Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 125

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit der Jodelkünstlerin und Sängerin Susi Schuster fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Susi Schuster

 

Die Jodelkönigin der DDR


Den Namen der wohl erfolgreichsten deutschen Jodlerin kannte im Osten Deutschlands spätestens seit den 1960-er Jahren fast jeder – Susi Schuster, die Jodel-Lady aus dem Erzgebirge.

Schon mit vier Jahren spielte sie Blockflöte, versuchte sich am Jodeln und stand bereits mit sieben Jahren auf der Bühne. Kein Wunder, kam die am 3. November 1940 in Zwickau als Susanna Thekla Schuster geborene Sängerin doch in einer musikalischen Familie zur Welt. Ihr Vater war Musiklehrer und leitete ein Kinderorchester. Eines ihrer ersten Lieder („Jetzt gang i ans Peters Brünnele“) hatte einen Jodelteil. Den brachte Susi so gut, dass ihr Vater daraufhin mehrere Jodelsongs mit ihr einstudierte. Bald schon stand sie mit Lederhose und Gitarre auf der Bühne, lernte auch, das Akkordeon zu bedienen. Schon mit 10 Jahren hatte sie ihre ersten öffentlichen Auftritte.


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Sie war 17, als sie von Rolf Krickow und Horst Lehn bei der „Kleinen Premiere“, einem Vorläufer von Heinz Quermanns Talenteshow „Herzklopfen kostenlos“, entdeckt wurde. Zwei Jahre später hatte die Zwickauerin bereits ihren Berufsausweis als Sängerin in der Tasche und der Rundfunk produzierte erste Aufnahmen mit ihr. 1958 stieg sie ins Tourneeprogramm der damals durchs Fernsehen sehr populären Instrumental- und Gesangsgruppe „Vier Brummers“ aus Dresden ein. Sie begleiteten die Sängerin fast zehn Jahre bei ihrem Bühnenprogramm „Servus, Susi“ oder bei späteren Fernsehauftritten wie in der Sendung „Da lacht der Bär“.

Sogar in Paris hatte die Jodel-Königin Erfolg. 1961 trat sie beim Pressefest der „l’Humanité“ mit dem Lied „Kuckuck“ auf. Spätestens seit 1963, als Susi Schuster in „Da lacht der Bär“ mit dem Westtitel „Siebentausend Rinder“ auf der Bühne stand, war sie bekannt wie ein bunter Hund. Und AMIGA brachte 1964 eine Single auf den Markt – mit diesem Song und ihrem „Jodel- Twist“, den sie, wie zahlreiche Lieder danach, selbst geschrieben hatte. Neben eigenen Liedern wie „Do legst di nieder“, „So leicht lernt man das Jodeln“, „Es lebe unser Trabi“ oder „Aus dem Wald ruft der Kuckuck“, hatte die Sängerin stets auch internationale Songs wie „In the mood“, „Kalinka“ oder „Jambalaya“ in ihrem Repertoire. Nach der Wende nahm sie in Dänemark eine Country-CD auf.

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Bis heute steht die Jodel-Lady auf der Bühne, wenn auch viel seltener als früher. Immerhin ist die agile 74-Jährige, die seit mehr als 30 Jahren in zweiter Ehe verheiratet ist, auch schon dreifache Großmutter. Ein intaktes Familienleben sei für sie Voraussetzung, ihre Arbeit gut zu machen. In ihrem Mann Lothar habe sie zum Beispiel „einen ehrlichen Kritiker“, sagt sie. Wichtiger als Ruhm und Reichtum sei ihr stets die Familie gewesen, gute Freunde, Gesundheit natürlich. Und so liebt sie die mediterrane Küche mit viel Obst, Gemüse und Fisch und unternimmt in ihrer Freizeit lange Spaziergänge in der Natur. Und sie liebt gute Bücher, besonders gern Biografien („Ich bin neugierig auf das Leben interessanter Menschen.“).

In unserem Bezirk konnten wir Susi Schuster u.a. am 14. September 2008 bei einer „Sonntagsmatinee“ im Freizeitforum Marzahn erleben, und im Oktober 2013 stand sie neben vielen ehemaligen Kollegen im heimischen Zwickau auf der Bühne im berühmten Ballsaal der „Neuen Welt“.

Ingeborg Dittmann

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Abb.: Susi Schuster auf einer Autogrammkarte; ihre erste Single und Susi beim Künstler-Stammtisch 2009 in Berlin.

Fotos: Archiv, Nachtmann