Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 44 

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit dem Sänger und Entertainer Lutz Jahoda  fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Lutz Jahoda

 

Mit Lutz und Liebe, Amadeus und vielen Facetten

Im Juni 2007 wurde der Entertainer 80. Das will man ihm kaum abnehmen, erlebt man den 1927 in Brünn geborenen Sänger und Schauspieler auf der Bühne. Schon gar nicht, wenn man Lutz Jahoda mit seiner jungen Ehefrau Eva und Sohn Fabian (10) begegnet. Eva ist Jahodas 6. Ehefrau. Die Liebe scheint ihn jung zu halten – die zu den Frauen und die zu seinem Beruf. Eigentlich hat er ja mehrere gleichzeitig: Bauarbeiter, Kochlehrling, Feuerwehrmann, Verkäufer , Kleindarsteller, Operettenbuffo, Schauspieler, Schlagersänger, Komiker, Moderator ...

1954 kam er in die DDR, war am Theater Stendal, Halberstadt, Leipzig und wurde schnell für Funk, Platte, Film und Fernsehen („Mit Lutz und Liebe“ – mit TV-Papagei Amadeus, „Spiel mir eine alte Melodie “ , „Wunschbriefkasten“, „Ein Kessel Buntes“) entdeckt. Sein komödiantisches Talent konnte Jahoda in zahlreichen Film- und TV-Rollen entfalten – etwa der Fernseh- Schwank-Trilogie „Drei reizende Schwestern“. Hin und wieder konnte man den Sänger auch in Filmrollen erleben: „Der Doppelgänger“ (1960), „Das verhexte Fischerdorf“ (1962), „Husaren in Berlin“ (1971), „Abschied vom Frieden“ (1979) oder Polizeirufen.

Nicht nur mit Papagei „Amadeus“ fand Lutz Jahoda viele Fans weit über die DDR-Grenzen hinaus.

Fotos: Dittmann, Archiv

Seine Karriere als Sänger trat später jedoch in den Vordergrund. Nach seiner ersten Rundfunk-Produktion in den 50er Jahren („Der Wiener braucht sein Stammcafé“) folgten so populäre Schlager wie der „Kartäuser Knickebein Shake“, „Die Blasmusik von Kickritzpotschen“, „NovaNovacek Polka“, „Ich bin ein stiller Zecher“, „Turecky med“ (Türkischer Honig) oder „Schmidtchen Schleicher“. Er schrieb deutsche Texte auf tschechische Militärmärsche und übersetzte tschechische Volksweisen ins Deutsche. Als Hans Dampf, Frank Felder oder Axel Colberg schrieb der Sänger für sich, aber auch für andere Interpreten Texte. Jahrelang tourte er mit dem Orchester Wilfried Scheibe und seiner Tip-Top-Combo durch die Lande

All das und noch viel mehr kann man nachlesen, denn der Entertainer ist vor ein paar Jahren unter die „Jungautoren“ gegangen. „Lutz im Glück Und was sonst noch schief lief“ heißt seine 2001 im Verlag Das Neue Berlin erschienene, über 400 Seiten dicke Autobiografie. Der bekannte TV-Moderator Frank Elstner schrieb darin eine Vorbemerkung. Das hat wohl mit der engen Verbindung des Sängers mit der Familie Elstner zu tun. Vater Erich Elstner entdeckte Jahoda als 16- Jährigen für die Bühne und nahm ihn mit nach Deutschland, wo er als junger Mann Gesangs-, Schauspiel- und Ballettunterricht erhielt.

1960 war Jahoda schon so bekannt, dass er Körbe voller Fanpost erhielt. Die Karten und Briefe schickten die Fans an den Rundfunk oder ans Fernsehen – zuweilen mit recht kuriosen Schreibweisen seines nicht alltäglichen Nachnamens. „Lucia Hoda, Fernsehstar, Berlin“, stand auf einem Umschlag. Auf einem anderen: „An den stillen Zecher in Leibzsch“; auf einem dritten „Lutzja Roda“. Dass alle Briefe dennoch den Richtigen erreichten, ist wohl ein Zeichen seiner großen Beliebtheit und Bekanntheit, besonders in den 60er und 70er Jahren. Als Künstler aus dem Osten Anfang der 90er kaum noch gefragt waren, vor allem in den Medien, versuchte sich der Sänger als Kleinunternehmer, verkaufte Jeans. Das ging schief. Wie viele andere „Jungunternehmer“ aus dem Osten war er falschen Versprechungen aufgesessen. Er kehrte in sein vertrautes Metier zurück, besann sich doch auch das Publikum bald wieder auf seine einstigen Lieblinge.

Noch heute steht Lutz Jahoda gelegentlich auf der Bühne – ob als Schauspieler, Humorist oder Sänger. Mit seiner jungen Frau und seinem Sohn lebt er am Rande von Berlin im Grünen.

Ingeborg Dittmann

Lutz Jahoda sang kürzlich beim Talk „3 nach drei“ im Kulturforum Hellersdorf (oben). Sehr beliebt war der „Wunschbriefkasten, den er viele Jahre mit Heidi Weigelt moderierte.