Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 136

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit der Sängerin Helga Zerrenz fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Ekki Göpelt

 

"Musik ist mein Leben ..."

... ist die Liebe, die mein Herz bewegt - der Titel seiner letzten CD, die sich Ekki anlässlich seines 70. Gebur tstages am 1. Januar 2015 zum Geschenk machte, könnte nicht treffender sein. Um genauer zu sein, sollte man noch das Wörtchen Schlager ergänzen – denn in seiner 40-jährigen Bühnenkarriere als Sänger und seiner zweiten als Radio-Moderator lag ihm dieses Genre ganz besonders am Herzen. Der 1945 im sächsischen Nerchau bei Grimma geborene Künstler liebte den Schlager.

Als ich Ekki im Dezember vergangenen Jahres auf der Live-Bühne des Freizeitforums Marzahn erleben konnte, nahm ich mir vor, dem sympathischen Schlagersänger und Radio-Moderator endlich einen gebührenden Platz in unserer Reihe „Musiklegenden des Ostens“ einzuräumen. Und zwar im Monat des Frühlings, wenn die Natur erwacht und die Sonne wieder strahlt. So wie Ekki, der stets ein Lächeln im Gesicht hatte, wenn man ihm begegnete – nicht nur auf der Bühne. Als ich den Text fertig hatte, plötzlich diese traurige Nachricht: Ekki Göpelt verstarb am Abend des 25. Februar im Unfallkrankenhaus Berlin in Marzahn an Organversagen. Lebensverlängernde Maßnahmen mittels Apparatemedizin lehnte Ekki ab. Er schlief friedlich ein, bis zur letzten Minute war Michael Niekammer bei ihm, seit 36 Jahren sein Lebenspartner, Manager, Texter, Co-Moderator und Freund, mit dem er in Prenzlauer Berg lebte.

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So oft hatte er in den vergangenen Jahren den gesundheitlichen Schicksalsschlägen tapfer die Stirn geboten, hatte 1996 den Nierenkrebs besiegt, mehrere Herzoperationen überstanden und sich Ende Januar dieses Jahres ein neues Kniegelenk einsetzen lassen. Die Schmerzen waren so uner träglich geworden, dass er keinen anderen Ausweg mehr sah. Die risikoreiche OP hatte der Sänger gut überstanden, mit Michas Hilfe wieder zu laufen begonnen. Doch seit Mitte Februar ging es ihm immer schlechter, er musste wieder ins Krankenhaus. Diesmal hat Ekki den Kampf verloren. Via Facebook ließ er eine Botschaft an seine zahlreichen Fans und Freunde ausrichten: „…Mut und Kraft habt Ihr mir geschenkt, ich freue mich, wenn Ihr an mich denkt, an mich und meine Lieder – und eines Tages, ich glaub ganz fest, da sehen wir uns wieder.“

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Sänger zu werden und auf der Bühne zu stehen – dieser Traum begleitete den Sohn eines Kantors im sächsischen Nerchau schon seit frühester Jugend. Seine Stimme erregte schon damals Aufsehen, doch „Ekkehard“ folgte zunächst dem Rat seines Vaters und wurde Lehrer für Deutsch und Musik. Tagsüberging er seinem Lehrerberuf nach und abends agier te er oft als Bandsänger, etwa beim Orchester Wolfgang Gerhardt. Seinem Hobby blieb er treu und so stand er 1969 bei der Talentesendung „Herzklopfen kostenlos“ zum ersten Mal vor der Kamera, 1974 wurde er als einer der besten Teilnehmer dieses Wettbewerbes zum Republikfinale delegier t. Wenig später hängte Ekki seinen Lehrerberuf an den Nagel und erwarb seinen Berufsausweis als Schlagersänger. Bald folgten erste Rundfunkproduktionen des längst nach Berlin übergesiedelten Sängers und 1976 der erste TV-Auftritt im „Schlagerstudio“ mit dem Titel „Du brauchst keinen Talismann“. Seine erste Langspielplatte bei Amiga „Ich bleib am Ball“ erschien 1987/88. 1988 begann auch seine Moderatorentätigkeit beim Berliner Rundfunk mit der Sendereihe „Schlag(er)sahne“, mit eigenem Showprogramm ging er auf Tour, war mit dem „Berlin-Sextett“, auch mit Helga Hahnemann unterwegs. Schlager wie „Und jetzt geht’s los“, „Oh Rosalie“ und besonders „Frag Frau Schmidt“ (1985) zählten in den 80- ern zu seinen Hits, später „Hallo, alte Straße“ und vor allem „Begrabt mich in der Kneipe“ (1990).

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Auch nach der Wende war Ekki stets präsent – ob bei Benefizkonzerten im „Altenheim der Tiere“, auf der Live-Bühne („Schlager, Gags und gute Laune“, oft mit Michael Niekammer) wie auch im Plattenstudio (CD wie „Voll drauf“, „Zeit zum Glücklichsein“, „Ich liebe das Leben“, „Vielen Dank“ und 2007 die 4-er Kollektion „Mein Leben für den Schlager“). Sein letzter Titel „Und immer noch stehst Du an meiner Seite“ erschien gerade erst als Single. Vor allem die Rundfunkstudios wurden zu Ekkis „zweitem Wohnzimmer“. So moderierte er drei Jahre bei 100,6, beim RBB die „Glückwunschantenne“ und hatte 14 Jahre lang bei Antenne Brandenburg eine eigene Sendung („Sonntagsvergnügen“). Am 1. September 2008 gab er den Startschuss für den Hörfunksender Radio Paloma, bei dem er eine tägliche Sendung bestritt. Seit 2013 moderier te er mit Niekammer bei Deutschlands Schlagerradio B2 die Sendung „Die Zwei ab Zwei“. Radio B 2 kündigte an, ab kommenden Sommer einmal im Jahr den „Ekki-Göpelt-Preis“ für talentierten Schlagernachwuchs zu verleihen. In Erinnerung an den Künstler sollen damit begabte junge Schlagersänger ausgezeichnet werden. Das hätte Ekki sehr gefallen.

Ingeborg Dittmann

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Abb.: Ekki Göpelt 1969 bei Herzklopfen kostenlos, 2011 im Kulturforum Hellersdorf, bei seinem letzten Auftritt im
Freizeitforum Marzahn im Dezember 2015 und das Cover seiner CD zum 70. Geburtstag.
Fotos: Dittmann, Archiv