Musiklegenden des Ostens -jot w.d.-Serie. Teil 10

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorstellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser - also in den 50er, 60er und 70er Jahren - Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. sprach mit Julia Axen, Mary Halfkath, Jenny Petra, Hartmut Eichler, Vera Schneidenbach, Günter Gollasch, der Blues-Legende Jürgen Kerth, der Stern Combo Meißen und anderen. Wir setzen unsere Serie heute mit dem in Mahlsdorf lebenden Sänger Reiner Süß fort Schreiben Sie uns, über welche Künstler Sie mehr erfahren wollen. Wir werden uns bemühen, Ihren Wissensdurst zu löschen.

Kammersänger Reiner Süß

Er steht mit 75 noch immer auf der Bühne

Wenn Reiner Süß auf seinem Drahtesel durch seinen Kiez radelt, hält er öfter mal auf einen Schwatz an. Man kennt ihn hier nicht nur von der Bühne oder aus dem Fernsehen, sondern als Nachbar. Seit 1961 wohnt der aus Chemnitz stammende Künstler mit seiner Familie an der Pilgramer Straße in Mahlsdorf Süd. Ein Engagement an der Deutschen Staatsoper Unter den Linden veranlasste damals den bekennenden Leipziger zu diesem Schritt.

Noch heute schwärmt er von Sachsens Metropole und gibt bei unserem Treff in seiner Stammkonditorei am Hultschiner Damm zu: „Berlin ist nicht unbedingt meine Stadt." Allerdings liebe er die Ruhe und das Grün in seinem Mahlsdorfer Kiez. Dort feierte Reiner Süß vor kurzem auch gleich zwei Jubiläen. Nicht spektakulär in großem Kreis und mit viel Tamtam, sondern ganz in Ruhe und „ganz in Familie": seinen 75. Geburtstag und nach 50 Ehejahren mit seiner Renate ihre "Goldene Hoch-seit". Sohn Dario, der gleich um die Ecke wohnt und Tochter Patricia und natürlich die Enkelinnen kamen gratulieren. So wie Sohn und Tochter (Sänger und Flötistin) wandeln auch die Mädchen auf musikalischen 'Pfaden, spielen Violine und Cello.

 

Wenn das Wetter nicht zu schlecht ist, fahrt Reiner Süß gern mir dem Rad zum Einkaufen oder ins Cafe.

 Links ein Bild von der Hochzeit mit Renate vor 50 Jahren.

F: Nachtmann, privat

 Zur Ruhe setzen will sich der langjährige Gastgeber der Fernsehshow „Da liegt Musike drin", dessen musikalische Karriere einst bei den Thomanern ihren Anfang nahm, aber noch lange nicht. Zumindest bis zum nächsten Jahr, in dem der Frank- Sinatra-Verehrer sein 50. Bühnenjubiläum begeht, sind Auftritte auf verschiedenen Bühnen in Vorbereitung - im Theater Karlshorst, beim Klassik-Open-Air auf dem Gendarmenmarkt oder in Magdeburg. Dennoch bleibt die Zeit, im kleinen grünen Paradies an der Pilgramer zu entspannen. Wobei der Kammersänger betont: „Der wunderbare Garten ist allein das Werk meiner Frau Renate." Mit der wagt er denn auch täglich ein Spielchen nach dem Mittagessen. „Scrabblen gehört zu unserer Leidenschaft", gesteht der Bassbuffo, der Anfang der 90er sogar einen Ausflug in die große Politik wagte und als Abgeordneter im Berliner Parlament saß.

Ingeborg Dittmann