Kraxeltipp 1: Auf zur Biesdorfer Höhe!

Drei unseren Bezirk prägende Erhebungen laden zu Ausflug und Ausblick ein

Bei den Bayern und Sachsen herrscht die Meinung vor: Die Berliner haben zwar die große Klappe, aber wir haben die großen Berge.

Denkste! Berlin strotzt nur so von Bergen: Der Prenzelberg ist wohl der bekannteste Berliner Szeneberg, leider durch das Gewicht der vielen Gebäude, darunter zahllose Kneipen nebst Laufkundschaft, etwas breitgedrückt. Folgt der ebenfalls namensgebende Kreuzberg mit wuchtigem Denkmal für die Befreiungskriege gegen Napoleon, extra zu Kaisers Zeiten ob nämlicher Bedeutung um 15 Höhenmeter auf 66m über Ostseepegel aufgestockt. Der durch Tamara Danz besungene Mont Klamott prägt die Silhouette von Friedrichshain und erreicht immerhin 78 m (mit Bunkerresten und Trümmern, aber ohne Bewuchs). Die Köpenicker Müggelberge sind sandige 115 Meter hoch, die gleiche Höhe erreicht der Teufelsberg im Grunewald.

Die Biesdorfer Höhe, hier vom Bahnhof Wuhletal aus gesehen, lockt zu einem Ausflug.

Foto: Nachtmann

Die Spitze der Berliner Bergwelt, wie kann es anders sein, besitzt natürlich Marzahn-Hellersdorf. Gleich drei Gipfel strecken sich trutzig in den Himmel und addiert ergeben sich dreihundert Meter über Normal Null. Die bisher wenig gewürdigten bezirklichen Highlights stellt jot w.d.vor, beginnend heute mit der flachsten der Gebirgslandschaften, der Biesdorfer Höhe.

In früheren Zeiten, und das hat er gemeinsam mit seinen Brüdern Kienberg und Ahrensfelder Berg, war er nichts weiter als ein kleiner Sandhügel, eine Düne am Wuhlestrand sozusagen. Die Mühlenberg genannte Erhebung zwischen östlichem Biesdorfer Ortsausgang und dem morastigen Wuhletal überragte bis zum zweiten Weltkrieg die Talsohle (dort 36 m über dem Meer) gerade mal um schlappe zehn Meter. Allem Anschein aber hoch genug für den Bau einer Windmühle, die zu einem mir nicht bekannten Datum das Zeitliche segnete. Nach 1945 gab es gerade aus dem Berliner Osten, der Hauptkampflinie der letzten Kriegstage, jede Menge Trümmer und Schutt zu entsorgen. So baute man entlang der Frankfurter Allee eine Trümmerbahn von Friedrichshain und Lichtenberg bis zu jener Erhebung, die zunächst als „Biesdorfer Trümmerberg“ und spätere Bauschutthalde bis Mitte der achtziger Jahre das Doppelte an Höhe gewann, wenn auch nicht an Schönheit. Als die Kipplader so etwa bei 82 m Höhe angelangt waren, wurde noch zu DDR-Zeiten mit Hilfe von Subbotniks („volkswirtschaftliche Masseninitiative“ – VMI) begrünt. Die Strauchreihen sahen anfangs wenig überlebensfähig zwischen den Staubwolken auf all dem Bauschutt aus, inzwischen sind daraus zum Teil stattliche Bäume geworden.

Kaum jemand bemerkt noch, dass dieser Berg vor wenigen Jahrzehnten künstlich entstand. Seit einigen Jahren schon ist er in das ausgebaute Wegesystem des Wuhletals einbezogen. Den Gipfel erreicht man von der Straße Alt-Biesdorf (B1/5) gegenüber vom Baumarkt Hellweg auch mit Rollstuhl. Über eine solide Steintreppe führt der viel genutzte steilere Aufstieg aus Norden vom Bahnhof Wuhletal. In luftiger Höhe hat der Gipfelbezwinger einen sehr schönen Ausblick nach Osten auf das alte Dorf Kaulsdorf. Diese Blickschneise ist allerdings immer wieder freizuschneiden. Nach Norden sieht man längs der Wuhle die beiden anderen Berge. Leider sind der Südblick auf Biesdorf Süd teilweise und vor allem der Westblick Richtung City fast ganz zugewachsen. Am Ausguck gibt es eine Feuerstelle und zumeist sehr beschmierte Sitzgelegenheiten aus Keramik und Holz.

In meinem aktuellen Berlin-Atlas finde ich auf dem Gipfel der Biesdorfer Höhe, so die heutige Bezeichnung, einen in Wirklichkeit nicht vorhandenen Pfuhl. Die Phantasie der Kartographen ist überaus groß. Dafür haben sie auf dem Rohrbruchpark (Jelena-Santic- Friedenspark Nähe U-Bahnhof Cottbusser Platz) den wenigstens ab und zu vorhandenen künstlich angelegten Gipfelteich vergessen. Na ja. Dafür gibt es ja eine Bürgerzeitung, die sich vor Ort besser auskennt. Oder? Einsprüche und Ergänzungen sind jederzeit willkommen.

U. Clauder