Rolle rückwärts

Achard-Schule wird nun doch nicht abgerissen, sondern saniert und erweitert

Kaulsdorf – Es wäre falsch, zu behaupten, es geschähen noch „Zeichen und Wunder“. Denn allein Hartnäckigkeit, kämpferischer Einsatz und möglicherweise auch ein Stückchen Glück führten dazu, dass das Bezirksamt in Gestalt von Bürgermeister Stefan Komoß und Immobilienstadtrat Stephan Richter den Beschluss zum Abriss der Franz Carl Achard- Grundschule in letzter Sekunde kippten. Das ging auch nur, weil Befürworter des Erhalts aus Elternschaft, Einwohnern und Heimatverein sich richtig stark machten, 5000 Unterschriften gegen den Abriss sammelten und auch nicht vor der Einholung alternativer Gutachten zurückschreckten, um ein Gebäude zu retten, dessen historisch-kulturelle Bedeutung leider bisher nicht angemessen (sprich: Denkmalschutz) gewürdigt wird.

Man muss insbesondere Richter aber zugestehen, dass er es war, der mit einer erneuten Begehung vor Ort, den Ziehern die Reißleine erst in die Hand gab. Bei jenem Termin am 5. Januar nämlich hatte sich herausgestellt, dass der Befall des Gebäudes mit Hausschwamm gar nicht so massiv ist, wie zuvor behauptet. Nun also kam die Volte, das Haus bis zum Sommer baulich soweit zu sichern, dass mit Beginn des neuen Schuljahres die Kaulsdorfer Kinder wieder in ihre Kaulsdorfer Schule gehen können. Darüber hinaus wird der geplante Ersatzbau nicht völlig gestrichen, sondern in seiner Kapazität von 24 Klassenräumen halbiert. Denn die Senatsschulverwaltung hatte am Standort hinsichtlich der Bevölkerungsentwicklung ohnehin eine Kapazitätserweiterung gefordert. Diese wird nun mit dem 12er-Bau und einigen späteren Ausbauten im Schulhaus und (alter) Turnhalle erfolgen. Auf dem Sportplatz selbst wird eine moderne Zwei-Felder-Turnhalle errichtet. Wenn der neue Modularbau steht, soll eine durchgreifende Sanierung des alten Schulgebäudes beginnen. Für den Unterrichtsbedarf werden mobile Räume angemietet.

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Der ziemlich spitzzüngige Protest einiger Abrissgegner an den Wänden  wurde auch rasch wieder entfernt.
 Fotos: Petzka

All diese Dinge und noch einige Einzelheiten mehr hatten Komoß und Richter auf einer Bürgerversammlung am 20. Januar (dem Tag des geplanten Abrissbeginns), die der Abgeordnete Mario Czaja hatte organisieren lassen, dargestellt. „Die Abrissbirne wurde nicht reif“, freuten sich Elternvertreter, bemängelten im Nachgang aber noch einmal die schlechte Kommunikation der Verwaltung. Dass bei der Schließung die Wasserhähne des Gebäudes geklaut wurden und dass nach den „Sicherungsmaßnahmen“ unverzüglich auch eine malermäßige Instandsetzung nötig ist, hält Komoß für nicht problematisch. Man werde die Kosten schon tragen können. Mit dem Senat habe er abgesprochen, die bewilligten Mittel für Abriss und Neubau „umzubeantragen“ für Sanierung und Neubau.

Als Treppenwitz der Geschichte muss nun anmuten, dass jetzt so ziemlich genau das gemacht wird, was Linke und Piraten seit Monaten forderten und die Koalitionäre aus SPD und CDU in der BVV ablehnten; genauso wie den im Januar in der BVV von der Linksfraktion beantragten „Sonderausschuss“. Eine genaue Aufarbeitung der Geschehnisse mit all ihren einzelnen Verantwortlichkeiten wird es demnach nicht geben. Den „politischen Ertrag“ aber werden wohl die bisherigen Abrissbefürworter einfahren – bei den Wahlen am 18. September.

Ralf Nachtmann