Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 123

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit der tschechischen Sängerin Helena Vondrácková fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Helena Vondrácková

 

Der international gefeierte Star aus dem Osten


Seit den 1970-ern bezauberte die blonde Helena aus Prag auch hierzulande Millionen Fernsehzuschauer mit ihrem Charme, ihrer Ausstrahlung, vor allem aber mit ihrer großen Stimme. Regelmäßig war die Sängerin zu Gast in den großen Unterhaltungssendungen des DDR-Fernsehens – vom „Kessel Buntes“ über das „Schlagerstudio“ bis zu „Da ist Musike drin“. 1983 war sie sogar selbst Gastgeberin des 63. „Kessels“ im Palast der Republik in Berlin. Ihre Programme moderierte sie stets in deutsch.

Helena Vondrácková ist die populärste Sängerin aus Tschechien und eine der bekanntesten des ehemaligen Ostblocks. Die am 24. Juni 1947 in Prag geborene Sängerin und Schauspielerin erhielt unzählige Preise bei nationalen und internationalen Festivals – ob bei der „Goldenen Nachtigall“ oder der „Bratislavska Lyra“ in ihrem Heimatland, dem Internationalen Schlagerfestival in Dresden, dem „Miss of Festival“ in Brasilien, beim „Gouden Boot“ in Belgien, Festivals in Japan, Rumänien, Ungarn, Bulgarien, Griechenland, Frankreich, Jugoslawien oder der Türkei. Nicht zu zählen die Gold- und Platin-Auszeichnungen für verkaufte Tonträger. Ein Highlight waren ihre Auftritte in der ausverkauften Carnegie Hall in New York.

Im März 2007 sang sie die deutsche Nationalhymne bei dem EM-Qualifikationsspiel Deutschland-Tschechien.

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Deutschland ist für die Pragerin nach wie vor wie eine zweite Heimat. So kam sie etwa im Januar 2010 zur Eröffnung der Ausstellung „Tschechische Märchen“ in die Berliner Kulturbrauerei. Dort waren auch die Kostüme aus dem Märchenfilm „Die wahnsinnig traurige Prinzessin“ zu sehen. In diesem Film hatte sie 1969 ihr Filmdebüt an der Seite ihres häufigen Duett-Partners Václav Neckár als Prinzessin gegeben (einige weitere Filmrollen und Synchronarbeiten folgten bis heute). Die Karriere der blonden Pragerin begann schon in frühen Jahren. Sie studierte zehn Jahre Klavier, sang seit ihrer Kindheit. 1964 nahm sie an dem Talente- Wettbewerb „Lucerna Prag“ mit dem Song „The man I love“ teil und bekam den 1. Preis. Erste Rundfunktitel folgten.

Bereits 1965 wurde Helena Vondrácková zur populärsten Sängerin der CSSR gekürt – mit knapp 18! 1970 kam sie zum ersten Mal in die DDR, füllte große Veranstaltungssäle wie den Friedrichstadtpalast oder das Metropol-Theater, oft auch gemeinsam mit ihrem Bühnenpartner Jiri Korn. Beide stets mit dem ganzen Programm – singen, steppen, tanzen. Ab 1973 veröffentlichte AMIGA ihre Titel, 1978 dann eine eigene LP. Mit Hits wie „Unter der Asche meiner Liebe ist noch Glut“ oder „Archimedes“, einem ihrer bekanntesten Titel bis heute.

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Im tschechischen Fernsehen bekam Helena eine eigene TV-Sendung. Sie gastierte 2010 in der Staatsoper Prag mit „Helena on Broadway“, spielte in Musicals und nahm immer wieder neue Platten auf wie das Doppel-Album „Recital“ (2007 war bei Sony BMG eine „Best of“-Doppel- CD erschienen). Ihre neuste CD „Der Zauber von Weihnachten“ erschien Ende 2014. Seit 2004 ist die Sängerin mit dem Prager Geschäftsmann Martin Michal verheiratet. Ihren ersten Ehemann, Hellmut Sickel, hatte sie 1977 in der DDR kennen gelernt – den einstigen Bassisten der Gruppe „Kreis“ und der Schöbel- Begleitband „etc“, mit der Helena auch zwei Jahre zusammen arbeitete.

Im Juni 2015 begeht Helena ihr 50. Bühnenjubiläum mit Konzerten u.a. im „Prag Palast Zofin“ (13. Juni) und in Presov (18. Juni).

Ingeborg Dittmann 

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Abb.: Wehender Rock und fesche Stiefel waren Helenas Markenzeichen (1979); heute zeigt sie sich eher als Lady; ihr Hit „Unter der Asche meiner Liebe ist noch Glut“ war auch auf ihrer ersten AMIGASingle im Jahr 1978.
Fotos: Lopatta, Agentur, Archiv