Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 68 

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit der Sängerin Maja Catrin Fritsche fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Maja Catrin Fritsche

 

30 Jahre auf der Bühne

„Da muss eine(r) schon besessen sein. Wer sonst würde zum Beispiel in Leipzig wohnen, in Weimar studieren und nach Berlin fahren - um mit seinem Komponisten zu arbeiten oder in den Aufnahmestudios von AMIGA, Rundfunk und Fernsehen zu produzieren – und so zwischendurch noch längs und quer durchs Land ziehen, um mit einer Band am Abend fünf Stunden zum Tanz zu singen.“ – Mit diesen Zeilen begann ein Artikel, der vor 28 Jahren im Jugendmagazin „neues leben“ veröffentlicht wurde. Damals war die „Besessene“ gerade mal 22 Lenze.

Am 10. April feiert Maja Catrin ihren 50. Geburtstag. Und „besessen“ von ihrem Beruf ist die gebürtige Leipzigerin, die längst eine Berlinerin wurde, noch immer. Denn diesen hat die Tochter eines Musikers (nach einer Ausbildung als Sekretärin) von der Pike auf gelernt. Durch ihren Vater kam sie schon früh mit der Musik in Berührung, sang mit 12 im Rundfunkkinderchor Leipzig und ging seit ihrem 13. Lebensjahr fleißig zum Musikunterricht. Schon während ihres Gesangsstudiums an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar (1978-82) erregte sie Aufsehen beim Nachwuchsfestival „Goldener Rathausmann“ in Dresden, belegte 1981 beim internationalen Festival „Intertalent“ in Gottwaldow den 3. Platz.

 Beim Liederfestival „Mensch und Meer“ 1982 in Rostock bekam sie den 1. Preis und den Preis des Publikums. In dieser Zeit war sie schon Bandsängerin, z.B. bei den „Robbys“. Ihr Repertoire reichte vom Schlager über internationale Disko-Hits bis zu Soul und Rock. Nach dem Studium ging sie mit Frank Schöbel auf Tournee, zwischen 1983 und 85 mit Uwe Jensen, dann mit eigenem Programm – „Pop-Show live“ sowie „Hinz & Kunz(t)“ – schließlich mit der Pallas-Band. Einen ihrer ersten Songs – „Aufbruch ins Erwachsenenland“ – war wörtlich zu nehmen. Bereits nach dem Staatsexamen (Note Eins im Hauptfach) hatte sie, 22-jährig, den Sprung in die Selbständigkeit gewagt. Was zu DDR-Zeiten für eine ausgebildete Interpretin noch mit einer existentiellen Sicherheit verbunden war (über die Konzert- und Gastspieldirektionen wurden Tourneen und Veranstaltungen organisiert, man wurde zu internationalen Festivals „delegiert“, Funk und Amiga produzierten die Titel etc.), stellte sich nach der Wende ganz anders dar.
Nun musste man viel Geld mitbringen, wenn man eine eigene CD veröffentlichen wollte. Maja Catrin nahm ihre Geschicke in die eigenen Hände. Ein Management kann sie sich nicht leisten, und so verbringt sie oft stundenlang am Telefon, um ihre Auftritte selbst zu organisieren. Dann fährt sie mit ihrem kleinen Auto nach Brandenburg, Mecklenburg, Sachsen oder Sachsen- Anhalt, tritt bei Stadt- oder Betriebsfesten auf, gestaltet Weihnachts- oder Silvesterprogramme, singt ihre eigenen Lieder, aber auch internationale Hits der 50-er bis 80-er Jahre. Sich selbst zu vermarkten, wie es so schön heißt, das musste auch sie erst einmal lernen. Inzwischen gelingt das der Sängerin von „Doch da sprach das Mädchen“, „Freundliches Wort“ oder „Ich bin stark nur mit dir“ schon recht gut. „Ich kann davon leben, wenn auch sehr bescheiden“, sagt Maja Catrin, die nach einer zerbrochenen Beziehung nun wieder seit vielen Jahren allein lebt; in einer kleinen Altbauwohnung in Lichtenberg. Ihr privates und berufliches Leben organisiert sie mit viel Disziplin, Akribie und Fleiß. Inzwischen hat sie sich sogar schon an eigene Kompositionen gewagt und schreibt auch Texte – etwa „Mein Leben fängt heut wieder an“, „Liebe total“ oder „Die Liebe kam auf Ibiza“. Diese und andere Schlager sind auch auf einigen CD´s zu hören („Gib mir ein Zeichen“, „Gefühle“).

2010 ist für die 1,59 Meter-Power- Frau ein ganz besonderes Jahr – sie feiert nicht nur ihren 50. Geburtstag, sondern auch ihr 30-jähriges Bühnen-Jubiläum.

Ingeborg Dittmann

Abb.: Maja Catrin Fritsche 1982 als frisch gebackene „Sängerin mit Diplom“, Auftritt 2005 beim jot w.d.-Pressefest, im März 2010 in Kaulsdorf.

Fotos: Archiv/Dittmann