Eine Vision vom Paradies

In den „Gärten der Welt“ wurde nun ein „Christlicher Garten“ eröffnet

 

Dialog der Kulturen und Religionen

Marzahn – Mit großem Bahnhof wurde am 29. April das inzwischen neunte Garten-Kleinod im Ensemble der „Gärten der Welt“ im Erholungspark Marzahn übergeben – ein „Christlicher Garten“. Dem war eine ungewöhnlich lange und intensive Planungs- und Bauzeit mit vielen Gesprächsrunden aller Beteiligten (unter anderem auch Kirchenvertretern) vorausgegangen. Obwohl der neue Garten, gelegen zwischen Chinesischem und Japanischem Garten, nur 31 mal 31 Quadratmeter groß ist und der Innenraum ganze 1000 Quadratmeter umfasst, vergingen seit Baubeginn im August 2009 zwanzig Monate.
Abb.: Gartenchefin Beate Reuber öffner das Tor für Senatorin Junge- Reyer und Dieter Stolte (li.); Worte der Bibel und klassischer Philosophen in vielen Sptachen regem zum Nachdenkenan; Marianne Mommsen hat den Garten entwickelt. Fotos: Nachtmann

In den Diskussionen war es vorrangig um die Bezeichnung „Christlicher Garten“ gegangen. Ist das Christentum doch in der ganzen Welt verbreitet, und bei Benennung der bisherigen Gärten standen eher die jeweiligen Kulturkreise im Fokus (Japanischer, Chinesischer, Balinesischer, Koreanischer Garten). Allerdings war von vielen Besuchern der Anlage am Fuße des Kienberges angeregt und gewünscht worden, den vorhandenen Gärten, deren Gestalt ja auch durch die Religionen des jeweiligen Kulturkreises geprägt ist (Taoismus, Buddhismus, Islam, Hinduismus), einen Garten aus dem europäischen Und dessen traditionelle Wurzeln liegen hauptsächlich im christlichen Glauben. 

Sicherlich hätte man den Garten auch „Abendländischen oder Europäischen Garten“ nennen können. Oder Klostergarten, denn von der Anlage her gleicht der neue Garten mit dem aus goldfarben lackiertem Aluminium bestehenden Wandelgang (Kreuzgang) dem gartenarchitektonisch überliefertem Raumtypus eines Klostergartens. Der Kreuzgang diente sowohl der Kontemplation als auch der Kommunikation der Mönche. Die vier Meter hohen Metallprofile im Wandelgang des Marzahner Gartens enthalten Textpassagen aus dem Alten und Neuen Testament sowie philosophische und literarische Textauszüge zum Thema „Mensch und Natur“. Man muss schon längere Zeit im Gang verweilen, um diese zu entziffern. 

Prägend für die europäische Gartenkultur war auch die symbolische Kreuzform mit den vier Teilgärten, die in Marzahn durch ein Wegekreuz aus hellem Kies und vier immergrünen Hecken, unterbrochen von weiß blühenden Stauden und Gehölzen, geprägt werden. Den Gartenmittelpunkt betont ein überquellender Wasserstein, umschlossen wird der Garten durch eine vier Meter hohe Buchenhecke. Der Dialog der unterschiedlichen Kulturen und Glaubensrichtungen in den Gärten der Welt soll demnächst auch durch den Bau eines Gartens, der die jüdische Kultur repräsentiert, erweitert werden. So die Anregung, die zur Eröffnung am 29. April unter anderem vom Kuratoriumsvorsitzenden der Allianz Umweltstiftung, Prof. Dieter Stolte, kam. Neben dem Land Berlin hatte die Umweltstiftung zur Finanzierung des neuen Gartens beigetragen, dessen Gesamtkosten sich auf 3,18 Millionen Euro belaufen. Die Gärten der Welt sind täglich ab 9 Uhr für Besucher geöffnet, Eintritt 3 Euro (Kinder 1,50 Euro), Eingänge Eisenacher Straße und Blumberger Damm. 

Ingeborg Dittmann