Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 114

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit der Sängerin und Entertainerin Eva Maria Pieckert fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Eva Maria Pieckert

 

Spagat zwischen Barock und Rock


Ihre Stimme kann flüstern und im nächsten Augenblick von großer Intensität sein. Ihre stimmlichen Nuancen sind so weit gefächert, dass sie von Schlager über Rock, Pop, Musical, Chanson, Jazz und Gospel bis zur Klassik so ziemlich alle musikalischen Genres bedienen kann. Ein „stimmliches Chamäleon“ ist diese Eva Maria Pieckert, die Pankowerin, die Zeit ihres Lebens bekennende Hallenserin geblieben ist. Wenn eine wie sie dann noch professionelles Handwerk mit Seele vereint, dann scheint alles möglich. Etwa ein umjubelter Auftritt auf der riesigen Berliner Waldbühne mit Adaptionen von Georg Friedrich Händels Messias – „A Child Is Born“ (2000) und 2006 zur 800-Jahres-Feier auf dem Theaterplatz zu Dresden. Oder Auftritte beim Opernball in Frankfurt/ Main. Sie meistert ein Gospel- Konzert in einer Kirche genau so souverän wie einen Auftritt bei einem internationalen Schlagerwettbewerb, beim Musical oder auf der Operettenbühne. Erst jüngst gab die Sängerin die Postfrau im Singspiel „Im weißen Rössl“ bei den Beelitzer Festspielen.
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Ich kannte die am 7. September 1955 in Halle/Saale geborene Sängerin in den 1980-er Jahren eher als Popsängerin, erlebte sie bei Interpretenwettbewerben und Schlagerfestivals, bei Revuen im Friedrichstadtpalast oder 1984 beim internationalen Liederfestival in Sopot, von dem die junge Sängerin mit der „Goldenen Bernstein-Nachtigall“ zurück kam. Ich kannte ihre ersten Lieder wie „Guten Morgen, ich bin da“ oder „Wie die Steine im Bach“ von Horst Krüger (Komposition) und Gisela Steineckert (Text), 1978 in der Amiga-Serie „Kleeblatt“ veröffentlicht, und die Songs, die auf ihrer ersten Amiga-LP „Leben ist halt so“ (1981) erschienen. Umso überraschter war ich, als ich Eva bei einem legendären Konzert im „Palast der Republik“ – am 9. November, in der Nacht, als die Grenze aufging – erlebte. Mit sinfonischen Adaptionen von Händels Messias, von Bernd Wefelmeyer auf die Bühne gebracht. Auf der stand sie gemeinsam mit Anke Lautenbach und Mike Kilian und ich erlebte erstmals eine „ganz andere“ Eva Maria Pieckert. pieckert2.jpg
Bereits mit 16 begann Eva ein Studium an der Leipziger Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn Bartholdy“, mit 22 besaß sie ihren Berufsausweis. Tourneen, u.a. mit dem Hansa-Schau-Orchester, folgten. Ende der 70-er Jahre kam sie nach Berlin und fand in dem Musiker und Komponisten Horst Krüger und der Sängerin Gerti Möller neue musikalische Wegbegleiter. 2012 feierte sie bereits ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum, da war sie gerade mal 56! Das heißt, sie stand schon als Jugendliche auf der Bühne. Etwa 1972 in der Nachwuchs-TV-Sendung „Sechs Mädchen und Musik“. Zuvor bereits mit dem Chor der Hallenser „Ulrich von Hutten“- Schule. Zurückgekehrt zu ihren Wurzeln, nahm die Tochter eines Reichsbahners und einer Verkäuferin im Jahr 2006 mit dem heutigen Schulchor eine Hommage auf ihre Heimatstadt auf – das Lied „Kindheitstage“ (Komposition André Kuntze). Es ist der Titelsong ihrer damals erschienenen CD.
In dieser Zeit tourte Eva u.a. als Gastsolistin im „Weihnachtsfest der Volksmusik“ durch Deutschland, zuvor mit Walter Plathe mit einem Weihnachtsstück, u.a. an der Komödie am Kurfürstendamm in Berlin und an der Komödie Hamburg. Zu erleben ist die sympathische Sängerin auch bei Heimat- und Stadtfesten, zu Silvester-Galas und am Theater. In Berlin etwa am Kriminaltheater. Seit Jahren gestaltet sie dort Weihnachtsprogramme. In diesem Jahr heißt es zum Beispiel am 30. November, am 7. und 14. Dezember „Wieder ist Weihnacht“, ihr Gast ist Uta Schorn. Und neuerdings ist die Sängerin, die auch moderiert, in Modenschauen zu erleben, am 3. Mai zum Beispiel in Döbeln (mit Natascha Ochsenknecht), am 12. September in Borna und am 27. September in Grimma.
Ihr musikalisches Talent hat sie an Tochter Caroline (33) vererbt, die Saxophon in einer Band spielt. Mit ihr stand Eva auch schon im Duett auf der Bühne. Deren Töchterchen Clara Emilia ist der ganze Stolz von „Oma“ Eva Maria und ihrem Mann Gregor Borges, der seit Jahrzehnten gleichzeitig auch ihr Manager ist.
Ingeborg Dittmann 
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Abb.: Autogrammfoto von Eva Maria Anfang der 1980-er, die Sängerin heute, eine ihrer Singles von 1983. 

Fotos: John, Archiv