Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 21

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser - also in den 50er, 60er und 70er Jahren - Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. sprach mit Julia Axen, Mary Halfkath, Jenny Petra, Hartmut Eichler, Vera Schneidenbach, Günter Gollasch, der Blues-Legende Jürgen Kerth, der Stern Combo Meißen und vielen anderen. Wir setzen unsere Serie heute mit der Sängerin Gaby Rückert fort. Schreiben Sie uns, über welche Künstler Sie mehr erfahren wollen. Wir werden uns bemühen, Ihren Wissensdurst zu stillen.

Gaby Rückert

Seitenflügel – Hinterhof

 

"So ging noch nie die Sonne auf ", "Schneewittchen hat's gut", "Teil mit mir", "Hochzeitmachen"... Liedzeilen, die teilweise vor mehr als 20 Jahren entstanden. Und doch sind sie - gesungen von Gaby Rückert - noch heute im Ohr. Selbst, wenn man sie jahrelang nicht mehr gehört hat. Dabei waren das allesamt weder Gassenhauer noch Schnulzen, die man zuweilen einfach nicht aus dem Ohr kriegt, sondern schlichte, poesievolle, stille, zuweilen balladenhafte Lieder, die der Sängerin auf den Leib geschrieben schienen. Und das ist es, was diese Songs so zeitlos macht: Die Interpretation durch eine Sängerin, die Herz und Sinne berührt. Da klingt nichts aufgesetzt, schrill, spektakulär.

Immer noch Gaby: 20 Jahre liegen zwischen diesen beiden Aufnahmen.

 Die Sängerin scheint mit ihren Liedern eins. Das für Schlager so typische Klischee von "Herz, Schmerz, Glück und Leid" wird man bei Rückert-Titeln vergeblich suchen, obwohl auch sie über Liebe und Sehnsucht, Ängste und Träume singt. Es sind poesievoll erzählte (gesungene) Alltagsgeschichten. Und eine der berührendsten heißt auch so: "Berührung". Dieses 1979 von Ingeburg Branoner und Thomas Natschinski geschriebene Lied - angesiedelt irgendwo zwischen Rock, Pop und Schlager - wurde quasi zum Markenzeichen der Berliner Sängerin. Ihre 1980 erschienene gleichnamige LP verkaufte sich mehr als 250 000 Mal.

Auch nach 25 Jahren heißt es mit Partner Ingo Koster immer wieder: Üben, proben – üben, proben – üben, proben ... In ihrem eigenen kleinen Studio schreiben die beiden auch neue Lieder. Fotos: Nachtmann, Archiv

Musik begleitete die 1951 in Berlin geborene Sängerin seit frühester Jugend: Schulchor, Singeklub, Gitarrenunterricht. Doch nach dem Abitur absolvierte sie erst einmal eine Ausbildung als Krankenschwester. Sie studierte danach an der Musikhochschule Weimar Gesang, war u.a. Gesangssolistin beim Tanzorchester Fips Fleischer, gewann Nachwuchs- und Festivalpreise. 1977 startete sie ihre Solokarriere, sang in den Folgejahren mit verschiedenen Bands, u.a. bei Frank Schöbel und mit der Gruppe Drei, wo sie auch ihren späteren Mann Ingo Koster kennen lernte. So bekam das ihr einst von Franz Bartzsch geschriebene Lied "Hochzeitmachen" 1993 auch eine ganz "persönliche Note".
Nach der Wende wurde es ruhig um die Sängerin. Wie bei vielen anderen Ostkünstlern blieben Engagements aus. Die Sängerin arbeitete in Niedersachsen wieder in ihrem Beruf als Krankenschwester. Doch 1996 zog es sie mit Macht zurück zur Musik. Sie begann, eigene Texte zu schreiben, Ingo produzierte Solo-, aber auch gemeinsame Titel. Langsam ging's wieder bergauf. Die Fans hatten die Sängerin mit der natürlichen, ehrlichen Ausstrahlung nicht vergessen. Dennoch war und ist es noch heute mühselig - ohne Management im Rücken und die einschlägigen Beziehungen zu Medien und Musikbranche - im immer härter werdenden Geschäft so viele Auftritte zu bekommen, dass man gut davon leben kann. Seit vielen Jahren wohnen Gaby und Ingo in einer kleinen Straße nahe Baumschulenweg - so wie einst besungen in "Seitenflügel, Hinterhof". In einem schlichten Flachbau im Hof haben sie sich vor ein paar Jahren ein Tonstudio gebaut - und ein eigenes kleines Label geschaffen - "Talisman Music". Inzwischen haben sie im hauseigenen Studio mehrere CD's produziert wie "Talisman", "Meine Geheimnisse" oder "Immer weiter geht die Reise".

Ingeborg Dittmann

An Fanpost hat es Gaby Rückert nie gemangelt, wie dieses Bild von 1982 zeigt. „Manchmal kamen Wäschekörbe voll mit Briefen und Karten. “ Heute kann man auch ganz modern elektronisch im In­ternet mit Gaby und Ingo in Kon­takt treten: www.gabyrueckert.de