Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 80 

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit dem Musiker Harald Wilk fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Sven Simon & Pallas Band

 

Gute Laune im Gepäck

 

In dieser Folge unserer seit sieben Jahren regelmäßig erscheinenden Reihe wollen wir einen Bereich der musikalischen Unterhaltung zeigen, der bisher noch nicht „zu Word“ kam: Tanzmusik- Live-Bands, die Woche für Woche allabendlich die Säle landauf landab zum Kochen brachten. Davon gab es Hunderte im Osten Deutschlands – angefangen von der kleinen Amateurcombo bis zum großen Tanzund Showorchester. Stellvertretend für sie stellen wir diesmal den Musiker, Sänger und Komponisten Sven Simon mit seiner Pallas Show Band vor.
Gegründet Mitte der 70-er Jahre, hat die Band noch heute Bestand und ist gefragter den je. Das belegt allein schon ein Blick auf den jährlichen Tourneekalender. Von Bayern über Thüringen und Sachsen bis zur Ostseeküste sind die sechs Musiker, die beiden Sängerinnen Katrin Lau und Beatrice Sowa und Sven Simon als Chef des ganzen (Sänger und Posaunist) unterwegs – als Begleitband bekannter Interpreten wie Ireen Sheer oder als Show Band bei Galas, Firmenjubiläen, Stadtoder Hafenfesten. Vor allem in den Sommermonaten wird die Küste, von Cuxhaven über Bansin bis Binz, zur zweiten Heimat. Ihr Repertoire ist breit gefächert, reicht vom aktuellen deutschen Schlager über internationale Tanzmusik, Stimmungsmusik, Klassiker und Oldies bis zu maritimer Musik. Großen Anklang finden ihre „Hafenbar-Show“ und das Oldieprogramm „Souvenirs, Souvenirs“ mit den besten Schlagern der 50-er und 60-er Jahre, bei dem zuweilen auch Gäste wie Dagmar Frederic oder Hauff/Henkler dabei sind.

Mit der Besetzung Gitarre, Schlagzeug, Keyboard, Bass, Trompete, Saxofon, Flöte, Klarinette und Posaune können die professionellen Musiker dem Publikum bzw. den Solisten, die sie zuweilen begleiten, so ziemlich jeden musikalischen Wunsch erfüllen. Profunde Notenkenntnisse sind bei „Pallas“ selbstverständlich, was sie von so manch anderer Tanzmusikband unterscheidet. Von Anfang an hat der seit 1982 in Spreenhagen bei Berlin lebende Gründer und Bandleiter Sven Simon alle organisatorischen und musikalischen Fäden in der Hand.

Abb.: Bandleader, Komponist, Musiker und Sänger Sven Simon im März 2011 in Kaulsdorf.

Fotos: Dittmann, PR

Der in Merseburg geborene Künstler ist das, was man einen Vollblutmusiker nennt. Ein Leben ohne die Bühne, ohne Studio, ohne seine Band und den Applaus mag er sich nicht vorstellen. Erlernt hat er einst zwar den Beruf eines Autoschlossers, doch schon mit 17 spielte er in einer Amateurband, war während seiner Armeezeit Sänger einer Band und machte danach sein Hobby zum Beruf. In Halle hatte er Unterricht in Gesang und Posaune genommen, ehe er 1971 seinen Berufsausweis als Musiker und Kapellenleiter, zwei Jahre danach als Schlagersänger ablegte. Schon damals tourte er als Solist und mit Bands (u. a. bei Dieter Janik) und 20 Auftritte pro Monat waren keine Seltenheit. Die Pallas Band hatte wechselnde Sängerinnen (u.a. Maja Catrin Fritsche, Ines Paulke oder Martina Penzoldt), gestaltete im Auftrag der Konzertund Gastspieldirektion zahlreiche Konzerte und Shows im In- und Ausland, wurde zu den Weltfestspielen nach Moskau geschickt oder an die Erdgastrasse. Im Fernsehstudio war sie in der Sendung „Sprungbrett“ Begleitband der Interpreten, die Hartmut Schulze-Gerlach einlud und wurde des Öfteren für mehrwöchige Kreuzschiffahrten in die Karibik engagiert. Sven: „Von 1985 an wurden wir über die Künstleragentur häufig in den Westen geschickt, absolvierten z.B. vier Monate lang Kurkonzerte in Bayern oder Paderborn, spielten im Cafe Keese in Hamburg oder in Westberlin. Unsere Pässe galten bis zu zwei Jahren, so waren wir quasi Bundesbürger auf Zeit.“ Als einmal Teile der Anlage zur Reparatur mussten, bekam er sogar per „Dienstauftrag“ die Möglich das im Westteil von Berlin zu erledigen. Keine Gefälligkeitsgeste des Staates, schließlich brachte die Band diesem ja auch Devisen ein. Aufgrund bestehender Verträge hatten Sven und seine Band keine Probleme, die Zeit nach der Wende gut zu überstehen. Seitdem haben sie auch einige Scheiben produziert – „Wellen und Wind“ mit eigenen Songs, geschrieben von Sven und Katrin (Text), „Weil Du heut Geburtstag hast“ oder „Souvenirs Souvenirs“ (Livemitschnitt der gleichnamigen Show). Als Gesangssolisten präsentieren sich Katrin Lau und Sven Simon u.a. mit eigenen Songs wie „Hey du, mit deinen Sommersprossen“, „Drunter und Drüber“, „Ohne Dich“ oder auf einer Weihnachtsliederplatte.

Viel Zeit für Hobbys bleibt bei dem Pensum kaum für Sven. Doch er hat ja das seltene Glück, dass Arbeit und Hobby eins sind. Und das, so wünscht er sich, möge noch lange so bleiben.

Ingeborg Dittmann