure Reisetante Daggie