Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 113

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit dem Gesangsduo Sandra Mo & Jan Gregor fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Sandra Mo & Jan Gregor

 

Das Paar mit dem exotischen Äußeren


Obwohl Sandra Mo und Jan Gregor nur knapp zwölf Jahre gemeinsam auf der Bühne standen, erinnern sich noch heute viele Freunde des Schlagers und der Folklore an das Gesangsduo, das sich durch sein exotisches Aussehen und entsprechende Kleidung von vielen anderen Bühnenpaaren unterschied. Dabei stammten beide „von hier“ – Sandra, geboren 1950, kommt aus Görlitz und Jans Heimat war das Dörfchen Sommerfeld bei Oranienburg, wo er 1946 geboren wird. Nach einer Lehre zum Bankkaufmann (nebenbei sang er in einem Schlagerchor) zog es ihn mit 18 Jahren nach Berlin. Hier jobbte er als Beleuchter am Maxim-Gorki- Theater, bekam auch erste kleine Rollen und erhielt eine musikalische Ausbildung im Chansonstudio Weißensee. 1968/69 war er Mitglied im renommierten Gerd-Michaelis- Chor, bevor er beschließt, sich an der Musikhochschule „Carl Maria von Weber“ in Dresden zu bewerben. Dort lernte er auch Sandra Mo kennen.

Die hatte schon seit ihrem sechsten Lebensjahr Mandolinen- und Gitarrenunterricht in der Volksmusikschule in Görlitz und sieben Jahre lang Ballettunterricht, einige Zeit auch an der weltbekannten Dresdner Palucca- Schule. Bei einem landesweiten Talente-Wettbewerb errang sie mit gerade mal 16 Jahren Bestnoten, bewarb sich nach Facharbeiter-Ausbildung und Abitur ebenfalls an der Dresdner Musikhochschule. Beide schlossen das Studium erfolgreich mit dem Staatsexamen ab. Dass beide ein Gesangspaar wurden, ist dem damaligen Regisseur Heinz Burghardt vom Dresdner Kulturpalast zu verdanken, der meinte, die beiden passen gut zusammen und sie zu einem Engagement nach Prag schickte.

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Da Sandra und Gregor stimmlich wie auch äußerlich gut harmonierten, wurde aus ihnen das Gesangspaar Sandra Mo & Jan Gregor. Seit 1973 traten sie im In- und Ausland mit einem Folklore- und Chansonprogramm auf. Nach einem Fördervertrag mit dem „Komitee für Unterhaltungskunst“ folgten Tourneen durch die damalige Sowjetunion, eine Jugendrevue im Friedrichstadtpalast und Auftritte im DDR-Fernsehen („Schlagerstudio“, „Einmal im Jahr“, „Ein Kessel Buntes“). Ihren musikalischen Durchbruch erreichten die beiden 1976 mit dem Hit „Hätt ich noch mal die Wahl“. 1977 vertrat das Paar die DDR beim internationalen Festival „Bratislavska Lyra“. Im gleichen Jahr erschien bei AMIGA ihre erste Langspielplatte „Sandra Mo – Jan Gregor“ (gefolgt von „Unsere Melodie“ 1978). Ein Glücksfall war für das Duo die Zusammenarbeit mit dem Autorenteam Arndt Bause (Komposition) und Dieter Schneider (Text). Die meisten Songs der ersten LP stammen von ihnen („Hätt ich noch mal die Wahl“, „Dein Weg soll mein Weg sein“, „Jeder Tag war ein Lied“, „Ein Lied muss wandern“). Dazu kommt internationale Folklore – vom berühmten „Glöckchen“ über „Cotton Fields“ (Seit du da bist) bis zu „Jamaica Farewell“ (Wo ist unsre Spur im Sand).

1985 trennt sich das Duo. (Noch ein letzter gemeinsamer Auftritt folgt 1999 in der TVSendung „Wiedersehen macht Freude“). Sandra Mo heiratet ihren „Traummann“ aus Bulgarien, den Tenor und Musikpädagogen Valentino. Er wird auch ihr Bühnenpartner, mit dem sie ihre zweite Show-Karriere startet. Ihre Solo-LP „Zigeunerlieder“ erscheint und in ihrem Tournee-Programm „Sandra Mo in Show“ präsentiert sie neben Zigeunerliedern auch Pop-Musik und Musical-Titel. In ihren Live-Shows mit Valentino reicht die Palette von Schlager über Pop und Folk bis zum Musical. Auf den Platten „Winter-Zauberland“ (von Rubin Records) sind sie mit Songs wie „Il pensiero solo a te“, „Noch einmal“ oder „Frei wie der Wind“ vertreten. Sandra sattelt nach der Wende noch einmal um und studiert Musiktherapie. Neben ihrer Karriere als Sängerin ist sie in Dresden unter ihrem bürgerlichen Namen Ingrid Farhi als Musiktherapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie erfolgreich.

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Abb.: Das Duo 1976 auf dem Titelblatt der „melodie & rhythmus“, Sandra Mo bei einem Auftritt im Februar 2014 im FFM

Fotos: Dittmann, Neubert/Archiv

Jan Gregor findet nie wieder zum einstigen Bühnenerfolg zurück. Nach gesundheitlichen Problemen übersiedelt er in die Türkei, in die Nähe von Antalya. Hier will er den Rest seines Lebens verbringen, denn, so Jan: „Hier hatte ich vom ersten Tag an das Gefühl von Heimat.“

Ingeborg Dittmann