Pro Toto

Erfolgreicher Start in die neue Saison auf der Rennbahn

Hoppegarten – Die Älteren werden sich wohl erinnern, was es bedeutet, wenn einer ruft: „Ja wo laufen sie denn?“ Wem neben dem Heinz-Erhard-Sketch auch noch Eliza Dolittle mit ihrem Ausruf „loof schnella, oder ick streu dir Pfeffer in’ Arsch“ einfällt, der weiß sofort: Die Rennbahn-Saison ist eröffnet. Und in diesem Jahr hat das Unternehmen, das so untrennbar mit dem Namen Hoppegarten verbunden ist (und mit dem der Name Hoppegarten ebenso untrennbar verbunden ist) gleich zu Beginn am 12. April einen richtigen Paukenschlag gesetzt. Mit dem „Geschoss von Budapest“, dem Wunderhengst Overdose, wurde ein Hauptrennen ins Programm genommen, das Turf- Fans selbst von weither anreisen ließ. Zwar war der drahtige Braune recht nervös, ließ sich nur mittels Deckenüberwurf in die Startbox dirigieren, doch dann machte er seinem Namen alle Ehre.

Gerhard Schöningh gratuliert Zoltan Mikoczy zum Sieg seines Pferdes.

Sekt und Kaffee von zu Hause schmecken auch.

Fotos: Nachtmann

Mit einer Überdosis an Geschwindigkeit pulverisierte er den Streckenrekord förmlich, flog vorbei an mehreren tausend stehend applaudierenden Zuschauern. Das könnte ein Moment gewesen sein, an dem sich Bahneigner Gerhard Schöningh verstohlen eine kleine Träne vom Gesicht tupfte. „Es gibt andere Projekte, wo man leichter Geld verdienen kann“, gestand er, der sein Vermögen als Investmentbanker in London erzielte und vor einigen Jahren die Rennbahn erwarb, später ein.

Rennbahn für Alle: Vorn Champagner und Cocktails, hinten Bratwurst und Bier

Allerdings hat er auch in seinem „schwierigen Projekt“ am Eröffnungstag eine Top-Rendite erzielt: Er setzte nämlich auf Overdose 100 Euro und kassierte für den erwarteten Sieg 140. „40 Prozent in weniger als einer Minute, das ist schon recht gut.“ Dennoch ist die Bahn für den Eigner nach wie vor ein Zuschussgeschäft. Zahlen nennt Schöningh nicht, wozu auch? Für ihn gilt vor- erst nur: „Hoppegarten ist die größte und beste Rennbahn Deutschlands, die Geschichtsträchtigste.“ Dabei zählen nicht nur die Turf- Veranstaltungen. Selbst wenn das Eignerkonsortium um Zoltan Mikoczy den ungarischen „Sportler des Jahres“ ins Pannonische zurück transferierte, weiß Schöningh: „Bei uns werden zunehmend Pferde vor Ort trainiert, die auch wichtige Rennen gewinnen.“ Das ist es, was Adel und Geldadel anzieht. Einen ersten nennenswerten Lohn seiner Bemühungen kann der Pferdenarr schon verbuchen: Erstmals wird es in dieser Saison ein so genanntes Gruppe-I-Rennen (24. Juli, Großer Preis von Berlin, Prämiensumme 175 000 Euro) in Hoppegarten geben. Das sind die teuersten, mit den besten Pferden, den höchsten Prämien und den meisten und reichsten Prominenten.

„Wie sehe ich aus?“ Auch wenn es nicht alle Damen tun: Hüte gehören nach wie vor zum Turf. Diese beiden prüfen wohl die soeben von sich selbst gemachten Bilder.

Jaecki Schwarz zog aus der „Loser- Box“, in die man Wettschein-Nieten werfen kann, ein „Freilos“. Gunter Jöppe aus Behrental setzte die 100 Euro „konservativ“ und erzielte 340.

Dass nach Schöninghs Sinn Hoppegarten dennoch die Rennbahn (auch) der kleinen Leute, der Familien, der einfachen Pferdefreunde bleiben soll, danken ihm die Besucher in Scharen. Bei den ersten beiden Renntagen waren (bei bestem Wetter) gut 17 000 Besucher zu Gast. Und selbst mit einem Wetteinsatz von nur einem Euro (mit dem man, den richtigen Tipp vorausgesetzt, zuweilen um die 1200 Euro gewinnen kann) hilft der „kleine Zocker“ der Bahn und dem Sport. Wohlan, der nächste Renntag am 8. Mai ruft. Pfingsten folgen die Amazonen.

Ralf Nachtmann