Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 22

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

 Wie geht es den Publikumslieblingen von einst  heute? jot w.d. traf viele von ihnen. 

Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe mit  dem Sänger Dieter Dornig fort.

Dieter Dornig

Singen ist mein Leben

Aufgewachsen ist der seit 1988 in München lebende Sänger am Rande von Zittau zwischen Kaninchen, Kühen und Pferden. Beim Bauern verdiente er sich sein erstes Taschengeld mit melken. "Fünf Jahre lang habe ich 20 Kühe betreut. Der enge Kontakt zu Tieren, das war wohl der Grundstock für meine große Tierliebe", meint der Sänger.

 

Beruflich gings dann aber in eine ganz andere Richtung. Nach dem Abitur studierte er in Bautzen Pädagogik - Mathe, Deutsch und Musik. Aufgewachsen in einem musischen Elternhaus ("Vater war Freizeit-Pianist in einer Band, Mutter spielte Mandoline") begleitete ihn die Musik von Kindheit an. Und ließ ihn bis heute nicht los. Obwohl er seine Brötchen nun vor allem in der Immobilienbranche verdient, sagt Dieter Dornig: "Singen ist mein Leben. Alles andere, das bin ich nicht wirklich.

Lieber Sänger als Lehrer.

Fotos: Nachtmann, Dittmann

Schon während seines Studiums nahm Dieter Dornig Gesangsunterricht, absolvierte eine Ausbildung im Fach Operngesang. Entdeckt wurde er 1969 bei Heinz Quermanns Talenteshow "Herzklopfen kostenlos". Weil er da so gut abschnitt, durfte er als Auszeichnung ein Duett mit Dagmar Frederic in einer Fernseh-Lifesendung im Friedrichstadtpalast singen. Dann ging's Schlag auf Schlag. Bald hatte er sein erstes Engagement in der TV-Sendereihe "Klock 8 achtern Strom". Markenzeichen für den Jungen aus dem bergigen Süden wurden ausgerechnet Seemannslieder ("Heyo, wir fahr'n hinaus aufs Meer", "Alle Meere sind Brükken"). "Meine Stimmlage passte einfach dazu. Außerdem gehörte Freddy zu meinen großen Vorbildern."

Doch die Palette seiner Lieder reicht vom Musical über Operette und Country-Songs ("Mein Freund der Wind", "Das Leben ist kein leichtes Spiel") bis zum traditionellen Schlager. Auch als Moderator war der Sänger oft mit Kollegen auf Tour im In- und Ausland. "Da meine Schwester aber schon in den 50er Jahren nach Amerika gezogen war und meine Mutter ihr 1972 nach dem Tod meines Vaters folgte, durfte ich beruflich nie im Westen gastieren", ärgert sich der Sänger noch heute. "Als meine Mutter vier Jahre darauf wieder zurück nach Deutschland kam und nach München zog, konnte ich sie nicht einmal besuchen, geschweige denn mich bei Krankheit um sie kümmern."

Als ihm und seiner zweiten Frau Uta schließlich Ende der 80er Jahre doch einige Verwandtenbesuche gestattet wurden, entschloss sich das Paar, in München zu bleiben. "Es war ausgerechnet der 8. Mai, der Tag der Befreiung." In seinem Beruf wieder Fuß zu fassen, erwies sich als nicht leicht, doch er fand schnell musikalische Partner wie Uwe Schikora, Bernd Meinunger und Bernd Simon. Dieter Thomas Heck holte ihn in seine ZDF- Sendung "Pyramide", wo Dornig mit dem von Siegfried Jordan geschriebenen Lied "Niemand weiß, wohin der Wind uns weht" großen Erfolg hatte.

Die Familie bedeutet Dieter Dornig sehr viel. Für seine Mutter (o.li.) verließ er die DDR, mit seiner Tochter Nancy sang er bereits.

Neben Seemannsliedern und Country-Songs blieb aber stets ein Lied sein Markenzeichen: "Mutter, ich hab dir so lang nicht geschrieben" aus der musikalischen Feder von Siegfried Jordan. Vor knapp zehn Jahren bekam er einen Plattenvertrag bei Knöblrecords in Österreich. Seitdem sind mehrere CD's erschienen.

 

In Zukunft wird der 57-Jährige vielleicht auch wieder mit Tochter Mandy (aus seiner ersten Ehe mit der Sängerin Friederike Doreen) auf der Bühne stehen. Die in Berlin lebende junge Frau ist Kosmetikerin, doch schon als Kind stand sie gemeinsam mit ihrem Vater auf der Bühne des Dresdner Kulturpalastes. "Wenn ich in Berlin bin, nutze ich jede Gelegenheit, Mandy zu sehen", meinte der Sänger bei unserem Gespräch in einem Café in Schöneberg. Sprach's, und schon betrat die junge Frau mit ihrem Hund Bella den Raum. Und das Handy klingelte. Oma aus München war dran, wollte wissen, wie's Sohn und Enkelin im fernen Berlin geht. "Mit ihren 92 ist Oma noch gut drauf", sagt Mandy. "Sie läuft durch ihre Wohnung und singt. Dann gehts ihr gleich besser."

Ingeborg Dittmann

Von Kind an war Dieter Tierfreund, mit Dalamatinerhündin Bella versteht er sich prächtig.

In dieser Serie erschienen bisher: Julia Axen, Hartmut Eichler, Ingo Graf, Mary Halfkath, Barbara Kellerbauer, Britt Kersten, Jürgen Kerth, Gerti Möller, Thomas Natschinski, Omega, Jenny Petra, James W. Pulley, Brigitte Rabald-Koll, Gaby Rückert, Vera Schneidenbach, Sonja Siewert/Herbert Klein, Reiner Süß, Tina, Bärbel Wachholz, Jürgen Walter, Peter Wieland