Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 91

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit der Allround-Sängerin Pascal von Wroblewsky fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Pascal von Wroblewsky

 

Passt in keine Schublade

 

Chanson, Folk, Blues, Gospel, Rock, Swing, Jazz, Klassikadaptionen, zeitgenössische Musik – alles „ihr“ Terrain. Eine wie Pascal von Wroblewsky lässt sich in keine Schublade stecken. Es gibt wohl kein musikalisches Genre (außer vielleicht dem Schlager), in dem die Berlinerin, die am 10. Juni ihren 50. Geburtstag feiert, nicht zu Hause ist. 1996 etwa erschien von ihr eine Platte mit Songs von Brecht/Weill („Kanonensong“, „Die sieben Todsünden“). Neuerdings hört man von Pascal auch Coverversionen von Rockklassikern der 70-er, den Soundtrack ihrer Jugend. „Pascal – Seventies Songbook“ heißt ihre aktuelle CD. Mit Songs von Deep Purple („Smoke On The Water“), Janis Joplin, The Doors („Riders On The Storm“), 10CC, Emerson, Lake & Palmer und anderen. Ganz schön mutig, die Frau. Songs, die jeder in der Originalversion kennt und die in die Musikgeschichte eingegangen sind, in eigener Version zu präsentieren – das kann auch daneben gehen. Nicht so bei Pascal und ihrem langjährigen musikalischen Begleiter Jürgen Heckel. Der Gitarrist, Komponist und Arrangeur arbeitet seit ihrem Soloalbum „Swinging Pool“ von 1986 und ihrer Zeit beim Berliner Jazzorchester „Bajazzo“ mit der Sängerin zusammen. Mit „Bajazzo“ produzierte sie 1987 die LP „Fasten Seat Belts“, später war sie als Gast u. a. auf Platten mit Gerhard Schöne oder Eric Fish zu hören.

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Zu den weiteren Musikern ihres aktuellen Albums – des ersten eigenen seit „Idol“ aus dem Jahre 2000 – gehören auch Peter Michailow und Pepe Berns. Den Soundtrack ihrer Jugend verbindet die 1962 geborene Sängerin mit ihren ersten Tramptouren über die Dörfer mit 14, 15 Jahren und selbst mitgeschnittenen Radiosendungen auf Kassette. Mit 18 zog sie dann mit Tanzbands selbst über die Dörfer, sang alles, was damals zum Tanz gespielt wurde.

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Auf der Bühne stand sie jedoch schon viel früher, begleitete etwa gemeinsam mit ihrem Vater Clement de Wroblewsky beim Festival des politischen Liedes ausländische Gäste auf der Gitarre. Denn eigentlich liegen ihre musikalischen Wurzeln im Folk. Als sie sich mit 15 zum ersten Mal an der Berliner Musikhochschule bewarb, sang sie Songs von Joan Baez zur Gitarre, damals noch mit Igelschnitt und Punklederjacke. Angenommen wurde sie nicht, sie konnte keine einzige Note lesen, war Autodidaktin (später unterrichtete sie sogar an den Hochschulen in Berlin und Leipzig). Dann landete sie bei der Folkloreband „Klanghaufen“, sang, spielte Gitarre und Mandoline, versuchte sich dann bei einigen Rockbands und einer Bluesband aus Stralsund. Der Einstieg in den Jazz gelang der 20-jährigen Pascal bei den „Sonneberger Jazzoptimisten“. Spätestens seit ihrem Auftritt beim Dresdner Dixielandfestival 1984 kannte man die Sängerin mit der großen Stimme republikweit.

Aus der Jazz-Szene war sie seitdem nicht mehr wegzudenken. So tourte sie Anfang der 90-er mit Axel Donner und Thomas Klemm als „Jazz-Trio“. Andere Projekte hatten kaum noch mit Jazz zu tun – Gospel-Konzerte im Franz- Club, Brecht-Weill-Konzerte oder Theater („Dreigroschenoper“). Pascal begann, deutsche Songtexte zu schreiben, das passte nicht zum Jazz. Zeitweilig betrat sie mit einer eigenen Band sogar völlig andere Wege – Punk, Heavy Metal, Rock – und alles in großer Lautstärke. Na gut, das war nicht ihrs, aber man hatte auch das mal ausprobiert.
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Abb.: Pascal von Wroblewsky ist eine der vielseitigsten Jazz- und Rocksängerinnen des Landes, 1987 und heute; 1986 hatte sie ihre erste LP bei Amiga. Fotos: nl-Archiv

In diesem Jahr nun tourt die Ausnahmesängerin mit ihren „Seventies“ durchs Land. Und immer wieder gibt sie ihr Wissen an jüngere weiter, etwa beim 3. bundesweiten Kinderjazzfestival Anfang April in Leipzig. Dort ist sie im Juni auch als „Soultemparierte Pascal“ beim Bachfest zu erleben.

Ingeborg Dittmann