Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 81 

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit der Sängerin und Entertainerin Dagmar Frederic fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Dagmar Frederic

 

Ich bin immer noch da

 

Pünktlich zum 66. Geburtstag am 15. April lag eine CD auf dem Gabentisch. 17 neue Songs, produziert von Willy Peetz, enthält die brandneue Scheibe „Immer noch und immer mehr“. Darunter „Man lebt nur einmal“, „Kinder der Liebe“, „Halt mich fest“ und „Ich bin immer noch da“. Als Bonustitel, neu aufgenommen, der mittlerweile 44 Jahre alte Frederic- Uhlenbrock-Hit „Du hast gelacht“. Nur drei Wochen zuvor war eine Doppel-CD bei Sony mit 44 Evergreens erschienen. „Was halten Sie vom Tango“ heißt sie nach dem gleichnamigen Hit. Darauf sind auch 12 Duette mit Siegfried Uhlenbrock, ihrem Bühnenpartner der Jahre 1968 bis 71. Sie ist immer noch da, die Grande Dame der Unterhaltung, wie sie zuweilen betitelt wird. In den vergangenen 50 Jahren ihrer Karriere als Schlager- und Musicalsängerin war sie immer präsent auf der Bühne und in den Medien, selbst in der schwierigen Zeit Anfang der 90-er Jahre, als nicht wenige ihrer Ostkollegen aufgaben oder gezwungen waren, kleinere Brötchen zu backen. „Ich bin eine Kampfameise“, sagt sie selbst über sich. Zwar verschwanden mit dem Ende des DDR-Fernsehens und in den Jahren danach ihre großen Shows wie „Serenade bei Kerzenschein“ oder „Meine Show“, doch dafür gab es andere Engagements wie bei den Elblandfestspielen Wittenberge, den Schlossgartenfestspielen Neustrelitz oder zur Landesgartenschau in Eberswalde.
Das Städtchen vor den Toren Berlins (heute lebt Dagmar Frederic mit Ihrem 5. Ehemann in Woltersdorf) ist ihr Geburtsort. Dort wuchs sie auf, ging zehn Jahre zur Schule und lernte danach den Beruf einer Apothekenhelferin. 1966 entdeckte Heinz Quermann „Dagmar Elke Schulz“ bei einem Vorausscheid für die TV-Reihe „Herzklopfen kostenlos“. Sie nahm Gesangsunterricht an der Berliner Musikhochschule und erwarb 1967 ihren Berufsausweis. In den Folgejahren wurde sie zu nationalen wie internationalen Festivals delegiert, war Stammgast in vielen TV-Sendungen und produzier te zahlreiche Songs bei „Amiga“.

„Am 27. April 1984 wurde mir eine gigantische Ehre zuteil“, schreibt sie in ihren Erinnerungen. Sie durfte zur Eröffnung des neuen Friedrichstadtpalastes das erste Lied singen. „Auf persönlichen Wunsch von Erich Honekker.“ Über ihre Kindheit, ihr Elternhaus (ihr Vater Günter Schulz war Tierparkdirektor in Eberswalde) und ihren beruflichen wie privaten Lebensweg berichtet sie in ihrem Buch „Schürt das Feuer“, das zu ihrem 60. Geburtstag herauskam. Eine bekannte Wochenillustrierte des Ostens, in der oft und regelmäßig über die Sängerin geschrieben wird, druckte vorab exklusiv einige Kapitel ab.

 

Mit ihrem Buch ist die Künstlerin auch heute noch häufig zu Lesungen mit Musik landauf landab, vor allem im Ostteil der Republik, unterwegs. Zwischendurch steht sie auf der Bühne, ob bei Stadtfesten, Unterhaltungsshows in Kultureinrichtungen, Klubs und Konzertsälen oder mit eigenem Programm, etwa im Operncafé Unter den Linden. Bei vielen kulturellen Highlights der Stadt, Preisverleihungen oder Benefizveranstatungen zählt sie stets zu den geladenen Promis. Die dann wiederum, von Wowereit bis Platzeck, zu den eigenen runden Geburtstagen ihre Gäste sind.

Häufig ist Dagmar Frederic auch in den Kultureinrichtungen von Marzahn- Hellersdorf anzutreffen, ob bei Talk-Shows oder Seniorenveranstaltungen im Freizeitforum. Unlängst wirkte sie dort als Vorsitzende der Jur y bei der Talenteshow 50-plus „Goldener Herbst“.

Soziales Engagement zeigt sie als Schirmherrin des Lichtenberger Wohnprojektes Undine und bei der McDonald-Kinderhilfe.

Ihren ersten Bühnenauftritt hatte die Eberswalderin schon mit 16, da stand sie auch mal neben Peter Wieland auf einer Bühne, ihrem Idol, den sie viele Jahre heimlich liebte, ehe er 1977 ihr dritter Ehemann wurde. 1983 verliebte sie sich in Peter Renner aus Halle, ihrem späteren vierten Ehemann. Im Januar 1985 wurde Tochter Maxie geboren. Bei einem Gastspiel auf Malta lernte sie 1997 den Reiseveranstalter Klaus Lenk kennen. Er wurde 2004 Ehemann Nummer fünf. Ein Jahr darauf wurde Dagmar Frederic aus ihrer heilen Welt gerissen. Die Schlagzeilen in einigen Gazetten überschlugen sich – drei Jahre dauerte das. Der Vorwurf: Veruntreuung von Geldern. Inzwischen ist Gras über die Sache gewachsen, zumindest in der Öffentlichkeit. Und „Daggi“ ist „Immer noch da“. Zum Beispiel als Radiomoderatorin beim Privatsender Radio Paloma. Live kann man sie das nächste Mal am 17. Mai im Kultursalon im Café Schoeler- Schlösschen in Wilmersdorf erleben.

Ingeborg Dittmann

Abb.:Dagmar in der Veranstaltung „La Musica“, einer ihrer ganz frühen Auftritte zusammen mit James W. Pulle

Fotos: Dittmann, Archiv