Kraxeltipp 2: Der Kienberg ist kaum zu toppen

Drei unseren Bezirk prägende Erhebungen laden zu Ausflug und Ausblick ein

Hatten wir in der Märzausgabe von jot w.d. noch bescheiden die Biesdorfer Höhe mit ihren 82 Metern über Meereshöhe vorgestellt, geht es jetzt in etwas luftigere Gebirgsgegenden: In der Mitte des Bezirkes Marzahn-Hellersdorf gelegen und stets umkämpft zwischen seinen beiden namensgebenden Dörfern, zwischen Naturschützern und Gärten der Welt, liegt der heute Kienberg genannte Gipfel, offiziell 102,2 Meter hoch.

Der Kienberg kann zuweilen auch recht wunderliche Züge annehmen.

Foto: Clauder

Auch dieser Berg ist nicht natürlich gewachsen. Auf der geologischen Karte von 1869 war es lediglich eine als Langes Kien Berge bezeichnete Sanddüne am Wuhletal, die mit 54 Metern über NN das dortige Tal um ca. 20 Meter überragte und wahrscheinlich mit Kiefern geschmückt war. Wenig später entstanden rings um den Berg Rieselfelder des Gutes Hellersdorf, das 1886 zu diesem Zwecke von Berlin erworben wurde.

Aus Bauschutt und Erdaushub wuchs der zwischenzeitlich in Hellersdorfer Berg umbenannte Hügel bis 1986 auf 98 Meter in die Höhe, seine heutige Form ist also mit dem Bau der Marzahner und Hellersdorfer Großsiedlungen entstanden. Ähnlich wie der Biesdorfer Berg wurde auch der Kienberg in den letzten DDR-Jahren begrünt. Als Teil einer Erholungslandschaft sollte der Kienberg Richtung Norden einen Ausblick auf die neue Marzahner Gartenschau erlauben, südlich auf einen künstlich angelegten Gondelteich an der Wuhle. Eine Rodelbahn wurde am Nordhang angelegt, dort erhielt auch die Gartenschau einen kleinen künstlichen Hügel als Ausguck. Der Gondelteich starb mit der Wende und wurde durch naturverträglichere Gewässer ersetzt.

Die Begehrlichkeiten der neuen Gartenschau-Besitzer waren zeitweise auf den jetzt wieder in Kienberg umbenannten Berg gerichtet. Die Rede war von „Einzäunen und Eintritt zahlen“, auch von einem Ausflugslokal an seiner Spitze. jot w.d. bat nach der Bezirksfusion den damals zuständigen Stadtrat Heiner Niemann auf den Gipfel, um ihn auf Seite 1 unseres Blattes diese Gerüchte exklusiv dementieren zu lassen.

Inzwischen hat sich eine sehenswerte Flora und Fauna entwickelt. Je nach Jahreszeit sind Frühblüher- und Schmetterlingsparadiese zu bestaunen. Seine letzte Wandlung erfuhr unser Kienberg mit dem Anlegen befestigter Wanderwege. Auf der ehemaligen Lkw-Trasse, beginnend am Marzahn-Biesdorfer Grenzgraben, wurde eine behindertengerechte Auffahrt gebaut. Dazu kam jüngst noch eine Treppe neben der Rodelbahn, die auf kurzem Wege den Gipfel mit der Eisenacher Straße und den Gärten der Welt verbindet. Das Gipfelplateau wurde durch eine Aussichtsplattform aus Edelstahl und von Findlingen gesäumte Feuerstellen sowie diverse Sitzgelegenheiten verziert. Wenn die Ausblicke von den inzwischen hohen Bäumen freigeschnitten sind, kann man auf die Feuchtbiotope im Wuhletal, die nahen Großsiedlungen und die Felder im Brandenburger Umland blicken, bei guter Sicht bis zur Märkischen Schweiz. Wie auf der Biesdorfer Höhe fehlt auch hier eine Sichtschneise Richtung Stadtmitte.

U. Clauder