Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 45 

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit dem Gesangsduo Gitte & Klaus  fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Gitte & Klaus

 

Das Gesangspaar der guten Laune

 

Punkt 6 Uhr sind Gitte und Klaus Röder in Zwickau gestartet, um pünktlich zum Soundcheck für die Sonntagsmatinee im Freizeitforum Marzahn zu sein. Bereits am Nachmittag wird das Künstlerpaar zu einer Veranstaltung in Rostock erwartet. 600 Autobahnkilometer und zwei Auftritte an einem Tag – für Gitte (58) und Klaus (57) ist das nichts Ungewöhnliches. Wenn die Beiden die Bühne betreten, merkt man ihnen nichts von den Strapazen einer langen Reise an. Ganz im Gegenteil. Im Nu verbreiten sie Stimmung und gute Laune mit ihren volkstümlichen Liedern. Es wird geschunkelt, mitgesungen, getanzt und viel gelacht. Besonders über die witzigen Zwischentexte von Klaus. „Frohsinn, Stimmung und Geselligkeit, das ist unser Motto auf der Bühne“, sagen Gitte und Klaus. Ein ehrlich gemeintes Bekenntnis zur so genannten volkstümlichen Musik – von der böhmischen Polka über Altberliner Weisen, Stimmungs- und Seemannslieder bis zur Lateinamerikanischen Folklore. Oft auch in der Mundart der jeweiligen Region. Klar, dass den waschechten Sachsen das Erzgebirgische besonders liegt. Denn „Röders-Klaus un senne Fraa“ sind gebürtige Zwickauer.

Gitte & Klaus mit Karl Moik und auf der Bühne des Hellersdorfer Kulturforums (oben).

Fotos: Dittmann, Archiv

„Wer in Zwicke wohnt, weiß Heimat zu schätzen“, sind sich Gitte und Klaus einig. Dort wurden sie geboren, gingen gemeinsam zur Schule. „Im Ferienlager habe ich Gitte zum ersten Mal singen gehört und entschloss mich mit zehn Jahren spontan, Gitarre spielen zu lernen“, erinnert sich Klaus. Beide besuchten später auch die gleiche Berufsschule. Klaus lernte Bankkaufmann, Gitte Bürofachfrau. Danach studierte sie in Berlin Gesang, Klavier und Akkordeon und holte Klaus einfach nach. Vor 36 Jahren erhielten beide ihren Berufsausweis als Sänger. Seit 1977 gehörten sie zur Stammbesatzung der erfolgreichen Fernseh- Show „Oberhofer Bauernmarkt“, touren mit dem Bauernmarkt noch heute live zwischen Suhl und Rostock. Stolz sind sie darauf, dass Karl Moik sie als erste Interpreten aus dem Osten 1987 in den „Musikantenstadl“ von ARD/ORF holte. Zwölf Mal waren sie bis 2004 dabei. Auch in Achims Hitparade (MDR), der Schlagerparade der Volksmusik (ARD) oder der Norddeutschen Hitparade (NDR).

Seit 1970 sind beide nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Leben ein Paar. „Ein Pampelmusenpaar, wobei Gitte die Muse ist“, meint Klaus augenzwinkernd. Und: „Es war für uns beide Liebe auf den ersten Blick“. Die hält nun schon seit 40 Jahren. Gibt es da ein Rezept? „Gegenseitige Achtung und Vertrauen“, sagt Gitte spontan. „Außerdem sind wir von unterschiedlichem Temperament. Ich eher skeptisch, abwartend, Klaus impulsiv, offen, zuweilen polternd. Manchmal streiten wir uns, vergessen aber über den großen Dingen nie die so genannten kleinen Dinge im Leben – das, was wirklich zählt.“ Und das ist vor allem die Familie. Dazu gehören bei den Röders neben Sohn Roman (29), Student der Automobiltechnik und Tochter Cindy (33), Bankkauffrau, auch Willy, ihr kleiner Enkel. Und natürlich ihr „Kleintierzoo“ – zugelaufene Katzen und Goldfische im Teich. „Die kann ich sogar streicheln“, behauptet Klaus, der noch eine ganz andere große Liebe hat: die Fliegerei. Eigentlich wollte er Pilot werden. Weil das nicht klappte, begann er mit der Segelfliegerei, legte dann seine Lizenz als Privatpilot ab und fliegt nun kleine Motorflugzeuge im Aeroklub Zwickau. „Ich gönne ihm sein Hobby, bin aber jedes Mal froh, wenn er heil wieder unten ist“, meint Gitte. „Ich geh derweil in den Fitnessklub, beschäftige mich mit Seidenmalerei, in unserem Garten oder brutzle in der Küche.“

Das weiß ihr Mann sehr zu schätzen, besonders wenn Gitte sein Leibgericht – Wickelklöße mit Sauerbraten – kocht.

Doch dazu kommt es nicht allzu oft, denn die Terminbücher des Gesangspaares der guten Laune (ihr Motto: Solange man kann, sollte man lachen – man weiß nie, wann es einem vergeht.) sind randvoll mit Veranstaltungen – als Solisten mit eigenem Programm oder mit dem „Oberhofer Bauernmarkt“. Daneben stehen CD-Produktionen an, hin und wieder Kreuzschifffahrten (zuletzt im August 2007), Auftritte in den USA (wie vergangenen Oktober in Atlantic City). Momentan bereiten sich Gitte & Klaus auf eine große Frühlingstour durch deutsche Klubs vor. Da geht’s dann nonstopp von einem Bundesland ins andere. Und Willy freut sich, wenn die Großeltern „’s is Feierohmt“ anstimmen und endlich wieder Zeit haben, mit ihm herumzutollen.

Ingeborg Dittmann