Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 126

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit der Bluesband Monokel in ihrer "doppelten Ausführung" fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Monokel

 

Mr. Speiche's Monokel Blues Band und Monokel Kraftblues


Der Slogan „Fünf nette junge Herren, die 1 a Kraftblues machen“ war seit Ende der 1970-er Jahre ein Garant für volle Häuser oder Open Air- Bühnen. Scharenweise folgten die Jeans- und Parkaträger, die Langhaarigen und Unangepassten, die „Kunden“ ihren Idolen bis zum letzten Dorfgasthof in Hintertupfingen – symbolisch dafür steht der Monokel- Song „Bye, bye Lübben-City“ von 1979, der 2004 einem 450 Seiten dicken Wälzer über „Bluesfreaks, Tramps und Hippies in der DDR“ von Rauhut und Kochan (Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf) seinen Namen gab. Blues mit deutschen Texten – das gab es nur in der DDR. Als einer der ersten zelebrierte das schon in den 1960-er Jahren Jürgen Kerth, später „Engerling“ – bis heute mit großem Erfolg.
Die „netten Herren“ waren die Musiker der Berliner Kultband MONOKEL, eine der authentischsten Bluesbands des Ostens – die Gründungsmitglieder Jörg „Speiche“ Schütze (bg), Sebastian „Buzz Dee“ Baur (g, voc), Frank „Gala“ Gahler (voc, harp), Wilfried Borchert (g, voc) und Mario Janik (dr). 
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Im Oktober 1976 erhielten sie eine Einstufung als Amateurband. Als 1979 Baur, Borchert und Janik die Band verließen, kamen Bernd „Kuhle“ Kühnert, Rainer Lojewski und Michael „Lefty“ Linke dazu. 1982 verließen Gahler und Lojewski Monokel, dazu kamen Gerd Pöppel, Bernd Damitz und der Sänger Bernd „Zuppe“ Buchholz. Soweit zum „Personalkarussell“, das sich 1996, 20 Jahre nach der Bandgründung, noch einmal drehen sollte. Grund war die Spaltung der Band. Schon in der Wendezeit hatte die Existenz von Monokel auf der Kippe gestanden, als ihr Manager sich mit der Bandkasse ins Ausland absetzte. Doch die Band rappelte sich wieder auf, produzierte 1995 ihr zweites Album „Monokel“. Doch kurz danach verließ Jörg „Speiche“ Schütze die Band und gründete kurz darauf die „Monokel Blues Band“. Es gab Streit um den Bandnamen – so entstanden „Mr. Speiches Monokel Blues Band“ und „Monokel Kraftblues“. Unter diesen Namen spielen beide Bands noch heute. Ein Versuch, nach dem gemeinsamen Jubiläumskonzert zum 25. Geburtstag 2001 (mit vielen ehemaligen Bandmitgliedern) zusammen auf Tour zu gehen, scheiterte jedoch. Im folgenden ist also von Monokel im Doppelpack zu reden und zu unterscheiden (was noch heute, nach fast 20 Jahren, so manchen Veranstalter irritiert).

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Abb.: Ein frühes Bandfoto; Lefty und Speiche sind bis heute die „Gesichter“ der beiden Monokel- Bands.
Fotos: Dittmann, Archiv

Die vier „netten jungen Herren“ von „Monokel Kraftblues“ begeisterten erst kürzlich im Klub „Kiste“ in Hellersdorf ihre zahlreichen Fans: Sänger und Gitarrist Michael „Lefty“ Linke (seit 1979), Bernd „Kuhle“ Kühnert (Gitarre, seit 1979), Michael „Pitti“ Pflüger (Bassgitarre, seit 2008) und Dicki Grimm (Schlagzeug, seit 1996). Natürlich fehlten im Konzert neben neueren Stücken auch die Monokel-Klassiker wie „Das Monster vom Schilkinsee“, das „Lumpenlied“ und „Schwarze Marie“ nicht. Für neue Songs nehmen sich die Musiker um Lefty viel Zeit. Kuhle: „Bei uns ist immer etwas in Arbeit und wir legen viel Wert auf gute Texte.“ Eines der spektakulärsten Konzerte erlebten wir am 16. Juli 2006 zum 30. Bandjubiläum auf der Schlossinsel Köpenick. Davon erschien bei Buschfunk die CD „Monokel & Gäste“. Zu letzteren zählte auch Frank Gahler, der 1982 zu NO 55 gewechselt war. Ihr Konzert zum 35. Bandjubiläum ging am 7. Oktober 2011 im FRANNZ über die Bühne.

„Mr. Speiches Monokel Blues Band“ feierte den 35. Geburtstag der Band und den 65. von Monokel-Urgestein Speiche am 27. Oktober nebenan im „Kesselhaus“. Mit dem unverwechselbaren, charismatischen Blues- Sänger Bernd „Zuppe“ Buchholz, Olli Becker an den Drums, Heinz Glass an der Gitarre, Gitarrist J.J. Bailey, Svenie Ramrath (harp, g) und natürlich Bandchef Speiche an der Bassgitarre. Der spielte schon in den 1960-ern bei der „Rhythmusgruppe 62“, der „Sputnik Band Potsdam“ und beim „Diana Show Quintett“ mit Achim Mentzel, mit dem er nach 46 Jahren zum 35. erstmals wieder gemeinsam auf der Bühne im „Kesselhaus“ stand. Berlin weit bekannt ist Speiche auch seit 1992 durch seine Kiezkneipe an der Raumerstraße 39, eine Institution in der Musikerszene (Engerling schrieb den „Raumer 39 Beat“). Auch bei „Monokel Blues“ werden natürlich die alten Bandklassiker gespielt. „Ansonsten sind wir in Stil und Sound sehr verschieden“, sagt Speiche, dessen Sohn – natürlich – auch Musiker ist und eine Band hat. Beim 15. Rock- und Bluesfestival in Vollmershain stehen am 11. und 12. September wieder beide „Monokel“ auf der Bühne. Ein Grund mehr, sich dieses Datum einzuprägen.

Ingeborg Dittmann

Hier noch ein paar Tourdaten beider Bands:

Monokel-Kraftblues – 19. Juni Berlin „Die Laube“ am Volkspark Prenzlauer Berg, 4. Juli Open Air in Prießnitz, 11. Juli Rock- und Bluesnacht in Spremberg, 12. September 15. Rock- und Blues-Open Air in Vollmershain, 24. Oktober Cottbus-Döbbrick. 

Mr. Speiches Monokel Blues-Band – 12. Mai Jena, 20. Juni Hohen Neuendorf, 27. Juni Bluesfestival Markneukirchen, 4. September Leipzig, 9. September Berlin Zepernick, 11. September Open Air Vollershain, 10. Oktober 4. Berliner Kundenbluesnacht, 10. Dezember Kesselhaus Berlin.