Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 124

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit zwei Sonderbeiträgen über Rainer Süß und den Sänger Holger Biege fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Reiner Süß / Holger Biege

 

Da liegt Musike drin / Hilfe für Holger

In der April-Ausgabe 2005 und der Juli-Ausgabe 2009 porträtierten wir zwei Musiklegenden, auf die wir aus aktuellem Anlass heute zurückkommen wollen: Kammersänger Reiner Süß sowie den Sänger und Komponisten Holger Biege.


„Er steht mit 75 noch immer auf der Bühne“ überschrieben wir unseren Artikel im April vor zehn Jahren. Und es ist nur ein reichliches Jahr her - im November 2013 – da hieß es in einem Artikel „Süß und Sauer auf einer Bühne“. Reiner Süß und Peter Wieland (Sauer) zelebrierten im Mahlsdorfer Theodor-Fliedner-Heim einen unterhaltsamen Nachmittag mit viel Musik und launigen Geschichten über ihr Leben. Sein damals letzter Titel „Time To Say Good Bye” ist nun real geworden. Am 29. Januar, kurz vor seinem 85. Geburtstag am 2. Februar, starb Kammersänger Reiner Süß in einem Seniorenheim im Mecklenburgischen Friedland. Die Nachricht kam mit fast drei Wochen Verspätung in die Medien, von denen nur einige wenige mit einer Randspalte Kenntnis vom Tod einer der bekanntesten Künstlerpersönlichkeiten der DDR nahmen. Den Mahlsdorfer (seit 1961 wohnte er in der Pilgramer Straße) kannten hierzulande auch jene, die nicht in die Oper gingen. Moderierte Süß doch zwischen 1969 und 1985 die beliebte TV-Sendung „Da liegt Musike drin“ und war in vielen anderen Unterhaltungsshows des DDRFernsehens präsent. Sein Bühnendebüt hatte der Leipziger und einstige Thomaner bereits 1956 gegeben. Später erfolgten Engagements am Theater und an der Staatsoper Unter den Linden. Er feierte Erfolge u. a. an den Opernhäusern in Wien und Paris. 

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Abb.: Einer der letzten Auftritte von Kammersänger Reiner Süß am 26. Oktober 2013 in Mahlsdorf;


Nach der Wende wagte der Bassbuffo, der 1990 der SPD beigetreten war, sogar einen Ausflug in die Politik – so saß er als Abgeordneter im Berliner Parlament. Seit mehr als 50 Jahren in Mahlsdorf Süd zu Hause, begegneten wir dem Kammersänger häufig auch „gleich um die Ecke“, ob im Café am Hultschiner Damm, im Supermarkt oder beim Auftanken seines kleinen Autos an der Tankstelle. Er gehörte zu unserem Kiez einfach dazu. Nicht nur auf der Bühne, auch hier im Kiez wird er fehlen. 

Er ist einer der ganz Großen der deutschen Rock- und Popmusik – der Sänger, Pianist und Komponist Holger Biege. Doch in den bunten Blättern taucht der gebürtige Greifswalder, der 1983 in den Westen übersiedelte, nach der Wende nach Berlin zurück kam und seit 1998 in Niedersachsen lebt, so gut wie nie auf. Er ist eben „Leiser als laut“, so auch das Motto seiner 1994 erschienenen CD. „Treffender kann man es in dieser Verknappung kaum fassen – das, was den 56-jährigen Ausnahmemusiker beschreiben könnte“, schrieb ich in meinem Beitrag über Holger in der Juli-Ausgabe 2009 an dieser Stelle. Und erinnerte an Biege-Songs aus den 70-er und 80-er Jahren, die noch heute Bestand haben und zum Teil aktueller sind als je. Etwa „Sagte mal ein Dichter“ oder sein „Reichtum der Welt“: Gibt es den Reichtum der Welt morgen noch / Oder ist vieles davon schon hin / Die Luft, die uns erst leben lässt / Hüllt den Erdball ein / Soll für alle, die nach uns kommen / Sie schon vergiftet sein … Gehört der Reichtum der Welt allen schon / Oder bleibt vielen nicht viel versagt?“ (Text Fred Gertz).

Eine meiner ersten persönlichen Begegnungen mit Holger ist jetzt genau 40 Jahre her. Ich weiß noch, wie ich ihn damals von zu Hause, ich glaube, aus der Linienstraße, abholte und zur Veranstaltung unserer nl-Preisverleihung für die besten Interpreten des Landes brachte. In den vergangenen Jahren gab es nur wenige Begegnungen, etwa bei Konzerten. 
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Holger Biege 2006 im Musikantenklub im Prenzlauer Berg.
Fotos: Dittmann, Nachtmann

Und nun dieser Hilferuf von Cordelia, seiner Frau. So erfuhr ich, wie viele andere sicherlich auch, erst jetzt von seinem schweren Schlaganfall im Sommer 2012. „Es geht langsam auf den Frühling zu und wir haben es leider immer noch nicht geschafft, Holgers Wunsch zu erfüllen“, schreibt sie. Damit Holger, der im Rollstuhl sitzt, wieder mobil wird, braucht er ein für Rollstuhl und Laderampe geeignetes Auto. 20 000 Euro kostet das. Etwa 68 Prozent der Summe kamen bisher zusammen. Deshalb der verzweifelte Spendenaufruf von Holgers Frau. „Meine Hoffnung, ihm wieder etwas Lebensgefühl zu geben, schwindet. Dabei kämpft Holger so, arbeitet so hart an sich, um wieder auf die Beine zu kommen“, sagt sie.

Für alle, die einen Beitrag dafür leisten wollen, hier das Spendenkonto: Mobil mit Behinderung e.V., Karlsruhe- Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE41 6602 0500 0008 71 13 00, Kennwort: Holger. Spendenquittungen werden ausgestellt (email: holgerbiege@ holger-biege.de).

Ingeborg Dittmann