Glückwünsche kamen sogar von Wowi

Kabarettistin und jot w.d.-Kolumnistin Dagmar Gelbke schritt kritisch über den „roten Teppich“, traf eine alte Liebe und freut sich über den Ausgang des Volksentscheides

 

Im vergangenen Monat bin ich kurz mal ausgefallen an dieser Stelle, auf dieser Welle. Zwei Premieren, da war einfach kein Platz mehr für andere Gedanken. Nun, nachdem alles erfolgreich verlaufen ist, das „Affentheater“ in Frankfurt/Oder und der „Bunbury“ in Berlin, bin ich wieder offen für unsere kleine Welt.

 Zum Beispiel bin ich mit meinem neuen Bühnenpartner Frank Brunet, der übrigens im Juni Maik Damboldt, den ehemaligen Solo- Tänzer des Fernsehballetts, heiraten wird, bei der 25-Jahresfeier des neuen Friedrichstadtpalastes über den roten Teppich geschritten. Warum tue ich mir das eigentlich immer wieder an? Abgesehen davon, dass die erste Frage der Papparazzi war: „Ist das Ihr Sohn?“ (was er ja hätte sein können, mit seinen 39), habe ich mich wieder schrecklich gelangweilt. Ich schrieb es an dieser Stelle schon: Die Revue „Qi“, aus der Ausschnitte gezeigt wurden, ist nicht nach meinem Geschmack. Geärgert habe ich mich auch. Neun große Revuen und Kinderrevuen habe ich im Laufe meines 50-jährigen Bühnenlebens in diesem Hause gespielt, aber ich wurde – wie Ellen Tiedtke auch – nicht erwähnt. Andere, die nur ein- oder zweimal dort auftreten durften, wurden in den Himmel gehoben. Bloß gut, dass mir so was nicht an die Seele, sondern „nur“ an den Verstand geht. Die langjährige Ballettchefin Gisela Walter – nicht erwähnt; Thomas Natschinski – einer der Hauptkomponisten dort – nicht erwähnt. Usw. usf.

Wenigstens hat nicht Kim Fisher moderiert, sondern Meret Becker. Und was die gezeigt hat, war wirklich hinreißend. Ihr Steptanz, das singende-Säge-Solo, wie sie einarmig am Seil in den Schnürboden gezogen wurde, wirklich sensationell. Dass ihre Moderation zu privat und kleinkunstmäßig dahin plätscherte, nun ja, das ist wohl Ausdruck der neuen Lockerheit unserer Zeit. Aber dass sie z.B. im „Kurier“ am Tag danach nicht erwähnt wurde, hat mich genauso aufgeregt wie meine eigene Nichtexistenz in den Medien.

Gerd Natschinski kam auch zur Premiere

Da hat dann unser „Wowi“ schon mehr Interesse an meiner Person gezeigt. Zur Premiere von „Wer ist Herr Bunbury“ – das wir am 29. Mai, 19 Uhr, im „Tschechow- Theater“ spielen werden – hat er mir eine Gratulation anläßlich meines 50. Bühnenjubiläums geschickt. Das hat mich wirklich umgehauen! Übrigens kam zu dieser Premiere auch der 80-jährige Gerd Natschinski, der Komponist des erfolgreichsten DDRMusicals „Mein Freund Bunbury“, was ein wirklich berührender Moment für uns (drei) Akteure war. In einer späteren Vorstellung tauchte dann auch plötzlich meine große musikalische Liebe, Rolf Kühn, auf. Rolf Kühn ist ein in Leipzig geborener Weltklasse- Jazz-Musiker, sagen wir mal, der Günther Gollasch des Westens. Ich habe ihn kennengelernt, als er noch Leiter des Theater des Westens und Ehemann von Judy Winter war. Wir haben eine karmatische Verbindung irgendwie, vielleicht weil er seinen ersten Bühnenauftritt – um 1938 herum – mit dem Orchester meines Vaters hatte, von dem er jedesmal schwärmt, wenn wir uns treffen.

Wir haben gewonnen!

Also, was will ich eigentlich mehr? Themenwechsel! Berliner, ich bin stolz auf Euch! Wir haben gewonnen! Ethik bleibt Pflicht! Und die hat Berlin nötig, finde ich. Was haben Paula und ich gekämpft dafür. Die ProReli-Plakate waren doch so was von manipulativ – hat uns das aufgeregt. Dem Jauch verzeihe ich seine Plakat- Aktion nie. (Ich frage mich, wieviel Kohle er dafür kassiert hat!) Und der liebe Gott fand das offensichtlich auch nicht so cool– sonst hätte er ihm nicht prompt die Stimme geraubt...Wenn auch nicht für lange, aber ein Zeichen war‘s schon.Will sagen, auch ER will die Kirche dort haben, wo sie hingehört, im Herzen und nicht auf der Schulbank.

Nun schauen wir mal, ob das Landgericht Potsdam am 5. Mai für meine Berufung gegen das Urteil des Amtsgerichts KW ein Herz hat. KW hatte beschlossen, ich sei im vergangenen Jahr vorsätzlich ohne Fahrerlaubnis gefahren. Ich schwöre an dieser Stelle, dass es fahrlässig von mir war! Ich habe das Ende des Fahrverbots als „6. 9.“ gelesen. Es war aber der 8.9. Na ja, mit Brille wär` das nicht passiert! Einen schönen Wonnemonat Mai wünscht

Eure Daggie