Wenn der Wasserkocher streikt

Das erste Repair-Café eröffnete im Haus „Kompass“

Hellersdorf – Das haben sich viele Marzahn-Hellersdorfer schon lange gewünscht. Denn wer kennt das nicht: plötzlich gibt der Staubsauger seinen Geist auf, oder der Wasserkocher, Omas gute Lampe, das Radio oder der Computer. Dabei waren die guten Stücke noch gar nicht so alt – und die wirklich alten haben oft einen Erinnerungswert. Man möchte sich einfach nicht davon trennen. Oft ist es ja nur ein kaputtes Kabel oder ein Schalter, der das ganze Gerät außer Gefecht setzt. Deswegen gleich auf den Müll damit? Repariert wird ja heutzutage kaum noch. 

Die Idee des Repair-Cafés – unter dem Motto „Nachbarn helfen Nachbarn“ – vor einigen Jahren bereits in etlichen Berliner Bezirken in die Tat umgesetzt, ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern hat auch eine soziale Komponente: Beim Warten auf die Reparatur trifft man sich auf einen Kaffee, kommt miteinander ins Gespräch – und das nicht nur über das „gute Stück“, das nun kaputt ist. Da werden Geschichten erzählt wie diese: „Ja, so einen RG 28 habe ich zu meiner Verlobung vor 40 Jahren auch bekommen. Der hat immer seine Dienste geleistet. Besonders beim Kuchenteig kneten. Und wie war das bei ihnen? 

So und ähnlich erlebt am 15. Februar im Haus im Stadtteil „Kompass“ am Kummerower Ring 42. Da wurde das erste Repair-Café unseres Bezirkes offiziell eröffnet. Anwohner können künftig einmal im Monat in der Haus eigenen Werkstatt unter sachkundiger Anleitung von Fachleuten ihre Geräte selbst reparieren oder sich dabei helfen lassen. 

 

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Heidemarie Zühl aus der Louis-Lewin-Straße hatte Glück: Sie war nicht nur die allererste „Kundin“ im
Repair-Café, Joachim Stevens konnte ihre elektrische Zitronenpresse auch herrichten. Ein Schalter funktionierte
nicht mehr richtig, Stevens machte ihn zu Heidis Freude wieder gangbar.
Foto: Nachtmann
Zu den Ideengebern gehört Hedwig Zobel, die vor etwa vier Jahren aus dem Westteil der Stadt nach Hellersdorf zog. Sie hatte sich schon länger mit dem Thema beschäftigt, im Internet nachgeschaut, wo überall es diese Repair-Cafés schon gibt und einige besucht – etwa in Lichtenberg, Wedding, Treptow oder Schöneweide. 17 solcher Cafés soll es in Berlin geben. Und weil sie im „Kompass“ regelmäßig mit ihrer Gruppe vom ADFC tagt, sprach sie das Haus daraufhin an. Dort fand sie offene Ohren. Kompass- Leiterin Ottilie Vonbank freut sich, dass der Idee nun die Tat folgte. Und so treffen wir am Nachmittag des 15. Februar nicht nur „potentielle Kunden“ im Foyer mit kaputter Festplatte und Kocher an, sondern auch Joachim Stevens, einen der ersten freiwilligen Handwerksexperten. Schon wenige Minuten nach der Eröffnung steht er in der Werkstatt und „bastelt“ fachkundig. Der 69-jährige Marzahner ist gelernter Elektriker, studierte später Elektrotechnik. Schon als Kind habe er gern getüftelt und repariert, erzählt er uns. Nun hat er einen defekten Wasserkocher vor sich. Dem kann er leider nicht helfen, denn die Dichtungen sind defekt und als Ersatzteil nicht erhältlich. Das nächste Repair-Café öffnet am 14. März, 15 bis 17 Uhr, Info Tel. 56 49 74 01.
I. Dittmann