Vom Hellersdorfer Peacezeichen bis

zur Kirchturmspitze

Zehn Jahre jot w.d. – Der Blick zurück – Folge 4: Das Jahr 1999

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Am 1.Mai genau vor zehn Jahren erschien unsere erste Ausgabe. Ihr vierter Jahrgang aus dem chinesischen Jahr des Hasen und letztem christlich-abendländischen mit einer 19 vornan soll uns heute näher interessieren:

Was vor allem auffällt: Wir waren damals nicht nur lokal, sondern auch sehr international, Europawahlen, Proteste gegen den damaligen Irakkrieg, die NATO-Bombardierungen ziviler Objekte in Serbien und gegen rechtsextreme Überfälle auf Vietnamesen im Bezirk brachten das mit sich. Gleich auf zwei Titelseiten prangte das Peacezeichen im Rohrbruchpark, dem heutigen Jelena- Santic-Friedenspark: Im Mai fiktiv als Projekt von Jugendlichen, das jot w.d. tatkräftig mit einer Fotomontage an exponierter Stelle unterstützte, einen Monat später schon als Blumenpflanzung, heute nach vielen Zerstörungen ein in Stein gefasstes Oval. Gysi in der Fachhochschule Alice Salomon gegen den Krieg, in Interviews Uwe Klett und der Leiter der Dienststelle des Europabeauftragten des Senats gegen Bomben auf Irak und serbische Städte, viele Antikriegsstimmen sowie mehrere Initiativen aus dem Bezirk, die Kriegsflüchtlingen  halfen, kamen in jot w.d. ausführlich mit ihren Anliegen zu Worte. Daneben und dazwischen wie stets bei jot w.d. jede Menge Berichte über lokales Engagement für Kinder und Jugendliche, der Juli-Titel lautete bezeichnenderweise „Schule – ade, Ferien – olé, Job – oje!“. Später gab es ausführliche Berichte zur United Space Parade, zur Sanierung der „Villa Pelikan“, zu antirassistischen Projekten und Jugendaktionen gegen Neonazis.

Am Ende des Jahres stand nicht nur die Freude auf 2000 sondern auch der Ärger über immer weiter steigende Preise im Mittelpunkt.

jot w.d. portraitierte Kakteenzüchter Joachim Fiedler und Komponist Kurt Schwaen (beide mit Bundesverdienstkreuz) und Umweltschützer Heino Mosel (ohne Bundesverdienstkreuz nach dessen Rückgabe aus Protest gegen vernachlässigten Naturschutz).

Viel Platz gab es in unserem Blättchen für die „Erschließung von Unten“ – eine von vielen Anwohnern bevorzugte Variante des Straßenausbaus im Siedlungsgebiet. Ein bis heute heiß diskutiertes Problem von bürgernahen Verwaltungsentscheidungen. Auch die erst jüngst, also 2006 offiziell gestartete Renaturierung der Wuhle war bereits vor 7 Jahren (!) ein großes Thema für die örtlichen Umweltschützer. Und damit auch für jot w.d. Die Laufzeiten der Papiere in den Ämtern lassen sich aus dieser Zeitspanne ablesen. Wie in diesem Jahr gab es auch 1999 Berlinwahlen. Unaufgeregt, gleichberechtigt, ausführlicher als andere Blätter und sachlich stellte jot w.d. die Kandidaten der großen und kleinen Parteien für das Abgeordnetenhaus vor. Bei der Negativberichterstattung über die braune Flut von NPD-Plakaten allerdings ließ es jot w.d. nicht an Parteilichkeit missen. Die Wahlen entschieden über die Zusammensetzung der Ämter für die Bezirksfusion von Marzahn und Hellersdorf ab 2001 – das Thema spielte allerdings damals in der öffentlichen Diskussion noch kaum eine Rolle, blättert man die alten Ausgaben des Jahres 1999 durch. Die jot w.d-Leser bevorzugten in einer Umfrage „Wuhletal“ (die Redaktion mit einem Augenzwinkern „Wuhling“) als Name für den Großbezirk, das wäre doch toll für ein neues Image gewesen – eine verpasste Chance, meine ich.

Eine scharfe Diskussion entspann sich 1999 in jot w.d. über Kunst im öffentlichen Raum und die Beteiligung der Bürger.

 Fotos: Dittmann

Eine große Sache für Kaulsdorf und damit auch für jot w.d.: „Kaulsdorf hat sein Wahrzeichen wieder“; die Spitze kam nach mehr als 50 Jahren erneut auf die Dorfkirche, in der kurz darauf auf dem 4. Heinrich-Grüber-Kolloquium Katrin Grüber, Enkelin des Probstes und Vizepräsidentin des Landtages von Nordrhein-Westfalen für Frieden im Kosovo eintrat.

U. Clauder