Bürgerhaushalt Teil 3: Er bekommt Konturen

Hellersdorf Süd will Haus der Generationen – Marzahn Nord stützt sich auf QuartiersAgentur – Bürger fehlen

Seit Januar 2006 arbeite ich in der Arbeitsgruppe „Soziales“ für den Bürgerhaushalt in Hellersdorf-Süd. Wir hatten uns darauf geeinigt, zwei Vorhaben in den Mittelpunkt unserer Arbeit zu stellen: die Schaffung eines „Hauses der Generationen“ und den Ausbau der ehemaligen 17. Kita in der Peter-Huchel-Straße 39 (siehe jot w.d. 2/2006).

Eine Besichtigung des Objekts in der Peter-Huchel-Straße brachte für die Mitglieder der Arbeitsgruppe eine Überraschung – hinter der (noch) sehr verwahrlost wirkenden Fassade herrscht bereits eifriges Leben und Treiben, obwohl die Bauarbeiten noch im Gange sind. Hier sitzt nicht nur das Regionalteam Hellersdorf-Süd/Kaulsdorf des Jugendamtes, inzwischen hat auch ein Kinder- und Jugendhilfezentrum seine Arbeit aufgenommen, dessen Träger der Verein Ambulante Hilfen ist. 

Die Sportjugend (schon früher im Haus) hat neue Räume bekommen und unterbreitet ein offenes Programm. Leider ist von außen von alledem kaum etwas zu bemerken. Doch das soll geändert werden. Im weiteren Ausbau sollen dort eine Tagesgruppe und ein weiterer freier Träger einziehen. Auch die Bewohner der umliegenden Häuser (zu denen ich auch gehöre) sollen von dem Objekt ihren Nutzen haben. Mit Räumen für Veranstaltungen, auch für Familienfeiern, will man die Beziehungen zum „Umfeld“ weiter gestalten. Hier ist zu wünschen, dass dieses Vorhaben verwirklicht werden kann.

Soweit ist es mit einem „Haus der Generationen“ noch nicht. 2008 werden das Stadtteilzentrum und das Jugendfreizeitzentrum „Titanic“(derzeit in der ehemaligen Kita am Teterower Ring 168/170) in einen Neubau umziehen. Dieser soll als „Haus der Generationen“ gestaltet werden. Als möglicher Standort sind die Flächen im Zusammenhang mit dem Rückbau der ehemaligen Schulen am Feldberger Ring geplant. Auch andere Standorte, wie etwa die ehemalige Wohngebietsgaststätte „Mecklenburg“ (Teterower Ring 63) oder die freie Fläche neben der Post am U-Bahnhof Kaulsdorf Nord wurden ins Gespräch gebracht. 

Wir wünschen uns ein möglichst multifunktional nutzbares Gebäude, in dem verschiedene Altersgruppen sowohl mit- als auch nebeneinander ihre Interessen verwirklichen können, was bekanntlich nicht immer ganz einfach ist – der Geräuschpegel im Übungsraum einer Jugend-Band unterscheidet sich doch deutlich von dem, was sich beispielsweise Schachspieler wünschen. Größere Veranstaltungen sollen ebenso möglich sein wie Gespräche im kleinen Kreis. Daher werden flexible Trennwände gefordert. Und bei Veranstaltungen gastronomische Versorgung.

So war es eine lange Liste von Vorschlägen, die auf der Beratung der Arbeitsgruppe am 22. Februar zusammen gestellt wurde. Vermutlich wird nicht alles ohne weiteres umsetzbar sein, aber offensichtlich hat es sich gelohnt, darüber ins Gespräch zu kommen.

Am 15. März will die Arbeitsgruppe ihre Gedanken mit der Bezirksverwaltung und der S.T.E.R.N. GmbH diskutieren. Auf dem Tisch liegt dabei auch der Vorschlag, bei der Verwirklichung dieses Vorhabens eine möglichst breite Bürgerbeteiligung zu gewährleisten. 

Übrigens: Die Mitarbeit von weiteren Bürgern ist nicht nur möglich, sondern ausdrücklich gewünscht – man kann auch einfach mal vorbeischauen, ohne sich gleich zur ständigen Mitarbeit zu verpflichten. Die Termine findet man im Internet unter www.klub74.de/html/buerger.htm.

Bernd Preußer


Das Pilotprojekt „Bürgerhaushalt“ im Nordzipfel des Bezirks gewinnt Konturen. Ende März/Anfang April werden dem Bezirksamt die Schwerpunkte präsentiert, die sich nach den Vorstellungen der Einwohner und der im Stadtteil wirkenden Akteure im Haushalt 2007 niederschlagen oder gar noch im aktuellen Etat wiederfinden sollten. Zwei Arbeitskreise beraten seit Jahresanfang 14-täglich im Sozialen Stadtteilzentrum an der Rosenbecker Straße z.B. den Handlungsbedarf im Bereich Jugend, Sport, Kultur, Soziales. Der zweite Kreis analysiert, was auf dem Gebiet von Umwelt, Verkehr und Ordnung angepackt werden muss. Anfangs schienen ungeklärte Finanzierungsfragen das Bemühen aller Mitwirkenden zu bremsen. Erst das Umdenken, nicht die Finanzierbarkeit, sondern die Wichtigkeit und Machbarkeit künftiger Haushaltsprodukte in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken, brachte Schwung in das Verfahren. So hat die Arbeitsgruppe II (Umwelt/Verkehr/Ordnung) ihren Forderungskatalog fast schon komplett. Darin werden Straßenreparaturarbeiten an der Schorfheider und Hohenwalder Straße sowie dem Fußwegebau an neuralgischen Stellen der Ahrensfelder Chaussee (Bahnübergang Richtung Schwarzwurzelstraße und Übergang zum Ärztehaus) Priorität eingeräumt. Auch ein behindertengerechter Fußgängerübergang am Havemanncenter wird im Zusammenhang mit der geplanten Modifizierung der Havemannstraße gefordert. Und im westlichen Auslauf des Seelgrabenparks droht der giftige Riesenbärenklau wie (im Wuhletal) Spaziergänger und Kinder zu gefährden. Deshalb werden vom Natur- und Umweltamt Gegenmaßnahmen verlangt.
Beobachtungen lassen den Schluss zu, dass der Bürgerhaushalt auch die zuständigen Ämter in Schwung bringt. „Es ist vollbracht, noch eh’s gedacht“, könnte man mit Goethe meinen. So soll sich das vom 1. FC Marzahn vorgelegte Fußballplatz-Problem dem Vernehmen nach schon auf dem Weg der Lösung befinden. Die verfallene Anlage am Geraer Ring in Marzahn West nahm das Quartiersmanagement in seine Regie, das mit Senats- und EU-Mitteln Dinge bewegen kann, von denen der Bezirk mitunter nicht einmal zu träumen wagt. 

Was in Marzahn NordWest im vergangenen Jahr als „Strukturensalat“ beargwöhnt wurde, zeigte sich nun im Praxistest. Nach den ersten Sitzungen der „Bürgerhaushaltshilfen“ stellte sich heraus, dass die Neu- und Umgestaltung des Clara-Zetkin-Parks – wie das Protokoll vom 07. 02. 06 notierte – die Wunschliste anführt. Zur gleichen Zeit schlug aber bereits ein von der QuartiersAgentur Marzahn NordWest initiiertes Klärungsverfahren die ersten Pflöcke ein. In diesem Monat wird das dafür engagierte Mediatorenteam der Kreuzberger CAMINO-Werkstatt am „Runden Tisch“ die Entscheidungen über die ersten konkreten Baumaßnahmen herbeiführen helfen. Das Quartiersmanagement kann für den Park zunächst 120 000 Euro – verteilt auf die Jahre 2006 und 2007 – zur Verfügung stellen. Diese u.a. Bespiele bestätigen nachträglich die Worte von Bezirksstadtrat Dr. Heinrich Niemann, die er auf dem Höhepunkt der Diskussion einmal als Facharzt sprach: „Was habt ihr gegen Salat? Er ist erfrischend, sättigend und wegen seiner Vitamine sehr gesund.“ 

Die Träger beider Verfahren freuen sich derweil über diesen und jenen Vitaminschuss, doch eine „Mangelerscheinung“ ist nicht zu übersehen. Die „richtigen Bürger“ sind bislang meist ausgeblieben. Bürgerhaushalt darf nicht „Akteurshaushalt“ sein.

Torsten Preußing

Nächster Sitzungstermin Bürgerhaushalt 7. März, 18.30 Uhr, Nachbarschaftshaus „Kiek in“, Soziales Stadtteilzentrum, Rosenbecker Str. 25/27