Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 32

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe mit den beiden Sängern Andreas Holm und Thomas Lück fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

Andreas Holm & Thomas Lück

 Ein unzertrennliches Bühnenpaar

Einen grundsoliden Beruf haben sie beide: Andreas ist Friseurmeister, Thomas Elektromechaniker. Das nur nebenbei, denn die beiden kennt man natürlich von Funk, Fernsehen, Schallplatte und Bühne als Sänger. Und das seit über 40 Jahren! Beide erwarben mit Anfang 20 bereits ihren Berufsausweis als Schlagersänger, produzierten beim Rundfunk und Amiga und tourten durch In- und Ausland. Bis zur Wende noch jeder für sich, zuweilen aber auch gemeinsam in der Show „Musik-Express“. Als Mitglied des Fernsehensembles war Thomas sogar in einigen Lustspielen zu sehen, denn dass der Mann von der Küste eine ausgesprochen humorvolle Ader hatte, war schnell klar. Erinnern Sie sich an Schlager wie „Ich koche, koche für mein Leben gern“, „Lass doch mal den Schlankheitstee im Schrank“ oder „Kurschatten“?

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Das Duo Holm-Lück hat bei jedem Auftritt Spaß.

Fotos: Nachtmann

 Der nur wenige Monate jüngere Andreas Holm sang schon als 13- Jähriger im Knabenchor der Deutschen Staatsoper in Berlin. Seine ersten Aufnahmen bei Funk und Platte sind Vielen noch heute im Ohr, obwohl sie mehr als 40 Jahre alt sind: „Mein Herz ist ein Kompaß der Liebe“ oder „Ich bin schon vergeben“. Viele Jahre war Holm dann ständiger Gastsänger bei den „Fontanas“. Zu seinen größten Hits zählen wohl „Sieben Mal Morgenrot“, „Ein Mädchen wie dich“, „Varadero“ oder „Annabell“. Nach der Wende lief es für beide Künstler nicht mehr so gut. Holm dachte daran, wieder in seinem erlernten Beruf zu arbeiten, Lück versuchte mit Flohmärkten sein Glück. Doch glücklich wurden damit beide nicht. Zu sehr hing ihr Herz an der Musik.

Für Thomas hatte diese unbefriedigende Situation sogar schwere gesundheitliche Folgen. Zwei Schlaganfälle erlitt er Mitte der 90er Jahre. Doch seit sich Thomas und Andreas 1997 beruflich zusammen taten, ging es wieder aufwärts. Seither stehen die Freunde nur noch gemeinsam auf der Bühne. Bei Live- Veranstaltungen mit Holm und Lück geht es immer sehr lustig zu („Baby mach lieber die Lichter aus, so taufrisch sehn wir nicht mehr aus“). Die grauen Haare färben? Das war einmal. Man muss das Älterwerden mit Humor nehmen, sind sie überzeugt, und so nehmen sie sich auch auf der Bühne ständig auf die Schippe.

Ein Abend mit Holm und Lück, wie Anfang Februar diesen Jahres in der Hellersdorfer Candela Lounge, bleibt so für Akteure wie Publikum gleichermaßen in fröhlicher Erinnerung. Gelang es beiden Künstlern doch mühelos, die Moderatorin Maria Moese völlig aus dem Konzept zu bringen, so dass sie schon nach wenigen Minuten ihren vorbereiteten Fragezettel aus der Hand legte und das Gespräch fortan spontan seinen Lauf nahm. Unterbrochen von etlichen musikalischen Einlagen, versteht sich. 60 bis 70 Veranstaltungen bestreiten beide Künstler nun wieder pro Jahr. „Im Osten, wo uns die Leute kennen“, sagt Thomas. Und deshalb widmeten sie ihrem Publikum, das ihnen in all den Jahren treu geblieben ist, wohl auch einen Song, ohne den man die beiden heutzutage nicht mehr von der Bühne lässt: „Was willst du denn in Hollywood?“ – Nein, ihre Heimat ist hier, wo sie ihr berufliches, aber auch ihr privates Glück gefunden haben. Thomas, der „Unstetige“, der sein Herz schon an so viele Frauen verlor, hat vor 11 Jahren endlich „die Liebe seines Lebens“ gefunden, seine Uschi. Und Andreas ist nun schon fast 45 Jahre mit seiner Jugendliebe Birgit zusammen. Auch in ihrer Freizeit hocken die beiden Freunde oft zusammen, zum Beispiel beim Tennisspielen. „Ich spiele sehr gerne und Thomas spielt sehr gut“, gibt Andreas neidlos zu. Beide leben mit ihren Familien am Rande von Berlin im Grünen. Gesund zu leben gehört nach Thomas` Krankheit für beide zur Lebensmaxime. Alkohol und Nikotin sind tabu. Damit der Schlankheitstee im Schrank bleiben kann, ist öfter mal Gartenarbeit angesagt oder ein Spaziergang mit dem Hund. „Aber zum Joggen oder so kann ich mich nicht aufraffen“, gesteht Thomas. „Ich bin eben doch ein fauler Hund.“

Ingeborg Dittmann