Von wegen ein Leben lang lernen!

Ans Bett gefesselt wurde jot w.d.-Kolumnistin und Kabarettistin

Dagmar Gelbke zum Röhren-Dauer-Gucker 

Ich will keine Fernsehgebühren mehr zahlen. Sollte nicht dazu endlich ein Volksentscheid durchgesetzt werden? Oder fand jemand diese Themenwoche „Mehr Zeit zum Leben“ erbaulich? Ich habe ausschließlich gut situier te Rentner dort erlebt, meist solche, die die Chance hatten, in der alten Bundesrepublik ein Vermögen bzw. eine Karriere aufzubauen, die ihnen heute, zusätzlich zur Rente, das Altsein erleichtern. 

Aber wahrscheinlich ist es ja so, wir armen Schweine sind in der Minderheit. Wir müssen uns wohl damit abfinden. Trotzdem – wie passt das zusammen, dass über mehr Lebenszeit geredet wird, die man positiv nutzen soll, wenn man, wie ich, von der Frankfurter „viadrina“ nicht zum Studium zugelassen wird mit der Begründung: „Sie würden das Studium kurz vor dem Eintritt ins Rentenalter abschließen, da wäre es doch ungerecht, einem jungen Menschen den Studienplatz zu verweigern, der noch ein ganzes Leben vor sich hat.“ Und meine Freundin Martina – gut situiert, klar – sagt, sie verstehe diese Entscheidung. Ich fühle mich diskriminiert, wenn ich mein Leben nicht nach meinen geistigen Fähigkeiten gestalten kann. Wo ist die viel gepriesene persönliche Freiheit? Wo die Realisierung der Bundestagsinitiative „Lebenslanges Lernen“? Warum wird mir, als langjähriger Steuerzahlerin, verweigert, im letzten Drittel meines Lebens ein Diplom zu erwerben? Nun könnte ich mich ja einklagen, aber dazu fehlt mir das Geld. Also, gebe ich auf. Sprach’s, kriegte eine Bronchitis und lag im kalten April im Krankenbett, ohne Krankengeldanspruch, versteht sich. 

Zeit für „Herzklopfen kostenlos“ 

Aber da hatte ich endlich mal Zeit, in die Röhre zu gucken. Und, im Gegensatz zu der „Rentner-Mugge“, hat mir das, was ich in den verschiedenen Talente-Shows gesehen habe, den Glauben an unsere Jugend wiedergegeben. Abgesehen davon, dass dieser eitle, inzwischen taktlos dahin plappernde Gottschalk am Ende auch noch mitsang – wirklich nicht komisch! - war dieses Musical-Star- Casting im ZDF eine echte Alternative zu „Deutschland sucht den Superstar“. Können die alle singen, diese jungen Menschen – wunderbar! Auch bei olle Hugo Egon Balder in Sat.1 wurden große Musical-Talente präsentiert. Und so fast ohne Skandale, so dass ich den Eindruck habe, selbst Bohlen geht deshalb in seiner DSDS-Staffel etwas seriöser mit „seinen“ jungen Leuten um - die ich übrigens alle, trotz guter Stimmen, stinklangweilig finde. Eigentlich Zeit, dass sich unser mdr auch mal an der Talentesuche beteiligt. „Herzklopfen kostenlos“ könnte ein Remake gebrauchen. Aber was gebe ich hier Tipps. Ich bin am Ende als Jurorin sowieso nicht dabei. 

So, das hat das esoterische Universum jetzt gehört und wird’s prompt so kommen lassen – die „Sich selbst erfüllende Prophezeiung“. Ich glaube, darin könnte ich das neumodische Master-Diplom ohne Studium kriegen…

Hier noch schnell zwei fernsehfreie Programm- Tipps: Am 4. Mai um 19 Uhr, gibt es im Kabarett „Charly M.“ eine Gisela Oechelhaeuser-Premiere. Mit Texten von Philipp Schaller schlüpft sie in neun unterschiedliche Frauenrollen – das muss man gesehen haben. Außerdem präsentieren ab 9. Mai die Lütte (Angelika Mann) und Achim Mentzel in der „Kneifzange“ im ehemaligen Haus der Sowjetischen Kultur ein Programm zu Ehren von Trude Herr. Sie wissen doch: „Ich will keine Schokolade…“ Tolle Idee, warum hatte ich die nicht? Ach ja, weil ich wieder Größe 40 tragen kann…Und da jammere ich, dass ich keine Erfolge hätte ... Einen erfolgreichen und sonnigen Mai wünscht

Eure Daggie