Ein Kaftan für den Professore

Kabarettistin und jot w.d.-Kolumnistin Dagmar Gelbke resümiert ihren Urlaub, hastet von hier nach da und lässt dabei die ägyptischen Pfunde purzeln

In der vergangenen Ausgabe habe ich ja über meine Nilfahrt berichtet. Der Rest meiner Ägyptenreise bestand darin, dass Erna und ich zugeschaut haben, wie unsere Bäuche beinahe stündlich wuchsen wegen all des wunderbaren Essens in den vier Nationalitätenrestaurants unseres Hotels. Und ich mich als „sportlichen“ Ausgleich auf Möbelstoffsuche begab. Dazu habe ich unsere wirklich fröhliche Tischrunde in das Abenteuer „Dolmusch“ gestürzt und sie in Kleinbussen, die frisch vom Schrott kamen, in Gegenden geschleppt, die kein normaler Tourist betreten würde.

Abgesehen davon, dass Hurghada wie eine verlassene Baustelle oder eine zerfallende Stadt aussieht, das kommt auf den Blickwinkel des Betrachters an, könnte ich diesen Dreck nicht unbedingt in jedem Urlaub ertragen. Auf einer Quad-Safari in ein wirklich hässliches Beduinendorf, die ich Faultier im Jeep begleitet habe, erzählte mir die Reiseleiterin Michaela aus Sachsen- Anhalt, dass der ganze Müll der Hotels in die Wüste gekarrt wird, auch wenn zur Beruhigung der Touristen bunte Mülltrenntonnen aufgestellt werden. Und der Wind, der oft recht heftig weht, bläst dann alles in Richtung Meer. Dort lösen sich die Wasserflaschen und Mülltüten auf, die Plastepartikel werden von den Fischen gefressen, sozusagen als Henkersmahlzeit, denn daran sterben sie. Ich frage mich, wie halten die Menschen das aus? Vor allem die, die in den Hotels arbeiten und dort für peinlichste Sauberkeit sorgen?

Aber wie gesagt, nachdem ich durch ungefähr 20 Geschäfte gepilgert bin, dabei am Wegesrand Hunde und Ziegen gefüttert habe und mich lange nicht entscheiden konnte, habe ich letztendlich 15 m Möbelstoff (3,50 Euro/m) und 15 m Gardinen (3,00 Euro/m, jetzt schon genäht!) als Übergepäck deklariert nach Berlin geschafft. Um schließlich festzustellen, dass mir der Möbelstoff doch nicht gefällt und die Gardinen eigentlich überflüssig waren.

Dafür hat sich „il professore“ Wolfgang über seinen Kaftan gefreut. Und Paula über ihre Silberkette mit der Nameskartusche ihres Künstlernamens PEH. Im AltÄgyptischen wird er durch eine „Feder im Haus“ dargestellt. Gibt es ein besseres Symbol für eine Dichterin? (Schrieb ich eigentlich schon, dass man Pehs Lyrik kaufen kann? „Angeschossen“, erschienen beim Kyrene-Verlag. Es gibt dazu eine sehr interessante Rezension in der Internet-Monatsschrift „Das Blättchen“ 2/10, einer der beiden Nachfolger der leider eingegangenen altehrwürdigen „Weltbühne“).

Tja, und ansonsten haben wir chaos-resistenten Berliner das doch bis jetzt gut hingekriegt mit dem Schnee, von den vielen Knochenbrüchen mal abgesehen. Das Problem wird einfach ausgesessen, und da ist es egal, ob es weiter schneit oder nicht. Ich finde das auch völlig in Ordnung, ich habe auch nur den Weg zum Auto und für den Briefträger frei geschippt. Meine drei jungen dynamischen Untermieter wären mit dieser Aufgabe völlig überlastet gewesen und würden mich vielleicht wegen Körperverletzung verklagen, hätte ich von ihnen verlangt, zur Schippe zu greifen.

Bei meinem „Glück“, das ich bei Behörden habe, rechne ich allerdings damit, dass vielleicht Ende April, Anfang Mai eine Verwarnung vom Ordnungsamt mit einer gehörigen Geldstrafe eintrudelt: „Sie haben vom 30. Dezember bis 15. April den Schnee vor Ihrem Haus nicht geräumt, macht 8500 Euro Strafe.“ In diesem Land ist alles möglich! Nur nicht, dass Hartz IV-Empfänger Schnee schippen sollen. Wie war das eigentlich in der ollen DDR? Gab es da nicht Subbotniks oder ähnliches, weil jeder sich um das Gemeingut zu kümmern hatte? Gab’s dafür je Geld?

Soviel zu Westerwelle. Ich fand sein Bild von der alt-römischen Dekadenz wieder völlig daneben, sozusagen alt-römisch inkompetent, aber deshalb das Thema des Sozialmissbrauchs unter den Tisch zu kehren, ist für mich populistische Wahlkampfpolitik.

 Ja, und bei all dem Geschreibe lassen mich die Gedanken an Kollegen nicht los, die – so jung – plötzlich nicht mehr leben. Franz Bartzsch (62), Vroni Fischers wichtigster Komponist. Ines Paulke nimmt sich mit 51 das Leben. Unfassbar. Sie war schön. Sie sang schön. Ich werde ihr wunderbares Brecht-Programm nie vergessen. Nur ihre Fröhlichkeit wirkte immer aufgesetzt, ich bin mit ihr nie richtig warm geworden. Wahrscheinlich war sie schon immer traurig und träumte die falschen Träume. Nun hat sie sich entschieden, nie mehr zu träumen. Aber sie hätte doch wenigstens leben können.

Am 17. März, 15 Uhr, bin ich mit Giso Weißbach bei Siggi Trzoß in der Talk-Runde „3 nach Drei“ und am 27. März im Schloss Biesdorf – das ist die vorerst letzte Vorstellung gemeinsam mit Gert Kießling! Für den 17.März kündige ich gleich an, dass ich so schnell wie möglich wieder los muss, weil schon um 19 Uhr eine Vorstellung in Guben auf mich wartet. Das wird wieder ein Stress, vor allem weil ich mir ja punktetechnisch keine Tempo-Eskapaden am Steuer leisten kann. Aber ich freu mich drauf. Das ist Leben. Und die ägyptischen Pfunde purzeln dabei auch.

Uns Frauen einen schönen 8. März,

Eure Daggie