Vor der Fusion: M & H werden berühmt

Zehn Jahre jot w.d. – Der Rückblick – Das Jahr 2000

Alle Folgen finden Sie hier

Das war schon ein ganz besonderes Jahr, dieses Jahr 2000. Abgesehen davon, dass der Y2K-Bug, der Fehler der Gates’schen Computersysteme nicht ganz so schlimm zuschlug, wie befürchtet, so war dieses Jahr doch auch das einiger Auf- und Umbrüche.

Von ersteren haben sich einige eher als Rohrkrepierer erwiesen. So wollte etwa die WoGeHe ihren Mietern 300 Kleingärten bei Hönow verpachten. Doch die dortige Naturschutzbehörde machte den Hellersdorfern einen dicken Strich durch die Rechnung. Nun sitzt die WoGeHe wohl noch immer auf 12 Hektar „Ackerland“, für das sie dazumal knapp eine Million Deutschmark zahlte. Dies jedenfalls stand in der Januar-Ausgabe von jot w.d. und auch, dass im Verkehrsstreit in Mahlsdorf (Stichwort: Laster) trotz Tagung der Arbeitsgruppe „HASE“ keine Lösung in Sicht sei. Auch sechs Jahre später hat man sich kaum ein Jota weiter daraufhin bewegt.

jot w.d. erweitert den Umfang

Große Schritte machten die Bezirke damals allerdings in Richtung der vom Abgeordnetenhaus beschlossenen Fusion. Erinnert man sich noch an das Personalgerangel? Oder gar an die „Qual der Wahl“ um den künftigen Bezirksnamen? Olle Kamellen seien das, mag der eine Leser oder die andere Leserin meinen. Gut. Aufgefallen ist beim Blättern aber auch eine Schlagzeile aus Nummer 2: „Pflanzt Blumen in die Schlaglöcher!“, stand da. Hat zwar keiner gemacht, die Schlaglöcher sind aber noch (schon wieder?) da. Nicht meckern, das ist doch der heimliche Beitrag des Bezirks zur Verkehrsberuhigung.

Ganz ruhig ging auch die Umgestaltung des Platz 18 in Mahlsdorf vor sich. Im März erblühten dort 25 000 Krokusse, und das Bezirksamt rief zur Namenssuche auf. Mit zunächst mäßigem Erfolg. Ein paar Jahre später erhielt auf Initiative von jot w.d. der Platz dann den Namen von Alice Herz. Die Initiatoren wurden zur Feier allerdings nicht eingeladen.

Als Fusions-Pioniere zeigten sich die lokalen Unternehmer, die als erste ihre Marzahner und Hellersdorfer Wirtschaftskreise vereinigten. Ein Vereinigungszeichen bezüglich des Bezirksnamens wollte auch die CDU setzen und nannte ihren unionierten Kreisverband „Wuhletal“.

Der Mai machte wie so oft einiges neu: jot w.d. feierte damals nicht nur 5. Geburtstag, die Zeitung legte auch im Umfang zu und wuchs von bisher 12 auf 16 Seiten. Große Debatten gab es um die künftige Mittelpunktsbibliothek in Hellersdorf. Sturm im Wasserglas, möchte man aus heutiger Sicht sagen. Denn in der Folge wurde nicht gebaut und eröffnet, sondern geschlossen. Im selben Monat fragte jot w.d.: „Bleibt der Sport- und Freizeitpark der Jugend für immer ein Traum?“ Heute kennen wir die Antwort. Sie lautet: Ja.

Hellersdorf wird EXPO-Projekt

Doch wir wollen nicht immer nur von Verlusten reden. Immerhin kam Hellersdorf im Jahr 2000 zeitweilig „groß“ raus – die weitere Entwicklung der Großsiedlung wurde offizielles Projekt der EXPO 2000. Und dies durchaus mit Erfolg, wie man nicht nur an der tatsächlich folgenden Weiterentwicklung (inclusive diverser Abrisse) sehen kann. Dass bei solchen Großtaten manche Kleinigkeit auf der Strecke bleibt, liegt wohl in der Natur der Sache. In jot w.d. jedenfalls stand, dass der Kastanienboulevard zur „Bummelmeile“ ausgebaut werde solle. Wer dort schon mal so richtig bummeln konnte, möge sich bei der Redaktion melden.Einen „Volltreffer“ landete auch der damalige Chef der Wasserbetriebe, Jörg Simon. Wörtlich zur Redaktion sagte er im Hinblick auf die Kanalisation im Siedlungsgebiet: „Bis 2005 werden wir alle Anschlüsse gelegt haben.“ Nur in Mahlsdorf Nord wollten die BWB „erst“ 2005 beginnen. Heute, im Jahr 2006, wird in Süd noch immer mehr oder minder fleißig gebuddelt, Nord ist bis 2010 (und voraussichtlich ganz) gestrichen. Nicht gestrichen wurde trotz vieler Proteste (und einer womöglich widerrechtlich erteilten Genehmigung) der Bau des B1-Centers. Nichts hat sich seither im Streit um die Ortsumfahrung Ahrensfelde bewegt.

In einer Sonderausgabe dokumentierte jot w.d. die Ausstellung „Verfolgung und Widerstand“ in Hellersdorf

 

Ausgelacht: Vom Spatenstich für’s Schuldorf blieb nichts als ein Häuflein Erde.

Nichts wurde es mit der mit einen im Wortsinn großen Knall begonnenen Bebauung an der Landsberger Straße in Mahlsdorf Nord. Und nichts, rein gar nichts, wurde es mit dem Schuldorf auf dem ehemaligen Tischlereigelände. Die (bis heute nicht abgeschlossene) Bezirksfusion hingegen fand einen ersten Höhepunkt am 5. Oktober mit der ersten gemeinsamen Tagung der „wiedervereinigten“ BVV, die auch ein neues Bezirksamt wählte. Drei der damaligen sechs Stadträte (Klett, Niemann, Simdorn) sind noch immer im Amt. Letzterer nicht mehr lang, wie bekannt, geht er nach Köpenick.

Zum Jahresschluss schrieb jot w.d. von einer „nüchternen Bilanz“ für den Wuhlebezirk. Heute wissen wir, dass es mit einem „Eintritt auf dem Kienberg“ dann doch nichts wurde, dass einige Unternehmen und Vereine im Jahr 2000 ihr „Zehnjähriges“ feiern durften und dass Berliner Siedlungs-Baukunst sogar Interessenten aus Fernost anlockt.

Chinagarten macht Marzahn berühmt

Apropos Fernost: Am 15. Oktober 2000 wurde mit dem Chinesischen Garten im Erholungspark Marzahn die wohl größte Attraktion des Bezirks eröffnet. Mittlerweile gibt es ja fünf „Gärten der Welt“, und die Besucherzahlen haben sich fast verzehnfacht. Neben all den kleinen und großen Desastern hat im Jahr 2000 also auch eine Entwicklung begonnen, die Mut für die Zukunft macht.

R. Nachtmann

 

Die Eröffnung des europaweit größten Chinesischen Gartens mit dem Teehaus „Berghaus zum Osmanthussaft“ war der Auftakt zu den „Gärten der Welt“ und machte Marzahn weit über seine Grenzen hinaus bekannt.