Charlys Affentheater und Herr Bunbury

Im Jahr ihres 50. Bühnenjubiläums zieht Kabarettistin und jot w.d. Kolumnistin Dagmar Gelbke alle Register

Nun hatte ich sie doch noch, die Grippe, die alle vor mir hatten – mit Kehlkopfvereiterung und, als ich dachte, es geht wieder aufwärts (nach drei Tagen), mit einwöchigem Daueraufenthalt auf dem Klo. Und dabei hatte ich täglich Proben in Frankfurt/Oder. Unser neues Stück, das am 27. März Premiere haben wird, heißt „Charlys Affentheater“ und beschäftigt sich mit der Affenwerdung des Menschen in heutiger Zeit. Die zum Beispiel in der Gesundheitspolitik von Frau Schmidt zum Ausdruck kommt, von der Guido Westerwelle beim politischen Aschermittwoch hoffte, sie wird eines Tages die Maske abnehmen und sich doch als Hape Kerkeling entpuppen.

Aber da wissen auch Kabarettisten oft nicht weiter. Stellen Sie sich vor, Ihr Ehepartner erleidet einen Herzanfall. Sie rufen die Schnelle Medizinische Hilfe. Als sie eintrifft, ist Ihr Partner leider verstorben. Im Land Brandenburg muss der Erbe des Toten dann die Kosten für den teuren SMH-Einsatz, inklusive Wiederbelebungsversuche, bezahlen. Denn die Krankenkasse hat nur einen Vertrag mit Lebenden. Aber gehören Leben und Tod nicht zusammen? Und wieso kassiert die Kasse von Verstorbenen weiter Beiträge, die sie dem Hinterbliebenen, meist ist der ja auch Erbe, von der Witwenrente abzieht?

Schwarzes Shirt statt alternde Diven

Nun ja, eigentlich bin ich recht guter Dinge was unser „Affentheater“ angeht, denn die Bankenkrise bringt der Satire richtig Aufschwung. Was hat die Kanzlerin gerade wieder von sich gegeben? Die Konjunkturpakete sind dazu da, dass die Banken wieder so arbeiten können wie früher. Man lasse es sich auf der Zunge zergehen! Allerdings (ob es an aufkeimenden Frühlingsverwirrungen liegt?), mein liebster Oderhahn-Kollege und Regisseur Wolfgang Flieder will diesmal, dass ich alle Szenen in schwarzer Hose und schwarzem T-Shirt spiele und eher „brechtisch“ daher komme, weil er die in Glitzer und Federn gewandeten, alternden Diven nicht mehr erträgt.

Früher hätte ich bei so einer Bemerkung gekündigt, heute denke ich bloß: Auch Männer haben Wechseljahre und verschwinde mit Dr. Wolfgang in unserer konspirativen, seit sieben Monaten existierenden Kneipe „Sahara“ neben dem Plusmarkt in der Corinthstraße im südlichen Friedrichshain. Eigentlich ist es mehr ein Imbiss, aber man sitzt auf weichen Kissen. Dort schlagen wir uns dann für 3 Euro (!) die Bäuche voll mit Riesentellern von Falafel oder Halumi, trinken dazu kostenlos arabischen Tee. Und weil der Chef Aymen, ein Sudanese, uns schon wie Stammgäste behandelt – wahrscheinlich sind wir noch die einzigen – kredenzt er uns immer mal etwas Neues aus seinem Angebot. Neulich, als wir vor und nach „Effi Briest“ bei ihm auftauchten, war es köstlich frischer Hibiskusblütensaft. Ja, bei ihm ist der Gast noch König!

Ja, „Effi Briest“ – eine großartige Literaturverfilmung! „Operation Walküre“ dagegen kann man glatt vergessen, fand jedenfalls auch mein Kollege Bert Beel. Zum Thema Stauffenberg gibt es einfach zu viele gute Dokumentationen. Apropos: Der Oscar 2009 für den besten Dokumentarfilm ging zum Teil auch nach Frankfurt/Oder. Die Tochter meines Kollegen Diether Jäger, Julia, hat in „Spielzeugland“ die Hauptrolle gespielt. Ist das nicht wie eine Vorsehung – sie spielt in einer No-budget-Produktion, also ohne Gage, und darf dafür in Hollywood über den roten Teppich schreiten. Gratulation!

Nach dem Theater Ouzos trinken

Um Frühlingsgefühle aufkommen zu lassen, empfehle ich auch „Der Schuh des Manitu“ am „Theater des Westens“. Obiger Bert Beel, der Anfang März wieder in der „Urania“ die traditionsreichen Seniorenveranstaltungen moderiert, hatte mich eingeladen, und wir saßen mit gemischten Erwartungen auf unseren Plätzen. Viel Gutes hatten uns Kollegen nicht über die Show erzählt. Aber schon nach drei Minuten schauten wir uns an und sagten einstimmig: „Das ist doch hinreißend.“ Ja, ich, die den Film langweilig fand, war begeistert. Tolle Akteure, witzige Inszenierung, richtige Ohrwürmer, also alles, was ein Musical braucht. Wir haben das Theater singend verlassen und mussten gleich noch zum Griechen, mehrere Ouzos trinken. Der Haupthit hieß nämlich „Ich trinke Ouzo“. Schade, dass die Karten ziemlich teuer sind.

Dass Ohrwürmer für ein Musical das allerwichtigste Element sind, will ich mit Frank Brunet – gerade noch stand er in „Mamma Mia“ am Potsdamer Platz auf der Bühne – am 1. April im „Kleinen Theater“ am Südwestkorso beweisen. Dort werden wir „Wer ist Herr Bunbury“ mit Melodien von Gerd Natschinski zur Welturaufführung bringen, unsere „1-Euro-Musical-Revue“. Es wird eine rasante Verwechslungskomödie mit Gesang, Step und den vorsichtig ins Heute übersetzten Texten von Oscar Wilde werden. Nun, in diesem Jahr habe ich mein 50jähriges Bühnenjubiläum, da sollte ich schon noch mal alle Register meines Könnens ziehen, auch, wenn es immer mehr in Rücken, Beinen und Füßen zieht. Also, liebe Fans, Termine vormerken (1., 3., 15., 17., 18. April), hinkommen und Karten kaufen, die leider nicht nur 1 Euro kosten können, sondern 15 bzw. 20, weil wir die ganze Chose gaaanz allein finanzieren müssen. Ein gesundes Frühlingserwachen wünscht

Eure Daggie