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Zehn Jahre jot w.d. – Der Blick zurück – Folge 2: Das Jahr 1997

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Vieles vom 1996er Zeitungsinhalt ist immer noch aktuell, schrieb Inge Dittmann vor einem Monat. Genau den gleichen Eindruck hatte ich beim Durchstöbern des zweiten jot w.d.-Jahrgangs.

Seit Februar '97 mit neuem Logo.

Eberhard Roloff ruft im März 1997 auf, sich angesichts des Berliner Erschließungsgesetzes gegen Gebührenwucher bei Kanalisation und Straßenbau zu wehren. Den Artikel könnten wir heute glatt erneut bringen, leider sind aber die Dateien bei einem der vielen Umzüge oder PC-Updates der jot w.d. Redaktion verschütt gegangen. Da heißt es in der Juliausgabe "Das ehemalige Klubhaus Fritz Butte (am S-Bahnhof Kaulsdorf) wird langsam zum "Dornröschenschloss". Eine exakte Voraussage, die man 2006 bestätigen muss. Dornröschen schlief ja bekanntlich nicht nur zehn, sondern 100 Jahr. Im Juni fragten wir, ob der 1989 letztmalig im Hellersdorfer Gut brütende Storch "morgen" in den Stadtbezirk zurückkehren würde. Es ist aber immer noch Nacht für Gevatter Adebar, und die Teiche ringsum werden seither nicht gerade voller. Deshalb ist auch unsere September-Frage "Hönower Weiherkette in Gefahr?" trotz kürzlicher Unterschutzstellung immer noch aktuell. Ebenso der Aufmacher vom April "Gründerzeitmuseum bleibt", leider heute schon viele Jahre ohne die Gründerin Charlotte von Mahlsdorf

Die laufenden "Kontroversen um einen bedarfsgerechten Haushalt" im Bezirk, wie sie in der Januarausgabe geschildert werden, gibt es mit schöner Regelmäßigkeit jedes Jahr. Nur, dass heute der Bedarf des Bezirks nicht mehr vor Ort, sondern mehr oder weniger im Computer des Berliner Finanzsenators errechnet wird. Regelmäßig konnten wir im Frühjahr von "umstrittenen Fällaktionen" berichten, 1997 waren die alten Pappeln an der Hellersdorfer Straße bei jot w.d. als Stummelschwänze abgebildet. Auch schon Tradition: Im April 1997 dokumentierten wir einen Misstrauensantrag der CDU in der BVV gegen Bürgermeister Klett.

Beginn und Ende des jot w.d.-Jahres 1997: Januar- und Dezembernummer.

Einigen Berichten allerdings hätte ich sehnlichst auch für 2006 Aktualität gewünscht: Im Januar 1997 konnten wir noch erleichtert seufzen: "Kinderkleeblatt gibt nicht auf". Das engagierte Projekt des Aktivspielplatzes mit Tierhaltung an der Riesaer Straße fiel schon vor einigen Jahren Berliner Sparzwängen zum Opfer. Gleiches gilt für die damals regelmäßigen Berichte vom "Haus" an der B 1 und vom "Weiten Theater", Stendaler Straße. Ob heute das Fehlen dieser Jugendprojekte an sozialen Brennpunkten bemerkt wird? Auch hat sich die Schlagzeile unseres Artikels zur Mahlsdorfer Schillerschule vom Februar "Schüler ohne Schule" heute - jedenfalls in den Großsiedlungen - leider ins Gegenteil verkehrt.

Das "Haus" war damals alt und voll Leben. Heute ruht es still.

Es gibt aber auch erfreuliche Veränderungen: Das Titelblatt der Februarnummer zeigt fast überraschend die Kaulsdorfer Dorfkirche noch ohne Turmspitze, so schnell hat sich das Auge an das altneue Wahrzeichen des Dorfes gewöhnt. Die Helle Mitte entstand damals gerade, und jot w.d. hatte das Geschehen mit eher kritischem Blick begleitet. Heute ist das Stadtteilzentrum bei immer noch berechtigter Kritik an zu wenig Grün nicht mehr aus dem Bezirk wegzudenken.

 Selbstkritisch anzumerken: Wir hatten mehr Mieter- und Frauen-Angelegenheiten damals auf der Platte als heute. Vielleicht meldet sich jemand, um an diesen Schwachpunkten die kleine und auch noch nach 10 Jahren ehrenamtlich tätige Redaktion zu verstärken?

U. Clauder