Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 79 

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit dem Musiker Harald Wilk fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Harald Wilk

 

Mit Leib und Seele Country-Musiker

 

„Ich habe so ungefähr 800 Din A 4-Seiten im Kopf“, sagt Harald Wilk und meint damit die Songtexte, 600 davon in deutsch. Letzteres ist selten bei einem, der sich mit Leib und Seele der Country-Music verschrieben hat. Gewöhnlich ist da die „Amtssprache“ ja Englisch. Doch der in Mecklenburg aufgewachsene Musiker ist überzeugt, dass diese fröhliche Musik auch mit deutschen Texten ans Herz geht. „Country-Musik entspricht dem Rhythmus unseres Herzschlags“, sagt er. 

Musik scheint dem heute 66-Jährigen im Blut zu liegen. Wuchs er doch in einem musikalischen Elternhaus auf „Mutter war Opernsängerin und Musikpädagogin, Vater spielte Geige“).

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1945 aus Böhmen-Mähren kommend, hatte es die Familie nach Schwerin verschlagen. Schon als Schüler sang Harald im Chor, brachte sich dann selbst das Gitarre Spielen bei. Nach Abitur und Berufsausbildung in der Landwirtschaft rief die Armee nach Berlin. Klar, dass er während der 18 Monate Wehrdienst eine Band gründete. Und der Mecklenburger blieb in Berlin, besuchte hier die renommierte Musikschule Friedrichshain und legte 1967 seinen Berufsausweis ab. Wenig später gründete er seine erste Band „Orange“. Später spielte er bei Peter Baptist, der Gruppe „Neon“, beim Orchester Fritz Buschner. Ende der 70-er Jahre stieg er bei „Horoskop“ ein, der Begleitband von Jürgen Walter, kam dann zu „Country Co“, ehe er sich entschloss, wieder eine eigene Band zu gründen. So entstand „Wilk & Friends“, seine Band bis heute. Auf den 1. Januar 1985 datiert er die Gründung. Und damit ist die „Silberhochzeit“ nun auch schon Geschichte. Von damals ist außer Wilk nur noch Roger Hartwig (Gesang, Gitarre) dabei. In „voller Besetzung“ spielen sie zu viert (drei Gitarren und Schlagzeug), oft auch als Trio oder zu zweit. Auf dem Repertoire stehen – je nach Anlass – Country, Rock, Blue-grass, Traditionals, Balladen oder auch mal Yodelsongs.
Schon bald war „Wilk & Friends“ auf vielen Bühnen zu Hause. Auch das Fernsehen meldete sich. Ihre erste Fernseh- „Mugge“ absolvierten sie übrigens in Ritterrüstung. „Das war auf einer Burg in der Sendung ‘Auf Schusters Rappen’“, erinnert sich Harald. Sendungen wie „Sprungbrett“, „bong“, ein „Kessel Buntes" und „Achims Hitparade“ folgten. Tourneen und Gastspiele führten „Wilk & Friends“ durch zahlreiche Länder. Stammgast wurde die Gruppe auf mehreren Country & Western-Festivals, ob beim „Intercountry“ in Prag, beim alljährlichen Country & Western-Festival in Silkeborg/Dänemark oder den Country-Festivals in Bad Ischl, Traunstein, Schattendorf und Wieselburg (Österreich). Zu den Höhepunkten zählen ihre wiederholten Gastspielreisen nach Kanada. Von dort brachten sie einen Preis als beste Country-Band mit und begleiteten musikalisch das größte Hundeschlittenrennen der Welt. „Das waren Riesen-Events vor Tausenden Zuschauern“, erzählt Harald Wilk. Aber auch hierzulande sind sie oft unterwegs, treten bei Country- und Truckerfesten, Linedance-Partys, Straßenfesten oder in Clubs auf. Einige ihrer bekanntesten Songs: „Alles super“, „Highway Family“, „1000 Meilen“, „Strong together“, „Country on the Wall“ oder „Sorgen versüßen das Leben“.

„Unser Publikum bewegt sich zwischen 17 und 70 Jahren“, sagt Wilk, der nebenbei auch Gitarrenunterricht und Kurse an der Volkshochschule gibt. Ansonsten ist der Mann, den man selten ohne Hut sieht, ein Selfmade-Men – er organisiert, besorgt, repariert alles, was ihm unter die Finger kommt. Und spielen will er so lange „bis ich tot umfalle“.

Ingeborg Dittmann

Abb.: Harald Wilk als junger Musiker; seine Band „Wilk & Friends“; Harald im typischen Outfit als Countrysänger.

Fotos: Mischel, privat